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Topinambur – als Präbiotikum auf dem „Prüfstand“

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Topinambur in der PferdefütterungTopinambur ist eine aus Nord- und Mittelamerika stammende mehrjährige krautige Nutzpflanze, die zu der Familie der Korbblütler und zur selben Gattung wie die Sonnenblume gehört. Die größtenteils durch die Kartoffel verdrängte Nutzpflanze erlebte in den vergangenen Jahren eine kulinarische Renaissance, da sie nicht nur schmackhaft sondern auch reich an gesunden Inhaltsstoffen ist.

Die Knollen dienen im Winter als Überdauerungsorgane und enthalten unter anderem das Speicherkohlenhydrat Inulin. Inulin ist ein Ballaststoff, der sich durch seine präbiotische Wirkung positiv auf die Verdauung auswirkt, lange satt macht und somit beim Abnehmen helfen soll. Zudem wird Topinambur oftmals auch als „Diabetiker-Kartoffel“ bezeichnet, da der Blutzuckerspiegel beim Verzehr nur geringfügig beeinflusst wird.


Doch was sind eigentlich Präbiotika (auch Prebiotika genannt)?

Pro- und präbiotische Produkte sind jedem von uns aus dem Supermarkt bekannt – seit einigen Jahren haben sie auch in unseren Pferdeställen Einzug erhalten.

Im Gegensatz zu den Probiotika handelt es sich bei Präbiotika nicht um lebende Mikroorganismen, sondern um unverdauliche Nahrungsmittelbestandteile, die das Wachstum und/oder die Aktivität der Darmflora im Dickdarm stimulieren und sich somit positiv auf die Gesundheit und das Wohlbefinden auswirken. Präbiotika müssen weitestgehend unverdaut in den Dickdarm gelangen, um dort den natürlich vorhandenen, gesundheitsförderlichen Mikroorganismen als Nahrung zu dienen. Sie dürfen daher nicht zuvor durch die Magensäure oder körpereigene Enzyme abgebaut oder von den Absorptionsprozessen im Dünndarm erfasst werden.

Zu den Präbiotika zählen hauptsächlich Kohlenhydrate, wie z. B. Inulin und Fructooligosaccharide (FOS). Auch Mannanoligosacchariden (MOS), die aus Hefezellwänden gewonnen werden, oder pektinreichen Futtermitteln wird eine präbiotische Wirkung zugesprochen. Neben natürlichen Nahrungsmitteln mit präbiotisch wirkenden Pflanzenstoffen, wie Artischocken, Leinsamen und Topinambur, werden Präbiotika auch industriell hergestellt.


Einsatz von Präbiotika in der Pferdefütterung

Der Verdauungstrakt des Pferdes ist aufgrund seiner Größe und Komplexität besonders anfällig für Beeinträchtigungen jeglicher Art. Durch ernährungsbedingt hervorgerufene Dysbiosen (negative Veränderung der Zusammensetzung der Darmflora) können Störungen im Verdauungstrakt, wie Koliken, Kotwasser oder Durchfall, auftreten - auch die Hufrehe ist oftmals die Folge einer Dysbiose.

Aufgrund dieser Problematiken lernten auch Pferdebesitzer, Therapeuten und Tierärzte, den Einsatz von pro- und präbiotischen Produkten mit ihren gesundheitsfördernden Wirkungen zu schätzen. Allerdings sind die genauen Auswirkungen von Präbiotika auf Pferde wenig erforscht und viele Erkenntnisse werden von Menschen auf Pferde übertragen.


Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

2019 haben Forschende der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) interessante Ergebnisse über den Einsatz von Präbiotika in der Pferdeernährung hervorgebracht. Glatter et al. (2019) untersuchten die Auswirkungen einer Fütterung mit präbiotischen FOS und Inulin aus Topinambur auf die Mikroorganismen des Verdauungstraktes von Pferden. Es stellte sich heraus, dass die Wirkung der Präbiotika deutlich zu früh einsetzte und zum Teil bereits im Magen eine mikrobielle Fermentation stattfand. Die dabei entstehenden flüchtigen Fettsäuren können Schädigungen an der Magenschleimhaut hervorrufen.

Insgesamt führte die Fütterung der aus Topinambur gewonnenen Präbiotika zu einer Erhöhung der mikrobiellen Vielfalt wodurch sich unter Umständen positive Effekte für die Darmflora ergeben – allerdings fand dieser Anstieg im gesamten Verdauungstrakt und nicht wie gewünscht nur im Dickdarm statt.


Was gilt es bei der Fütterung von Präbiotika zu beachten?

Sowohl Inulin als auch FOS gehören übrigens zu den Fruktanen! Fruktane sind in Pflanzen vorkommende Reservekohlenhydrate, die als kurzfristiger Energiespeicher dienen – vor allem eine Vielzahl an Gräsern speichert Kohlenhydrate (Zucker) in Form von Fruktan. Fruktane zählen zu den natürlichen Präbiotika. In geringen Mengen können sie sich positiv auf die Verdauung auswirken, eine hohe Zufuhr wird hingegen mit der Entstehung von Hufrehe in Verbindung gebracht. Pferden steht somit während der Weidesaison ein reichliches Angebot an natürlichen Präbiotika zur Verfügung. Die Fütterung großer Mengen weiterer Präbiotika, wie z. B. dem Inulin aus Topinambur, sollte zu dieser Zeit vermieden werden.

Die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse beziehen sich auf die in Topinambur enthaltenen FOS und Inulin. Inwiefern sich die Ergebnisse auch auf die Wirkung anderer Präbiotika übertragen lassen, ist nicht geklärt. Grundsätzlich können sich Präbiotika in einem gewissen Rahmen positiv auf die Verdauung auswirken – die neuen Erkenntnisse und das Wissen über das natürliche Präbiotikum Fruktan bestätigen jedoch, dass der Einsatz von Präbiotika in der Pferdefütterung mit Bedacht erfolgen sollte und auch hier gilt „die Dosis macht das Gift“.


Quellen: Glatter, M., Borewicz, K., van den Bogert, B., Wensch-Dorendorf, M., Bochnia, M., Greef, J. M., Bachmann, M., Smidt, H., Breves, G., Zeyner, A. (2019): Modification of the equine gastrointestinal microbiota by Jerusalem artichoke meal supplementation, PLoS ONE 14(8): e0220553, https://doi.org/10.1371/journal.pone.0220553; Leohardt, T. (2019): Pferdenahrung: Präbiotika schaden mehr als sie nützen, Online Ressource: https://idw-online.de/de/news724512, Abruf 24.09.2020; Reiter Revue International (2011): Pro- und Praebiotische Futter – Häppchen für den Darm, Online Ressource: https://www.iwest.de/tl_files/iWEST/Publikationen/p_49_gross.pdf, Abruf 24.09.2020; Roberfroid, M. (2007): Prebiotics: The concept revisited, Journal of Nutrition, Nr. 137, S. 830 - 837

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