Mineralfutter für Pferde selber herstellen - wie sinnvoll ist es sich an den Wildpferden zur orientieren?Für viele Pferdebesitzer steht eine möglichst bedarfsgerechte Versorgung ihrer Vierbeiner mit einem auf das Pferd abgestimmten Mineralfutter im Vordergrund. Dafür werden keine Kosten und Mühen gescheut und Heu, Weidegras sowie die Blutwerte des Pferdes regelmäßig analysiert. Anhand dieser Ergebnisse wird dann nach passenden Mineralfuttern für Pferde gesucht und ggf. auch eigene Mischungen über Internetportale wie die Futtermanufaktur (www.futtermanufaktur.de) erstellt. In diesem Fachartikel wollen wir die Frage aufgreifen, ob und inwieweit überhaupt eine detaillierte Einschätzung des Mineralfutterbedarfs bei Pferden möglich ist und welche Rückschlüsse aus diversen Heuanalysen oder Blutbildern geschlossen werden können. Wir richten auch einen Blick auf die in Mode gekommenen Mineralbars und nehmen handelsübliche Mischungen ohne zugesetzte Mineral- und Zusatzstoffe (also rein natürliche Lieferanten) einmal genauer unter die Lupe.

Mineralfutter für Pferde – welche Tabelle zeigt mir den richtigen Bedarf

Der eigentliche Bedarf eines Pferdes an Mineralstoffen, Vitaminen und Spurenelementen ist heute bekannt. Als zentrale Stelle veröffentlicht die GfE (Gesellschaft für Ernährungsphysiologie) und international der NRC (National Research Council, USA) für Pferde und Nutztiere umfangreiche Nährwert- und Bedarfstabellen. Nach langjähriger Pause gab die GfE endlich im Jahre 2014 ein neues, aktualisiertes und national beachtetes Buch ("Empfehlungen zur Energie-und Nährstoffversorgnung von Pferden") heraus. Darin werden nachfolgende Fütterungsaspekte behandelt:

  • Futterbewertung (Additivitätsprinzip, energetische Futterbewertung)
  • Proteinbewertung
  • Erhaltungsbedarf an Metabolischer Energie
  • zusätzlicher Energiebedarf (Arbeit, Gravität, Laktation usw.)
  • Empfehlung zur Versorgung eines Pferdes mit Mineralstoffen und Vitaminen
  • Anforderung (Struktur, Gerüstsubstanz, Gehalt, Kauaktivität usw.) an Grobfuttermittel

Die in diesem Regelwerk aufgelisteten Bedarfswerte kommen am Ende auf Grund vieler wissenschaftlicher Beobachtungen zu Stande. Häufig stehen komplizierte Schätzungsgleichungen dahinter und die Bedarfszahlen für Pferde werden auf Grund dieser ermittelt bzw. genähert. Damit wird deutlich, dass am Ende die zur Verfügung gestellten Zahlen bzw. Bedarfswerte nur ein guter aber dennoch nicht endgültiger Anhaltspunkt sein können.

Eine Berechnung des Mineralfutterbedarfs eines Pferdes 1:1 nach aktuell vorliegenden Bedarfstabellen oder Analysen (auch diese sind nur mäßig genau) ist wenig zielführend und wären auch unter Berücksichtigung der Pferdegesundheit folglich der falsche Ansatz. Zwar geben sie den theoretischen Bedarf eines Pferdes wieder – dennoch bleibt die Feststellung, dass der Bedarf an Spurenelementen, Mineral- und Vitalstoffen beim Pferd von vielen Faktoren abhängig ist und daher nur grob dargestellt werden kann.

Die richtige Menge an Mineral- und Vitalstoffen für das Pferd (GfE 2014)

Tägliche Empfehlung eines Pferdes mit 500 kg im Erhaltungsstoffwechsel – ohne Arbeit und mit Arbeit:

 Mengenelement:

Erhaltung:

mit Arbeit (mittel):

Calcium

17,4 Gramm

+ 40 %

Phosphor

13,7 Gramm

-

Magnesium

5,6 Gramm

+ 25 %

Natrium

3,3 Gramm

+ 300 %

Kalium

14,7 Gramm

+ 100 %

Chlor

1,6 Gramm

+75 %

Eisen

425 mg

-

Kupfer

105 mg

-

Zink

425 mg

+ 20 %

Mangan

425 mg

-

Selen

1,05 mg

-

Jod

1,6 mg

-

Vitamin A

16.000 IE

+ 50 %

Vitamin D

3.600 IE

-

Vitamin E

530 mg

+ 100 %

Vitamin B1

30 mg

-

Vitamin B2

20 mg

-

Biotin

2,2 mg

-

Die beste Bedarfsberechnung für Pferde ist nichts wert, wenn dem Eiweiß und der Energie im Futter bzw. dem Energie- und Eiweißbedarf des Pferdes keine Beachtung geschenkt wird, Daher muss für die Berechnung der notwendigen Menge an Vitalstoffen neben dem Gewicht, Alter und zum Beispiel der Gesundheit auch die Arbeit des Pferdes ermittelt werden. Sowohl ein zu viel als auch ein zu wenig an Eiweiß oder Energie nehmen massiven Einfluss auf die Aufnahme bzw. übermäßige Ausleitung der über die Nahrung zur Verfügung gestellten Vitalstoffe.

Die richtige Eiweißmenge (dünndarmverdaulich) für das Pferd

Ein Beispiel: Aminosäuren bzw. Proteine sind für einen funktionierenden Organismus lebensnotwendig und praktisch an jedem Vorgang im Stoffwechsel beteiligt. Die ideale Zusammensetzung der essenziellen Aminosäuren im Pferdefutter analytisch oder rechnerisch zu überprüfen ist für den Pferdebesitzer praktisch fast unmöglich. Die Labore selbst geben in der Regel auch nur die Proteine zusammengefasst als Rohprotein an. Eiweiß ist aber nicht gleich Eiweiß, sondern gerade den limitierenden Aminosäuren Lysin, Threonin und Methionin (je nach Literatur auch Tryptophan) müsste besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Je nach Arbeit ändern sich zwar die benötigten Verhältnisse zueinander, nicht aber die erforderliche Menge an dünndarmverdaulichem Rohprotein je MJ Energie (Erhaltung und Arbeit). Dieses Verhältnis (vRP-MJ) reicht aber zunächst aus um den Futterplan des eigenen Pferdes zu überprüfen:

Merke: Je Megajoule (MJ) an verdaulicher Energie benötigt der Organismus des Pferdes 6 Gramm an verdaulichem Protein (Eiweiß) (vRP).

Das Problem der Pferdefütterung aber ist, dass in unseren Breitengraden oftmals eine zu eiweißlastige Fütterung propagiert wird, in der Annahme hier würde zu häufig ein Mangel entstehen. Selbst bei ausschließlicher Heufütterung kann für Heu in mittlerer Qualität kein passendes PE-Verhältnis (Protein zu Energie) ermittelt werden, dass unter dem in allen Publikationen geforderten Verhältnis von 5,7 bis 7 liegt. D.h. eine Eiweißversorgung ist im Regelfall bei reiner Heufütterung bereits zu hoch, da hier rechnerisch je Megajoule an Energie mehr als die geforderten 5,7 Gramm an verdaulichem Eiweiß zur Verfügung gestellt werden. 

Daher dazu eine ganz einfache Rechnung, die das Problem darstellen kann:

Der Bedarf an Energie und Eiweiß beim Pferd lässt sich hier mit wenigen Formeln einfach ermitteln:

Energiebedarfsermittlung:

0,6 * KM 0,75 = Erhaltungsbedarf (ME)  

(Bei der Körpermasse (KM) sollte das Sollgewicht des Pferdes herangezogen werden. Je nach Rassetyp kann man den Wert 0,6 ersetzen. Empfohlen werden bei Warmblutpferden z.B. 0,52, bei Ponyrassen 0,4 und bei Robustpferderassen (oder Nordtypen lt. Bender) 0,4 bis 0,5. Vollblutpferde rechnet man mit 0,64 – lt. Kienzle 2010).

In unserem Beispiel haben wir einen Haflinger mit 500 kg Lebendgewicht. Somit ergibt sich folgende Rechnung:

0,5 (da Robustpferd) * 500 0,75 = Erhaltungsbedarf in Megajoule (ME)

"Einfach Taschenrechnerfunktion des Smartphone ins Querformat bringen und nach der Eingabe des Sollgewichtes die Taste Xy drücken und 0,75 eingeben. Klammer schließen und mit das Ergebnis abrufen."

Also 0,5 * 106 wären in diesem Beispiel dann 53 Megajoule an benötigter Energie um das Pferd in der Erhaltung (ohne Arbeit) ausreichend zu versorgen.

Nun, der Bedarf von Energie bei Erhaltung war noch recht einfach zu errechnen (hoffe ich ????). Wesentlich schwieriger wird es bei der Berechnung des weiteren Energiebedarfs für die vom Pferd zu verrichtende Arbeit. Zum Glück stehen auch hier Tabellen und Formeln zur Verfügung, die sehr ausführlich in dem Buch "Pferdefütterung" – Enke Verlag aufgelistet sind.

Energiebedarf eines Pferdes (je 100 kg LM) in Arbeit in der Horizontalbewegung (also ohne hügeliges Gelände mit Reiter 75 kg) *

Art der Bewegung

Herzschläge je min (400 – 600 kg LM)

ME (MJ je 100 kg KM) pro Minute

Schritt gemütlich

50 – 60

0,022 MJ/min

Schritt fleißig

72 - 80

0,035 MJ/min

Trab leicht

115

0,073 MJ/min

Trab mittel

130

0,093 MJ/min

Galopp mittel

168

0,162 MJ/min

Galopp sehr schnell

193

0,240 MJ/min

* Quelle – Pferdefütterung (Meyer, Coenen) Enke Verlag 2014; Hinweis: Bei hügeligem Gelände (bergauf) wird 15-mal mehr Energie für die Arbeit verbraucht.

Auch diese Werte sind am Ende sehr theoretisch und weichen sicher von Pferd zu Pferd ab. Kennt man aber nun den ungefähren Energiebedarf für den Erhaltungs- und Arbeitsstoffwechsel, lässt sich hieraus ganz einfach der Eiweißbedarf des Pferdes ermitteln. 

Eiweiß/Proteinbedarf ermitteln:

Nachdem wir wissen, dass jedes Pferd pro MJ an Energie im Durchschnitt 6 Gramm dünndarmverdauliches Rohprotein benötigt, muss nur der Energiebedarf des Pferdes mit 6 multipliziert werden. In unserem Beispiel also wären es – wir gehen davon aus dieser Haflinger muss nichts Arbeiten:

53 Megajoule x 6 Gramm dv. Rohprotein = 318 Gramm dv. Rohprotein.

Jetzt zum Problem: Qualitativ gutes Pferdeheu liefert im Mittel 6,7 MJ an für das Pferd nutzbarer Energie und ca. 82 Gramm dünndarmverdauliches Rohprotein. Werfen Sie ggf. ruhig jetzt einmal einen Blick auf Ihre Heuanalyse.  Unser 500 kg Beispielpferd (Haflinger) hatte einen theoretischen Erhaltungsbedarf von 53 MJ – er muss noch immer nicht Arbeiten in diesem Beispiel.  Sein Bedarf an Energie wäre also mit 8 kg Heu gedeckt. Nachdem wir wissen, dass 6 Gramm verd. Rohprotein je MJ Energie ausreichensollte das Pferd nicht mehr als 318 Gramm dv. Rohprotein erhalten (siehe Berechnungen oben).

Das Problem aber ist, unser "Hafi" erhält allein über das Heu bereits 656 Gramm dünndarmverdauliches Rohprotein, denn unser Mittelwert für Heu liegt bei 82 Gramm dv RP, bei 8 kg Heu sind dies insgsamt 656 Gramm. Also doppelt so viel als er überhaupt benötigt. Pferde können zwar relativ gut überschüssiges Protein ausscheiden – aber nur unter dem Verlust wichtiger Mineralstoffe und mit dem Problem, die Nährstoffaufnahme ggf. zu stören (die zusätzliche Belastung der Entgiftungsorgane lassen wir in diesem Beispiel außen vor). Was wir wissen ist, dass Eiweiß die Aufnahme wichtiger Vitalstoffe hemmen kann. Aber wie viel davon ist derzeit noch nicht untersucht worden. Daraus kann man schlussfolgern, dass selbst bei reiner Heufütterung bereits mit Beeinträchtigungen in der Aufnahme und Resorption von Vitalstoffen gerechnet werden muss.

Fazit also ist hier: Die theoretische Berechnung des Mineralstoffbedarfes nach Bedarfstabelle kann nur eine grobe Einschätzung der benötigten Vitalstoffe sein.

In meiner täglichen Beratungstätigkeit stoße ich immer häufiger auf das Problem, dass Blutbilder und Heuanalysen verwendet werden, um zu überprüfen, inwieweit das ausgesuchte Mineralfutter geeignet ist. Bzw. ich werde mit der Behauptung konfrontiert, dass ein passendes Mineralfutter nur aufgrund einer Analyse von Heu und Blut vernünftig ausgewählt werden kann. Diese Aussage stelle ich mal gezielt in Frage. Zunächst bleibt festzuhalten, dass die Mehrzahl an Stoffwechselentgleisungen und -überlastungen damit zusammenhängen, dass sowohl das Sollgewicht als auch der tägliche Energie- und Eiweißbedarf ignoriert bzw. deutlich überstiegen werden. Schuld daran sind insbesondere Fütterungspraktiken wie 24- Stunden Heufütterung und/oder ständiger Zugang zu den frischen Pferdeweiden und mangelnde Bewegung - aber auch die weniger für Pferde geeigneten Weiden. Nicht immer gehen hier die Pferde auch gewichtsmäßig auseinander – aber rein rechnerisch lässt sich die massive Mehrbelastung des Entgiftungsstoffwechsels aufgrund massiver Proteinüberschüsse in der Grundfütterung darstellen.

Ein weiteres Problem im Mineralstoffbedarf sind die Resorptionsraten beim Pferd

Die zur Verfügung stehenden Nährwerttabellen über die nativen Gehalten an Vitalstoffen im Heu, der Weide oder anderen Einzelfuttermitteln berücksichtigen neben den Unwägbarkeiten (Arbeit, Stoffwechselproblematik, Fütterung sowie Krankheit, Stress und Fortpflanzung) auch nicht die einzelnen Resorptionsraten. Nativ vorhandenes Zink oder Selen werden nur zu ca. 50 %, Jod aber zu 80 bis 90 % aufgenommen. Bei Eisen geht man von einer Rate von ca. 5 bis 15 % aus. Aus dieser Feststellung heraus wird deutlich, dass Mineralfutter so zusammengestellt werden müssen, dass diese biometrischen Besonderheiten berücksichtigt werden. Einfluss nimmt darüber hinaus auch der Darm. Die Wissenschaft spricht hier von einer medizinischen, epidemiologischen und biometrischen Resorption. Calcium, Zucker, Eiweiß, Medikamente, Gesteinsmehle, Gluten, Oxal- und Phytinsäuren aus dem Grundfutter z.B. binden ebenso wichtige Vitalstoffe "weg". Man spricht in der Mineralstoffversorgung von sogenannten Resorptionsunwägbarkeiten, die beim Pferd zwischen 100 bis 200 % liegen. Bei einem theoretischen Bedarf von z.B. 1 mg Zink je kg LM wird es folglich Pferde geben, die nur 0,5 Gramm Zink zusätzlich benötigen. Andere aber werden 2 mg Zink brauchen, weil wir eben nicht wissen, wie viel aufgrund der ganzen Unwägbarkeiten am Ende für die Grundversorgung des Pferdes verwertbar zu Verfügung steht.

Ein gutes altes Sprichwort besagt: „Die Augen des Herren machen die Schafe fett“. Der Wunsch seinem Pferd ein individuelles Mineralfutter zusammen zu stellen ist grundsätzlich nachvollziehbar – wir alle wollen nur das Beste für unser Pferd. Aber der Trend der Heu-, Blut- und Kot-Analytiker dient meist nur dem Geldbeutel derer, die sich beruflich mangels Kenntnis über die komplexe Ernährungsphysiologie und -analytik eben auf wenig hilfreiche Programme, Analysen und Apparaturen stürzen oder zu Gunsten der Labore selbst. Nicht dass die Anwendung oder Kenntnis oben genannter Analysen für die Ermittlung des Bedarfes gänzlich unwichtig wäre – aber aus der Erfahrung heraus stelle ich fest, dass hier noch deutliche Defizite und Unsicherheiten in der Umsetzung vorhanden sind. Viel zu oft verliert man damit auch den Blick auf äußerliche Anzeichen für fütterungsbedingte Störungen. Sehen, Tasten und Riechen sind Eigenschaften, die ich in der Analytik häufig vermisse. Hierfür aber sind jahrelange Erfahrung und sehr gute Kenntnisse erforderlich.

Gute Mineralfutter berücksichtigen die Probleme in der Aufnahme und gute Ernährungsberater haben Kenntnis darüber, inwieweit Zusatzpräparate kurweise zur Verfügung gestellt werden sollten. Es ist meist günstiger und effizienter sich einem erfahrenen Tierarzt oder Ernährungsberater anzuvertrauen und meist sinnvoller im Nachgang einer Ernährungsumstellung ein Kontrollbild (Blutbild) zu machen – sofern Therapien nicht anschlagen.

Natürliche Mineralfutter für Pferde - was ist wirklich drin?

Natürliche Mineralfutter für Pferde – ineffizient und teuer

Eines muss aber auch deutlich gesagt werden. Kein natürliches, also aus Kräutern, Samen, Gesteinsmehlen oder Erden bestehendes Mineralfutter deckt den Bedarf eines Pferdes an Spurenelementen und Vitalstoffen ab. Einzig einige Mineralstoffe können damit in größeren Mengen bereitgestellt werden. Aber heute bestehen in der Regel ja die Defizite insbesondere bei den Spurenelementen und Vitaminen. Wiederum anderer Cofaktoren, Coenzyme oder vitaminähnliche Substanzen fehlen gänzlich. Die Resorptionsraten dieser „natürlichen“ Mineralfutter sind überdurchschnittlich schlecht und die nativen Angaben deshalb mehr als irreführend.  Diese Form der „Mineralfutter“ wurden entwickelt um dem Wunsch des Pferdebesitzers, eine natürlichen Versorgung müsse ausreichen, nachzukommen – wissentlich, dass dies weder praktisch noch theoretisch gelingt.

Mineralbars für Pferde - Vorsicht nicht ganz ungefährlich!Mineralstoffbars für Pferde – klingt gut, ist es aber nicht!

Zu guter Letzt, wenn es um die Versorgung des Pferdes mit Mineralfutter geht, sollten wir noch einen Blick auf den Trend der sogenannten Mineralstoffbars werfen. Idee oder Argumentation der Befürworter solcher „artgerechten“ Lösungen ist es, davon auszugehen, dass Pferde aufgrund ihres natürlichen Bedürfnisses nur das fressen, was ihnen am Ende auch gut tut. Nun auch wenn der Beweis dieser Theorie bereits in mehreren Studien an Wildtieren nicht gelungen ist, scheint diese Vorstellung dennoch ein immer wieder ausgesprochenes Wunschdenken zu sein. Mag sein, dass Pferde in freier Wildbahn (nie instinktiv) als Fohlen von ihrer Mutter lernen, welche Pflanzen besonders zu bevorzugen sind. Das kann in der freien Natur beobachtet werden. Wir sollten aber wissen, dass unsere Pferde seit Generationen auf eingezäunten „Monokulturen“ aufwachsen und daher von diesem angeblichen natürlichem Verhalten nicht mehr viel weitergegeben werden kann. Das Wissen wird daher verlernt. Auch können wir unseren Pferden nie die Vielfalt an Pflanzen und Böden bieten, wie man sie z.B. den Wildpferden auf 4.000 ha und mehr in Europa zur Verfügung stellt. Ausgrabungen und Untersuchungen sowie die durchschnittliche Lebenserwartung der Wildpferde sind m. E. ein klarer Beweis dafür, dass diese Eigenschaft den Pferden beharrlich angedichtet wird. Einzig warum Pferde nicht mit Begeisterung an die Mineralbars herangehen ist der Geschmack. Gott sei Dank, muss man sagen, da derartige Fütterungstechniken auch massive Gefahren bergen. Was zumindest bei Wildpferden auch beobachtet werden kann, ist das Erdefressen. Ob sie dies tun um damit am Ende den Bedarf an Elektrolyten oder Spurenelementen zu decken oder die Magensäure zu puffern ist bis dato nicht sicher geklärt.

Aufgrund der oben beschriebenen Annahme, „Pferde fressen instinktiv das Richtige“, werden keine Mineralfutter mehr gefüttert, sondern sogenannte Bars in den Ställen aufgestellt In unterschiedlichen Gefäßen werden Mineralstoffe und Spurenelemente in „Rohform“ zur Verfügung gestellt. Im Regelfall werden hier Kupfervitriol (Blaustein), Schwefelbrocken oder Schwefelblüte (fein gemahlener Schwefel), Dolomite als Calcium- und Magnesiumlieferant, Seealgen und Bierhefe angeboten. Nehmen wir uns doch mal den Blaustein für die Kupferversorgung vor. Man sollte wissen, dass Kupfer ein Schwermetall ist und Überdosierungen des Spurenelementes schwere gesundheitliche Störungen bis hin zum Tod des Tieres hervorrufen können. Es ist ernährungsphysiologisch ein Unterschied, ob man mikromolekulares Kupfer in einer Pflanze oder an eine Aminosäure gebunden (Chelat) dem Pferd kontrolliert zur Verfügung stellt oder einen Blaustein mit Kupfervitriol - mit am Ende unkontrollierter Aufnahme - dem Pferd vorsetzt. Reiner Schwefel, wie man ihn in den Mineralbars für Pferde findet (Schwefelbrocken oder Schwefelblüte) wird im Magen gelöst zu Schwefelsäure. Neben den gesundheitlich sehr bedenklichen Nebenwirkungen können Überdosierungen massive Wechselwirkungen mit anderen Vitalstoffen oder schwere Verdauungsprobleme beim Pferd hervorrufen. Zu guter Letzt geht es aber bei einer gesunden Vitalstoffversorgung am wenigsten um die Mineralstoffe Calcium, Kupfer, Magnesium, Jod oder Schwefel. Hier ist ein Mangel bei Pferden i.d.R. eher selten. Wer sein Pferd typgerecht mit qualitativ hochwertigem Heu, artenreicher Weide und dem nötigen Auslauf an frischer Luft versorgen kann braucht Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium, Kupfer oder Schwefel nicht.

Ein gutes, auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse und möglichen Unwägbarkeiten abgestimmtes Mineralfutter passt sich weitestgehend an die Bedürfnisse des Pferdes an. Ein gut ausgebildeter Ernährungsberater oder in diesem Thema engagierter Tierarzt ist in der Lage, ohne teure Laboranalysen eine optimale Basisversorgung zu empfehlen. Nur bei vorhandener Indikation, die keinen Aufschub erlaubt oder wenn trotz eingehender Anamnese und Futteroptimierung keine Besserung zu erwarten ist, erscheint der finanzielle Aufwand einer kostenintensiven Laboranalyse gerechtfertigt und sinnvoll.