Bereits seit Jahren wird der Einsatz des Spurenelements Chrom (III) in der Anwendung als Nahrungsergänzung beim Menschen diskutiert. Im Bezug auf Pferde finden wir ebenfalls bereits einige interessante Studien zu diesem Thema. Chrom ist in anderen Wertigkeiten ein hoch toxisches bzw. stark krebserregendes Element (Chrome V und Chrom VI). Bei Pferden geht man nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis davon aus, dass bei üblicher Fütterung wie bei Flour, Molybdän, Zinn und Bor keine Mängel entstehen ((Meyer/Coenen 2014). Beim Pferd wurden unterschiedliche Referenzwerte im Blut von 1,0 bis 2 mcg/l Blutserum (bei Eseln höher) angegeben. (Veterinary World, EISSN: 2231-0916). Für ein Pferd mit ca. 500 kg werden als täglich ausreichende Chrommenge zwischen 1,6 und 5,0 mg je Tag angesetzt. Ein Chrommangel am Pferd ist lt. Stellungnahme der University of Kentucky of Agricultur and Food nie dokumentiert worden. Pferde sind in der Lage zusätzliche Chromquellen zu nutzen (Cr-Chlorid oder Cr-Methionin).

Nach derzeitigem Kenntnisstand spielt Chrom III (= dreiwertiges Chrom) bei der Kontrolle der zellulären Glukoseaufnahmen durch das Hormon Insulin eine wohl bedeutende Rolle. Nach heutiger Vorstellung, die wissenschaftlich noch nicht gänzlich geklärt ist, geht man davon aus, dass die Bindung von Chromodulin an einen inaktiven Insulinrezeptor dazu führt, dass dieser die Effizienz des Insulins erhöht. Dadurch entsteht theoretisch ein Glukoseeinstrom in die Zellen, welcher wiederrum einen Blutzuckerabfall zur Folge hat.

INFO: Insulin (ein Hormon aus der Bauchspeicheldrüse) ist dafür zuständig, die über die Nahrung aufgenommene und im Blut befindliche Glukose (Zucker) in die Zellen verschiedener Gewebe zu schleusen. Diese Glukose dient als Energielieferant. Am häufigsten wird Glukose von der Skelett- und Herzmuskulatur verwertet. An dritter Stelle steht das Fettgewebe.

Keine Wirkung durch die Chromfütterung an EMS - Pferden

In unterschiedlichen Untersuchungen konnte man feststellen, dass Menschen mit Chrommangel tendenziell häufiger an einer eingeschränkten Insulinsensitivität und einem verminderten Glukosestoffwechsel leiden als andere. In mehreren Studien wurde nachgewiesen, dass die Einnahme von tgl. bis zu 200 mg Chrom zu einem sinkenden Blutzuckerspiegel sowie reduzierten Tryglycerid- und Cholesterinwerten führt (Anderson, R.A.: Chromium in the prevention and control of diabetes. usw). Da liegt es natürlich nahe, diese Schlussfolgerung auch auf die Haustiere zu übertragen. Pferde leiden ja auch an den Wohlstandskrankheiten wie Fettleibigkeit, Diabetes Typ 2 und an unterschiedlichen Formen des EMS.

Symptome, die nach JOHNSON (2002) zum jeweiligen Komplex „Metabolisches Syndrom“ gehören:

  • Adipositas (regional oder generalisiert)
  • Insulinresistenz
  • Hufrehe
  • Hypertension
  • Dyslipidämie
  • Erhöhte Konzentration an Entzündungsmarkern
  • Veränderter Reproduktionszyklus und Abweichungen in der Aufnahme bei Stuten
  • Hyperleptinämie 

Erste Studien an Pferden schienen zunächst auch vielversprechende Ergebnisse zu liefern. Was aber die Aussagekraft solcher Studien immer schwächte, waren die geringe Anzahl an Pferden, die daran teilnahmen und die Schwierigkeit reproduzierbare Laborverhältnisse herzustellen. Letztendlich waren und sind die dokumentierten Chromversuche an Pferden und Ponys in ihrer Aussage sehr kontrovers. Bis heute ist nicht geklärt, ab welchem Referenzwert man überhaupt von einem Chrommangel beim Pferd sprechen kann, da diese Tiere im Gegensatz zum Menschen als „Vegetarier“ ausschließlich fleischlos fressen und somit kaum vorstellbar überhaupt einen Chrommangel entwickeln können. Chrom ist in der Natur weit verbreitet und eine wissenschaftliche Schlussfolgerung über den alimentären Chromstatus beim Pferd daher eher unseriös bzw. unzuverlässig. Da die Resorptionsrate von anorganischem Chrom in Futtermitteln sehr ungünstig ist (0,5 bis 3 %), führte man alle Versuche mit organisch gebundenem Chrom (Chromhefe) durch.

Dorothee Tönjes hat bezüglich der immer wieder propagierten Wirkung von Chromhefe auf Pferde mit EMS und der dabei zusätzlich beschriebenen Gewichtsreduktionen 2017 eine Doktorarbeit verfasst. (Effekte der kombinierten Chrom- und Metforminsupplementierung auf die Entwicklung der Insulinsensitivität und Glukosetoleranz bei adipösen Pferden und Ponys)

Hierbei kommt die Doktorandin auf folgendes Ergebnis:

„Basierend auf den Daten der Literatur ist die Energierestriktion und den damit verbundenen Gewichtsverlusten als effektive Maßnahme zur Verbesserung der Insulinsensitivität und Glukosetoleranz bei adipösen Pferden und Ponys zu empfehlen. Weder Chrom noch Metformin oder die Kombination von Chrom+Metformin konnte in den hier im Versuch angewandten Dosierungen die Insulinsensitivität und Glukosetoleranz der erkrankten Pferde
und Ponys verbessern.

Außerdem ist festzuhalten, dass eine Einzelbestimmung der Seruminsulinnüchternwerte bei klinisch verdächtigen Equiden nicht ausreichend ist, um eine Insulinresistenz zu diagnostizieren. Für die Diagnostik ist der KGIT zu empfehlen, um falsch negative Ergebnisse auszuschließen.“

Zudem kommen andere Placebo geführte Studien zu dem gleichen Ergebnis und folgern, dass am Ende nur eine Futterreduktion mit gleichzeitiger Erhöhung des Bewegungs-/Arbeitspensums schlussendlich beim Pferd zu einem nachhaltigen Ergebnis führen. Nachdem eine Zuführung von Chrom trotz Kenntnis der neuen Studien von Tierheilpraktikern empfohlen wird, noch ein weiterer Hinweis, der zu denken geben sollte:

Chrom ist nicht nur futtermittelrechtlich für Pferde verboten, sondern auch evtl. krebserregend!

Erwähnt werden muss ordnungshalber, dass Chrom keine Zulassung als Futtermittelzusatzstoff hat – eine Anwendung bei lebensmittelliefernden Tieren (dazu zählen unsere Pferde) ist ebenso nicht erlaubt wie die allgemeine Anwendung an Pferde, die nicht zur Schlachtung freigegeben worden sind.

Wer also trotz des Verbotes Chromhefe als Einzelfuttermittel oder Zusatzstoff in einem Futtermittel an sein Pferd verfüttert oder gar vertreibt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und wird mit harten Geldstrafen sanktioniert.

In neusten Studien weisen Wissenschaftler auf die bedenklichen Ergebnisse zweier Labore in Australien und Amerika hin. Offensichtlich oxidieren die der Nahrung zugegebenen Chromverbindungen in teilweise höhere Oxidationsstufen. Diese schädigen nach Meinung der Forscher die DNA. Chrom (V) und Chrom (VI)-Verbindungen werden daher als stark krebserregend eingestuft. Noch ist man sich aber nicht zu 100% sicher, ob derartige Chromsupplementierungen am Ende auch tatsächlich ein zusätzliches Krebsrisiko beim Pferd darstellen. In Anbetracht der sehr dünnen Studienlage, die für eine Chromfütterung beim Pferd mit EMS sprechen, raten wir daher dringend davon ab. (Carcinogenic Chromium (VI) Compounds Formed by Intracellular Oxidation of Chromium (III) Dietary Supplements by Adipocytes; Dr. Lindsay)

Was fördert und was unterbindet eine Chromresorption (Durcros 1992; Meißner 2002)

... fördert die Resorption von Chrom. ... vermindert die Resorption von Chrom.
Ein Mangel an Eisen und Zink Hohe Rohfaseranteile
Oxalat Phytate
Eiweiß Zink
Stärke Eisen
Vitamin C Vanadium
Nicotinsäure
Antiacida (GastroGard)

Chromfütterung bei Pferden mit PSSM – lesen Sie herzu den wichtigen Hinweis in unserem PSSM Artikel: PSSM und andere Muskelstoffwechselerkrankungen bei Pferden

Fazit: Sowohl die Futtermittelindustrie als auch die Pharmaindustrie arbeiten hart an einem adäquaten Mittel gegen EMS. Es wäre zweifelsohne praktisch, könnte man dem Pferd eine Tablette verabreichen oder einen Riegel füttern und die metabolischen Probleme wären vom Tisch. Was im humanen Bereich der Wissenschaft nicht gelungen ist, sollte uns bei den Pferden auf einmal gelingen? Dass das unwahrscheinlich ist, dürfte schnell jedem einleuchten. Wir haben sinnvolle Mittel, um die Entgleisungen eines metabolischen bzw. dicken Pferdes zu reduzieren – in vielen Fällen sogar gänzlich abzustellen. Die Reduktion des Futters mit gleichzeitiger Erhöhung der Bewegungsreize ist auch heute noch das Mittel der Wahl. So einfach wäre das Problem zu lösen. Dass darüber hinaus sinnvolle Mikronährstoffe und Kräuter einen solchen Prozess unterstützen können, steht außer Frage. Daher hat sich unser MeboSyn auch immer gut bewährt. Chromhefe hat bei der „Behandlung“ von Pferden mit EMS allerdings keinen Platz – im Gegenteil, die kritischen Stimmen sollten sehr ernst genommen werden.