Hufrollenentzündung beim Pferd
Die Hufrollenentzündung beim Pferd zählt zu den häufigsten Ursachen für chronische Lahmheiten im Bereich der Vordergliedmaßen. Dabei ist der sogenannte Hufrollenapparat betroffen – ein komplexes Zusammenspiel aus Strahlbein, tiefer Beugesehne, Schleimbeutel und stabilisierenden Bändern innerhalb der Hufkapsel. Diese Strukturen übernehmen eine zentrale Rolle bei der Lastenverteilung und Bewegungsführung des Pferdehufes. Kommt es in diesem sensiblen Bereich zu Veränderungen oder Entzündungsprozessen, kann sich daraus eine schmerzhafte Erkrankung entwickeln, die in der Tiermedizin häufig als Podotrochlose oder Hufrollenentzündung bezeichnet wird.
Die Diagnose einer Hufrollenentzündung sollte immer ernst genommen werden. Ohne ein sorgfältig abgestimmtes Management aus tierärztlicher Betreuung, Training, Hufbearbeitung und angepasster Fütterung kann der Heilungsverlauf schwierig sein. In diesem Ratgeber erfahren Sie mehr über die Anatomie der Hufrolle beim Pferd, mögliche Ursachen einer Hufrollenentzündung sowie über begleitende Maßnahmen, die im Rahmen eines ganzheitlichen Managements zur Unterstützung des Bewegungsapparates beitragen können.
Als Hufrolle bezeichnet man den gesamten Komplex rund um das Strahlbein des Pferdes. Dazu gehören das Strahlbein selbst – über das die tiefe Beugesehne umgelenkt wird –, der Hufrollenschleimbeutel zwischen Strahlbein und Sehne, die tiefe Beugesehne sowie die stabilisierenden Haltebänder des Strahlbeins. Der gesamte Hufrollenapparat ist von zahlreichen Nerven- und Gefäßstrukturen durchzogen und spielt eine wichtige Rolle für die Stoßdämpfung und Beweglichkeit des Hufes. Funktionell wirkt das Strahlbein zusammen mit dem Schleimbeutel wie eine Art Gleitlager für die tiefe Beugesehne. Man kann sich diese Struktur ähnlich wie eine Umlenkrolle vorstellen, über die ein Seil geführt wird, um Reibung und Verschleiß zu reduzieren. Das charakteristische, schiffchenförmige Strahlbein – auf Röntgenbildern gut erkennbar – ist mit Knorpel überzogen und wird durch seitliche Bänder stabil im Huf positioniert.
Die Bänder, die tiefe Beugesehne innerhalb der Hornkapsel sowie die knorpeligen Strukturen im Bereich des Strahlbeins sind bei jedem Schritt erheblichen Zug- und Druckbelastungen ausgesetzt. Dadurch zählt der Hufrollenapparat zu den besonders beanspruchten Bereichen des Bewegungsapparates. Erkrankungen der Hufrolle treten deshalb überwiegend an den Vordergliedmaßen auf, da diese im Stand und in der Bewegung einen großen Teil des Körpergewichtes tragen – häufig bis zu 65 % der Gesamtlast, bei Sport- oder Springpferden teilweise noch mehr.
Auslöser einer Hufrollenentzündung beim Pferd
Heute weiß man, dass das Strahlbein alleine nicht die einzige Struktur ist, die zu einer Hufrollenentzündung führen kann. Verbesserte Untersuchungsverfahren (Magnetresonanztomographie – MRT oder Computertomographie – CT) zeigen, dass nicht zwingend ein geschädigtes bzw. entzündetes Strahlbein primärer Auslöser der Hufrollenentzündung ist. Primär sind es meist Veränderungen im Knochengewebe (Zysten), krankhafte Prozesse innerhalb des Strahlbeins (z.B. Ödeme, kleinere Frakturen usw.) oder häufig eine Hufgelenksentzündung, die zu einer Veränderung des Strahlbeins bzw. des Hufrollenschleimbeutels führen.
Folgende Faktoren können die Entstehung einer Hufrollenentzündung begünstigen:
- unsachgemäße oder mangelnde Hufbearbeitung bzw. Beschlag
- genetische Veranlagung
- schnelles Wachstum während der Aufzucht
- zu frühes Einreiten oder Antrainieren der Pferde
- Überlastung durch schlechtes Training
- Mangelversorgung (kein oder ungeeignetes Mineralfutter)
- falsche Ernährung
- Übergewicht
- Fehlstellungen und Asymmetrien beim Pferd
- Verletzungen und Narben im Bereich des Kronbeins, Strahlbeins oder Fesselträgers
Kennt man die möglichen Auslöser ist es auch einfach auf die Frage: „wie kann ich der Entstehung einer Hufrollenentzündung vorbeugen“, Antworten zu finden. Vermeiden Sie die oben genannten Punkte und das Risiko wird dadurch deutlich gemindert.
Behandlung bzw. Therapie eines Pferdes mit Hufrollenentzündung
Hier gilt nicht grundsätzlich je genauer die Diagnose und die Erkenntnis des Auslösers der durch den Hufrollenkomplex ausgelösten Lahmheit (Hufrollenentzündung) ist, desto erfolgreicher ist die Behandlung eines Pferdes mit Hufrollenentzündung.
Trotz teurer diagnostischer Aufwendungen hat man seit den letzten 20 Jahren in der Therapie wenig Neues anzubieten. Im Vordergrund stehen immer eine dem Problem angepasste Bewegungstherapie - Belastung ohne Überbelastung. Ein verordnetes Ruhigstellen des Pferdes, wie oft vorgeschlagen wird, wäre eher kontraproduktiv.
Zentrale Maßnahme bei einer Hufrollenentzündung ist auch heute noch eine korrekt angepasste orthopädische Hufbearbeitung bzw. ein orthopädischer Hufbeschlag. Gerade durch die richtige bzw. entlastende Stellung der betroffenen Gliedmaßen um Spannungen, Druck und Lasten insbesondere auf den Vordergliedmaßen des Pferdes zu verringern, können erneute schädigende Belastungen und Reize vermieden werden. Außer der Hufbearbeitung kommen bei einer Hufrollenentzündung konventionelle medikamentöse Therapien (Entzündungshemmer, Eigenblut, Kortison usw.) in Betracht.