Macht Kraftfutter oder Mischfutter krank?

Kraftfutter Mischfutter

Futter ist die Grundlage der Tierhaltung - das gilt für die landwirtschaftliche Nutztierhaltung, die nachgelagerte Ernährungsindustrie und die Haltung von Heim- und Hobbytieren. In Deutschland geben landwirtschaftliche und private Tierhalter jährlich etwa 10,5 Mrd. € für Futtermittel aus. Allein die Pferdehalter verfütterten nach einer Erhebung des DTV e.V. in Deutschland im Jahr 2008 ca. 2,11 Millionen Tonnen Kraft- und Mischfutter.

Bei einer geschätzten und sehr wohlgemeinten Zahl von ca. 2 Millionen Pferden in der Bundesrepublik entspräche dies einer täglichen Menge von ca. 2,74 kg / Pferd. Diese Zahlen verdeutlichen unschwer, dass eine milliardenschwere Industrie gesteigertes Interesse daran hat, dass sich an diesem Umstand auch in Zukunft nichts ändert.

Nur muss die Frage erlaubt sein, ob hier der Nutzen für das Pferd ebenso groß ist? Zweifelsohne kann der Energiebedarf des Pferdes nicht immer über das Grundfutter (Heu, Stroh, Weide) allein abgedeckt werden. Nur welcher Pferdebesitzer kennt den Energiebedarf seines Pferdes genau und hat er dann auch alle Möglichkeiten ausgeschöpft um einem Überangebot an verdaulichem Protein, Stärke, Zucker, Fett und diversen Toxinen (um nur Einige zu nennen) mit all seinen Nebenwirkungen zu vermeiden.

Hohe Mengen an Kraft- oder Mischfutter fürs Pferd schaden

Durch eine unausgewogen hohe Kraft- und Mischfuttergabe wird das Risiko für Verdauungsstörungen, Stoffwechselstörungen und deren Folgeerscheinungen (Kolik, Magengeschwür, EMS, Endotoxinschock, Durchfall, Schleimhautschäden im Verdauungstrakt, Lahmheiten etc.) erheblich erhöht.

Aber auch die Überversorgung an Kohlenhydraten und die dadurch bedingt steigende Aufnahme der Futtereiweiße bedeutet eine Gefahr für die Gesundheit der Pferde.

Wie viel Futtereiweiß ist gesund? Eiweiße, Proteine sind lebensnotwendige Bausteine des Körpers und dienen dem Erhalt und Aufbau von Muskeln, Bindegeweben und Organen und beeinflussen das Blut und andere Gewebeflüssigkeiten. Die über das Futter aufgenommenen Eiweiße werden mithilfe Eiweiß spaltender Enzyme in einzelne Aminosäuren zerlegt und anschließend über die Blutbahn im ganzen Körper verteilt.

Insgesamt sind 20 Aminosäuren bekannt, die teilweise über das Futter zugeführt werden müssen, andere Aminosäuren werden im Pferdekörper selbst synthetisiert. Doch das Futtereiweiß und die darin enthaltenen Aminosäuren können nur im geringen Umfang im Körper gespeichert werden. Aus diesem Umstand wird sehr schnell deutlich, dass sowohl eine Unterversorgung als auch eine Überversorgung zu Problemen führen kann. Fällt z.B. der Nachschub an Futtereiweißen für längere Zeit unter die Mindestmarke setzen diverse Umbauprozesse im Körper ein.

Lebenswichtige Aminosäuren werden z.B. aus der Muskulatur abgebaut und an anderer Stelle wieder eingebaut. Die Folge einer solchen Unterversorgung sind dann Muskelabbau, Leistungsabfall, Müdigkeit, Hauterkrankungen, schlechte Haar- und Hufqualität und eine Schwächung des pferdeeigenen Immunsystems. Auch wenn ein Mangel an Futtereiweißen aufgrund der heutigen Fütterungspraktiken eher selten ist, zeigen gerade Pferde, die wegen Cushing, EMS, Hufrehe oder anderer Krankheiten auf strenge Diät gesetzt wurden diese Symptome.

Kraftfutter - Mischfutter - Überschuss an Futtereiweißen

Viel häufiger ist dagegen ein Überschuss an Futtereiweißen. Dieser Überschuss entsteht, wenn mehr als 1 Gramm verd. Protein/ kg LM Pferd (Sollgewicht) verfüttert wird. Schubert und Zeyner ermittelten für den täglichen Bedarf den sogenannten Protein/Energie-Quotienten (PEQ). Dieser geht im Regelfall von 5 Gramm verd. Protein pro zugeführter verdaulicher Energie (MJ) aus. Ganz gleichgültig mit welcher Formel man am Ende rechnen möchte – so sind doch diese Erkenntnisse wissenschaftlich unumstritten und sagen eigentlich das Gleiche aus.

Ein Überangebot an Futtereiweißen schädigt den gesunden Stoffwechsel des Pferdes und führt mittelfristig zu vielen gesundheitlichen Problemen. Auch wenn man heute weiß, dass erhöhte Eiweißgaben nicht grundsätzlich der Auslöser für Hufrehe sind – so weiß man aber, dass es in erster Linie Kohlenhydrate, Zucker und Fruktane sind. Nur sieht man die heutigen Futtermischungen an, so sind es eben auch genau diese Zusammensetzungen, die der Stärke aus dem Getreide oft mit eingemischt werden.

Auch wenn man heute noch nicht alle Formen der stoffwechselbedingten Einflüsse eines Proteinüberschusses erforscht hat, werden viele Hauterkrankungen und Allergien bereits mit dieser Problematik diskutiert. Sicher ist die Fachwelt darin, dass eine Überdosierung von Eiweißen zu einer Entmineralisierung von Knochen und Knorpeln führen kann.

Im Umkehrschluss ergibt sich hieraus eine erhöhter Bedarf an Mineralfutter, weil für den Abbau des überschüssigen Eiweißes hohe Mengen an Zink, Kupfer und Mangan benötigt wird. Dieser Umstand wird speziell im Zusammenhang mit dem Knochenabbau und der Arthrose diskutiert.

Aber auch der ständige Abbau des überschüssigen Futtereiweißes belastet Leber und Niere und schädigt diese am Ende ebenfalls. Bei heranwachsenden Pferden bewirkt eine hohe Eiweißversorgung ein schnelles Wachstum der Knochen – allerdings mehr in die Länge als im Umfang. Diese Problematik führt dann zu Veränderungen insbesondere in den Vorderbeinen und so genannte Wachstumsdepressionen oder –schübe führen oft zu orthopädischen Problemen.

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Hoher Stärkegehalt, geringer Rohfaseranteil, zu große Mengen Kraftfutter und Mischfutter

Die meisten Mischfutter sind sehr stärkereich (Getreidemischfutter). Ein hoher Stärkegehalt im Futter kann aber zu einer Belastung des Darmmilieus und der Verdauungsprozesse sowohl im Magen-Dünndarmbereich als auch im Dickdarmbereich führen.

Durch die Struktur des Kraftfutters kommt es zu einer 5- bis 6-fach schnelleren Futteraufnahme gegenüber Raufutter bei geringer Kautätigkeit. Dadurch werden nur geringe Mengen Speichel produziert und es kommt zu einer unzureichenden Durchsaftung des Futterbisses. Die durch den Speichel erwünschte ph-Wert-Senkung im Magen wird verzögert oder bleibt aus. Dadurch kommt es zu Magenschleimhautreizungen und Magengeschwüren.

Eine starke Bildung organischer Säuren führt zu einer starken ph-Wert-Absenkung und bedingt ein verstärktes Absterben wichtiger Darmbakterien insbesondere im Dickdarm. Die dabei freigesetzten Endotoxine können durch die geschädigte Dickdarmschleimhaut in die Blutbahn gelangen und belasten Leber und Niere immens. Auch dieser Umstand ist oft Auslöser einer Hufrehe.

Was ist sonst noch in meinem Mischfutter? Der heutigen Futtermittelindustrie wird es sehr leicht gemacht. Eine neue EU-Verordnung (767/2009) regelt die neue Deklarationspflicht von Konservierungsstoffen oder BHC´s – oder besser sie regelt eben, dass nichts mehr deklariert werden muss. Darüber hinaus hat man eine Vielzahl neuer Futtermittelzusatzstoffe auf die Liste der erlaubten Substanzen gesetzt, die nicht immer unumstritten sind. Einige Zusatzstoffe dürfen heute schon gentechnisch hergestellt werden.

Grundsätzlich wird man in den meisten Fällen ohne Zusatzstoffe, um die Schimmelpilzbildung und Futterparasiten zu vermeiden, nicht umhinkommen. Bedenkt man aber, dass hier Mengen zwischen 1% bis 5% üblich sind, werden unsere Pferde zusätzlich im Schnitt mit bis zu 137 Gramm dieser Zusatzstoffe täglich belastet (ausgehend vom statistischen Durchschnittswert von 2,74 kg Kraft- und Mischfutter/Tag/Pferd).

Andere Mischungen enthalten ätherische Öle oder Alkohol, die ebenfalls nach neuestem EU-Recht nicht mehr grundsätzlich deklariert werden müssen. Nach den neuen Dopingregularien der FN zählen derartige Zusätze zu den unerlaubten Medikationen, die mindestens 48 Stunden vor dem Wettkampf abgesetzt werden sollten.

Macht Kraft- oder Mischfutter krank? Nun die Frage muss heißen, macht Kraft- oder Mischfutter mein Pferd gesünder? Grundsätzlich wird nicht bei jedem Pferd der neben dem Erhaltungsbedarf notwendige Energieanteil des Leistungsbedarfes über Raufutter alleine abgedeckt werden können. Insbesondere dann, wenn es sich um Pferde handelt, die im Leistungssport eingesetzt werden. Bei den über 80 % Freizeitpferden dürfte sich aber die tägliche Menge an Kraftfutter auf nahezu Null bewegen, wenn man eine ausgewogene und energiereiche Grundversorgung sicherstellen kann.

Bedenkt man die vielen negativen Einflüsse, die Mischfutter falsch dosiert, falsch gelagert oder zum falschen Zeitpunkt gefüttert (nie vor der Heuration füttern) verursachen kann, sollte schon allein aus diesem Aspekt heraus der Futterplan neu überdacht werden. Allein die Kostenersparnis durch die Reduzierung der Kraft- oder Mischfuttermengen und einer damit verbundenen Reduzierung der Tierarztkosten dürften ein gutes Argument sein, in diesem Punkt umzudenken.

Aber auch die Erkenntnis, dass zu hohe Mengen eine Vielzahl von Energie fressenden Stoffwechsel- und Entgiftungsvorgängen provoziert dürfte deutlich machen, dass Kraftfutter nicht grundsätzlich gewichts- und leistungsfördernd wirkt und das Immunsystem mehr belastet als es entlastet. Aus dieser Erkenntnis wird deutlich, dass ein Ernährungsberater für Pferde gute Dienste erweisen kann. Dieser wird die individuellen Bedürfnisse vor Ort berücksichtigen und einen auf Ihr Pferd und Ihre Probleme abgestimmten Ernährungsvorschlag machen.

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