Homöopathie Pferd

Tristan 11-2013                                    Foto: THP Ellen von Dahlen

 

Die Ursache und Auslöser aller Krankheiten ist aus der Sicht der Homöopathie die LEBENSKRAFT. In der Traditionellen Chinesischen Medizin benannt als Qi (gesprochen Schi). Diese Lebenskraft ist dem materiellen Aspekt des Organismus übergeordnet. Sie steuert den materiellen Teil sowie alle chemischen und mechanischen Kräfte im Körper. Die steuernde Lebenskraft erreicht jede Zelle des Organismus, jedes Molekül, jedes Atom, jedes Nanopartikelchen und hält alle Bestandteile in funktionaler Harmonie. Die Lebenskraft macht aus einer Sammlung von verschiedenen organischen und anorganischen Verbindungen LEBEN. Sie drückt sich in Strukturen wie Knochen, Gelenken, Muskeln, Nerven und anderen Organen aus und koordiniert ihre Funktionen und ihre Wirkungen. 

Krankheitauslöser Lebenskraft

Eine VERSTIMMUNG der Lebenskraft führt unweigerlich zu Problemen. Erst eine verstimmte Lebenskraft ermöglicht es fremden Bakterien oder anderen Keime in den Organismus einzudringen. Die Lebenskraft enthält alle Informationen über mögliche Reaktions- und Verhaltensmuster, wie sich der Organismus im Bedrohungsfall wehren kann.

 


                                     Homöopathie Pferd

                                       „Sommerekzem“                       Foto:  THP Ellen von Dahlen                  

 

Schwächung der Lebenskraft durch allopathische Behandlungen

Durch Arzneien ausgelöste Krankheiten haben bedrohliche Auswirkungen, weil sie zwar die Symptome der Krankheit unterdrücken können – für uns sieht es dann danach aus, als ob die Krankheit verschwunden ist – aber andere, neue Symptome zu einem späteren Zeitpunkt hervor bringen. Oftmals bringt man die neuen bisher noch nicht offensichtlichen Symptome nicht mehr mit der vorher gehenden Krankheit und deren Behandlung in Verbindung.

 

Bericht meiner eigenen Erfahrung:

Ich wurde seit meiner Kindheit mit allopathischen Therapien unterdrückt. Meine Mutter betäubte meine Lebenskraft immer fort mit Fieber senkenden Zäpfchen bis mein Organismus keinerlei Fieber mehr bilden konnte. Sobald ich auch nur geringste Zeichen einer Erkältung zeigte, wurden als Vorsichtsmaßnahme die Zäpfchen eingesetzt. Hinzu kommt natürlich, dass ich selbstverständlich alle möglichen Impfungen und regelmäßige Auffrischungen erhalten habe.

Mit 9 Jahren bekam ich jedes Jahr im November eine Seitenstrang-Angina, war heiser und bekam eine Erkältung. Niemand fragte mich oder meine Mutter, ob ich das bereits vorher schon mal hatte. Auch der behandelnde Hausarzt, der meine Akte führte, kam nie auf die Idee, dass die Arzneien, in diesen Fällen, immer Breitbandantibiotika, dafür sorgten, dass die Symptome jedes Jahr wiederkehrten.

Im Alter von 17 Jahren hatte ich meine ersten Zwölffingerdarmgeschwüre, die man damals natürlich nicht mit irgendwelchen Therapien in meiner Kindheit und Jugend in Verbindung brachte. Ich wurde erneut mit Antibiotika therapiert. Danach folgten viele Jahre im Herbst Halsschmerzen und Seitenstrang-Angina. Mit Mitte 20 hatte ich nachhaltige Rückenprobleme vor allem im Lendenwirbelbereich. Die Ärzte rieten dringend davon ab, weiter zu Reiten. Ich hörte mit dem, was ich am liebsten tat auf, ohne nachhaltige Besserung. Es folgten viele Invasiv-Maßnahmen (Spritzen-Kuren). Ich wurde X-fach geröngt oder ins MRT gesteckt. Doch auch hier kam man dem Grund nicht auf die Spur. So begann ich wieder mit dem Reiten und wurde zumindest psychisch wieder etwas ausgeglichener. Meine Rückenschmerzen vergingen, meine Erkältungsneigung blieb. Ich musste mich jedes Jahr (!!) für mindestens  1-2 Wochen krank melden.

Mit Ende 30 hatte ich dann eine Konisation hinter mir, aufgrund des Nachweises von Krebszellen an meinem Muttermund und dann folgten noch zwei Burn-out-Krisen, eine davon dauerte mehr als ein Jahr.  Ich beschloss, mich mit der Therapie von Pferden und anderen Tieren zu beschäftigen und absolvierte mit Anfang 40 eine Ausbildung zur Tierheilpraktikerin und kam erstmals mit Homöopathie in Kontakt. Meine damalige Ausbilderin war auch Heilpraktikerin und machte mit mir eine homöopathische Konstitutionstherapie.

Ich bekam, nachdem ich ihr alles, was ich über meine Krankheitshistorie wusste, gesagt habe, etwa eine Woche später drei Kügelchen eines Arzneimittels und mein Organismus machte in 14 Tagen noch einmal alle Krankheiten der letzten 30 Jahre durch. Ich bekam hohes Fieber – zum ersten Mal nach mehr als 30 Jahren – meine Lebenskraft erwachte erneut zum Leben! Während dieser Phase – der Erstverschlimmerung – durfte ich nur konventionell z.B. Wadenwickel machen, aber auf keinen Fall mit Fieber senkenden Maßnahmen unterstützen. Ich fühlte mich elend, so wie sich meine Lebenskraft über Jahrzehnte gefühlt haben muss. Nach ca. 12 Tagen konnte ich das Bett verlassen, war noch etwas schlapp und 2 Tage später war ich GESUND! Seitdem, das ist heute zwölf Jahre her, habe ich keinerlei Erkältungsneigung mehr, keine Rückenprobleme, obwohl ich täglich reite und viel draußen körperlich arbeite. Magengeschwüre oder andere Darmleiden sind niemals mehr aufgetreten.

 

Heute weiß ich, dass mit jeder allopathischen Therapie, die eigentliche Erkrankung immer tiefer in den Organismus gewandert ist, weil die unterdrückenden Maßnahmen, meine Lebenskraft mehr oder weniger außer Kraft gesetzt haben. Das ist kein Vorwurf, sondern das Produkt der damaligen Zeit, der falschen Beratung und der Ausnutzung der Gefühle meiner Mutter, die Angst um ihr einziges Kind hatte und alle Vorsichtsmaßnahmen ergreifen wollte. Damals gab es noch kein google und wer selber nicht medizinisch gebildet war, hatte kaum eine andere Möglichkeit als sich dem Urteil des Spezialisten zu beugen.

 

Für mich war es der Startschuss, mich intensiv mit dem Studium der Homöopathie und ihrer Wirkung auseinander zu setzen. Die Heilerfolge sprechen für sich, denn mehr als hundert Tiere konnten nach ausführlicher Anamnese (Fallbericht-Erhebung) von ihren chronischen Leiden oder Verhaltensstörungen geheilt werden. Jedoch eines ist gewiss: Homöopathie ist eine HEILKUNST, die man nicht mal eben schnell durchführen kann. Frei nach dem Motto: „Du sagt doch mal, was gebe ich denn bei Durchfall. Mein Pferd hat das seit ein paar Tagen.“  Alle homöopathischen Mittel, die in diesem Falle schnell verabreicht werden, sind als unterdrückende Maßnahme ohne Nebenwirkungen, einzustufen.

 


                              Homöopathie Pferd

                                                                Foto:  THP Ellen von Dahlen

 

Für den Erfolg der Therapie ist in erster Linie die Wahl des richtigen homöopathischen Arzneimittel ausschlaggebend!

 

Uns Homöopathen interessiert viel mehr, nämlich gibt es einen Anlass für den Durchfall? Wie sieht der Durchfall aus? Wie riecht er? Wie ist seine Konsistenz und seine Farbe? Zu welcher Tageszeit tritt er auf, immer oder nur am Abend? Hatte das Pferd diese Symptome schon einmal? Was wurde damals dagegen unternommen? Hat es geholfen? Bekommt das Pferd anderes Futter? Steht es länger als bisher auf der Koppel? Hat es einen Koppelfreund verloren? Ist das Pferd gerade erst eingezogen? Hat das Pferd irgendeinen Stress? Hat die Pferdebesitzerin Stress? Steht eine Veränderung an? u.s.w., u.s.w.

Diese Fragen schließen selbstverständlich eine Untersuchung des Patienten nicht aus. Sondern vielmehr führen alle ermittelten Informationen zu dem einzig richtigen Arzneimittel für diesen Patienten, das dann unter 3000 möglichen gefunden werden muss. Und nur weil ein Arzneimittel A bei einem anderen Patienten den Durchfall beseitigen konnte, heißt das nicht gleichzeitig, dass dasselbe Arzneimittel auch in diesen Fall zum Erfolg führen wird. Denn jeder Patient muss individuell mit seinen Charakteristika, seinem Leistungs- und Anpassungsvermögen betrachtet werden.


                                           
                                                           „Durchfall??“           Foto: THP Ellen von Dahlen        

 

Dazu braucht der Therapeut eine sehr gute Wahrnehmung und Beobachtungsgabe, eine hervorragende Intuition und die Fähigkeit, zielgerichtete Fragen zu formulieren. Eine gewisse Erfahrung in der Therapie mit homöopathischen Arzneimitteln ist sicher hilfreich, aber nicht Voraussetzung, sofern sich der Therapeut an die „Ur“-Vorgaben des Entdeckers der Homöopathie, Samuel Hahnemann, hält. Er hat ein „Gesetzbuch“ hinterlassen – das Organon-, in dem er genau vorschreibt, was in der homöopathischen Therapie zu beachten ist. Das sollte jeder seriös arbeitende Homöopath kennen. Das unterscheidet uns von denen, die ihre homöopathischen Kenntnisse aus dem GEO-Buch der Apotheke haben und mit homöopathischen Arzneimitteln Krankheitssymptome unterdrücken. Das hat nichts mit Hahnemann's Lehren zu tun. Das ist Unterdrückungstherapie mit naturheilkundlichen Arzneien. 

Nachdem alle Daten erhoben wurden, zieht sich der Homöopath zurück und sucht mit Hilfe eines Repertoriums (einer Symptomenliste) das richtige Mittel für den Patienten. Wenn er eine engere Auswahl getroffen hat, liest er in der MATERIA MEDICA (Buch aller Arzneimittelbeschreibungen) seine Mittel nach und entscheidet dann nach der größten Übereinstimmung der Charakteristika des Patienten mit dem Arzneimittel. Das Mittel, dass die höchste Deckung aufweist und zum Charakter des Tieres passt, ist das richtige Heilmittel. 

Der Therapeut braucht auch etwas Mut und genügend Selbstbewusstsein, nämlich dann, wenn es zu Erstverschlimmerungen in der Behandlung kommt. Das kann passieren, wenn der Therapeut eine falsche Potenz verabreicht hat, oder die Arznei zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht dran war. Das bedeutet, dass wir gerade bei chronischen Krankheiten mehrere Schichten der Erkrankung berücksichtigen müssen. Die gesamte Erkrankung kann dann nur schichtweise reguliert werden und der Tierbesitzer muss sich auf eine längere Therapie einstellen.

Doch wie verhält man sich bei einer Erstverschlimmerung?

Der erfahrene Homöopath weiß, wann er regulativ eingreifen muss. Der Patientenbesitzer und der Patient müssen nun die neuen oder verstärkten Symptome aushalten. Meine Erfahrung zeigt mir, dass ich nur selten eingreifen muss, sondern das Arzneimittel in der Regel nur auswirken lassen brauche. In der Erstverschlimmerungs-Phase ist mir noch nie ein Patient gestorben, auch nicht eine Stute, mit sehr schmerzhaften Borreliose-Schüben, die über 5 Wochen lang über 40° Grad Fieber hatte. In diesem Fall habe ich ein Fieber-Tagebuch führen lassen. So dass wir anhand dessen herausfanden, zu welcher Tageszeit das Fieber anstieg und wann es abfiel. Danach ergab sich ein neues Arzneimittel. Denn nicht jedes Arzneimittel, dass Fieber regulieren kann, ist für intermittierende Fieber geeignet. Erst nach 4 Wochen zeigte uns die Stute, welches Mittel die Borreliose letztendlich verschwinden ließ. Dieser Fall ist heute schon 7 Jahre her. Seitdem hatte sie keine Schübe mehr. 

Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie:

 

                                   Homöopathie Pferd
                                                         Grafik und Fotos:  THP Ellen von Dahlen

Für eine erfolgreiche homöopathische Therapie braucht man nicht den Glauben, wie viele Menschen annehmen, sondern eine sehr gute Wahrnehmung, Erfahrung mit der Wirkung der Arzneimittel und deren Beziehungen untereinander, Zeit und Geduld, denn eine homöopathische Therapie endet nie wirklich, sondern löst Schicht für Schicht die tiefer abgewanderten Heilungsblockaden auf. Das heißt, dass es unter Umständen bei einem älteren Tier, dass schon häufig unterdrückende Maßnahmen über sich ergehen lassen musste, länger bis zum echten Heilerfolg dauert, weil so viele Schichten abgebaut werden müssen. Junge Tiere, die nur wenig solcher Maßnahmen erfahren haben, sind schneller umzustimmen. 

Das Ziel einer homöopathischen Therapie ist immer, die Lebenskraft wieder uneingeschränkt wirken zu lassen, damit der Patient wieder kraftvoll über die Koppel galoppieren kann!

 


                                              Homöpathie Pferd
                                                        Tristan 08-2014                           Foto: Claudia Rahlmeier

 

 

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