Der Schlüssel für EMS und stoffwechselerkrankte Pferde – wie Training den Blutzuckerspiegel senkt
Der Stoffwechsel des Pferdes: Blutzucker, Insulin und Glykogen im Gleichgewicht
Der Stoffwechsel des Pferdes ist evolutionär auf eine kontinuierliche Aufnahme rohfaserreicher Nahrung und auf regelmäßige Bewegung ausgelegt. Im Zentrum der Energiebereitstellung stehen Blutzucker, Insulin und Glykogen, die in einem fein regulierten Gleichgewicht zusammenarbeiten.
Nach der Futteraufnahme werden verdauliche Kohlenhydrate (aus Gras, Heu oder Kraftfutter) zu Glukose (Zucker) aufgeschlossen. Diese Glukose gelangt ins Blut und erhöht den Blutzuckerspiegel. Als Antwort darauf schüttet die Bauchspeicheldrüse das Hormon Insulin aus. Insulin ermöglicht, dass Glukose aus dem Blut:
- in die Körperzellen (vor allem Muskel- und Leberzellen) aufgenommen wird
- dort entweder direkt zur Energiegewinnung dient
- oder als Glykogen gespeichert wird
Glykogen ist somit die kontrollierte, sichere Speicherform von Zucker, vor allem in der Muskulatur und in der Leber. Bei Bedarf – etwa während körperlicher Arbeit – wird Glykogen durch das Hormon Glukagon wieder zu Glukose abgebaut und steht als Energie zur Verfügung.
Was passiert bei Stoffwechselstörungen?
Bei gesunden, gut trainierten Pferden funktioniert das Zusammenspiel zwischen gespeichertem Zucker in der Muskulatur (durch Insulin) und der Freisetzung von Glykogen als Energielieferant (durch Glukagon) effizient.
Bei Pferden mit Insulindysfunktion (z. B. im Rahmen von EMS – Equines Metabolisches Syndrom) oder bei dauerhaft ernährungsbedingt erhöhtem Blutzuckerspiegel ist dieser Mechanismus jedoch gestört. Die Folge: Zucker bleibt länger im Blut, Insulinspiegel steigen übermäßig an, und es kommt langfristig zu chronischen Stoffwechselproblemen.
EMS, Hufrehe und Insulinresistenz beim Pferd: Ein wachsendes Problem
Stoffwechselerkrankungen wie das Equine Metabolische Syndrom (EMS), Hufrehe und Pseudocushing (PPID) stellen bei Pferden ein wachsendes Problem dar, das eng mit chronisch erhöhten Blutzuckerspiegeln und Insulinresistenz zusammenhängt.
Zahlen und Fakten:
- Etwa 10 % der Pferde zeigen mindestens einmal jährlich Hufrehe-Symptome
- EMS tritt als Wohlstandserkrankung vor allem bei Ponys und Robustrassen (z. B. Isländer, Haflinger, Shetlandponys) auf
- Bei bis zu 80 % der Hufrehe-Fälle ist eine zugrunde liegende Stoffwechselstörung wie EMS die Ursache
Warum chronisch hoher Blutzucker problematisch ist
Chronisch erhöhte Blutzuckerwerte durch Insulinresistenz (wie bei EMS) führen zu einer Überlastung des gesamten Stoffwechsels:
- Die Zellen nehmen Glukose nicht mehr effizient auf
- Es kommt zu Fettansammlung (vor allem am Mähnenkamm, Kruppe, Schulter)
- Entzündungen und Gefäßschäden werden begünstigt
- Symptome wie Übergewicht (Body Condition Score > 7), lokale Fettpolster und letztlich Hufrehe durch entzündliche Prozesse in der Huflederhaut entstehen
Die Lösung: Training UND Fütterung kombinieren
Ein konstant niedriger Blutzuckerspiegel beim Pferd lässt sich nur zuverlässig erreichen durch eine Kombination aus:
- Niedrig-glykämischer Fütterung (Zucker/Stärke < 10 %, kein oder nur kontrollierter Weidegang)
- Regelmäßigem, angepasstem Training (z. B. 3 – 5 x wöchentlich 30 – 60 Minuten moderater Trab/Galopp bei 80 – 150 Schlägen/Minute)
Regelmäßiges Training verbessert die Insulinsensitivität, erhöht die Glukoseaufnahme in die Muskulatur und reduziert die Fettansammlung, während eine angepasste Fütterung starke Blutzuckerspitzen verhindert – erst die Kombination beider Maßnahmen wirkt wirklich zuverlässig.
Wie gezieltes Training die Glykogenspeicherung verbessert und Stoffwechselerkrankungen vorbeugt
"Gut trainierte Pferde können die doppelte Menge an Glykogen speichern"
Diese wichtige Aussage habe ich vor vielen Jahren in einem Fachvortrag gehört und protokolliert. Jetzt bin ich wieder darüber gestoßen und habe sie zum Anlass genommen, die zugrunde liegenden Mechanismen der Glykogenspeicherung – allgemein und im Kontext körperlicher Belastung – systematisch anhand von Fachpublikationen, Studien und einschlägigen Fachbeiträgen zu recherchieren.
Denn: Ist die Behauptung richtig, wäre dies der Weg, alle Pferde mit bestehender Blutzuckerproblematik dauerhaft vor den massiven Gesundheitsrisiken, die durch z. B. EMS entstehen, zu bewahren. Also eine am Pferd leicht anwendbare Maßnahme zum Tierwohl.
Warum regelmäßiges Training den Blutzuckerstoffwechsel beim Pferd grundlegend verbessert
Hier setzt die besondere Bedeutung der Erkenntnis an, dass gut trainierte Pferde deutlich mehr Glykogen speichern können. Training verändert den Stoffwechsel der Muskulatur auf mehreren Ebenen:
- Die Insulinsensitivität der Muskelzellen steigt (die Zellen reagieren wieder besser auf Insulin)
- Glukose kann auch insulinunabhängig in den Muskel aufgenommen werden (besonders bei Bewegung)
- Die Aktivität von Enzymen zur Glykogensynthese nimmt zu
- Die Muskulatur wird zum größten und wichtigsten „Zuckerspeicher" des Körpers
Das Ergebnis: Überschüssiger Zucker aus dem Blut wird aktiv abgepuffert und sicher im Muskel eingelagert, anstatt dauerhaft hohe Blutzucker- und Insulinspiegel zu verursachen.
Wissenschaftliche Quelle: The effect of training and detraining on muscle composition in the horse (Equine Veterinary Journal / PMC)
Gut trainierte Muskulatur als "metabolischer Schutzfaktor" beim Pferd
Gerade für stoffwechselbelastete Pferde ist dieser Effekt von enormer Bedeutung. Eine leistungsfähige, gut trainierte Muskulatur wirkt wie ein metabolischer Puffer:
- Blutzuckerspitzen nach der Fütterung fallen geringer aus
- Der Insulinbedarf sinkt
- Die Gefahr chronisch erhöhter Insulinspiegel wird reduziert
- Das Risiko einer metabolischen Eskalation (z. B. Hufrehe) nimmt deutlich ab
Aus trainingsphysiologischer Sicht bedeutet das: Mehr Glykogenspeicherfähigkeit ist nicht gleichbedeutend mit „mehr Zuckerproblem", sondern mit besserer Zucker-Kontrolle.
Wie regelmäßige Bewegung die Fähigkeit erhöht, mehr Zucker aus dem Blut zu speichern
Ein Grundprinzip der Trainingsphysiologie lautet: Muskulatur passt sich an Belastung an. Während einer Trainingseinheit werden Glykogenspeicher zunächst geleert. In der anschließenden Erholungsphase reagiert der Körper mit einer Überanpassung, der sogenannten Superkompensation.
Das bedeutet:
Der Muskel lagert nach dem Training mehr Glykogen ein als zuvor.
Bei regelmäßigem, strukturiertem Training steigt der Ruhe-Glykogengehalt der Muskulatur über Wochen und Monate deutlich an. Studien aus der Pferde-Trainingsphysiologie zeigen, dass gut trainierte Pferde im Vergleich zu untrainierten bis zu doppelt so hohe Muskelglykogenspeicher erreichen können.
Dieser Effekt ist ein entscheidender Faktor für Leistungsfähigkeit, Belastbarkeit und Stoffwechselstabilität des Pferdes.
Das richtige Training für EMS-Pferde und Pferde mit erhöhtem Blutzucker
Training ist ein essentieller Baustein im Management stoffwechselentgleister Pferde. Jedoch sollte das Training durchdacht durchgeführt werden und individuell auf das Pferd angepasst werden: Bei übergewichtigen Pferden ist der Bewegungsapparat ohnehin bereits einer erheblichen Mehrbelastung ausgesetzt. Das ist kein Argument für kein Training, Training ist gerade für solche Pferde enorm wichtig, aber das Training sollte den körperlichen Möglichkeiten des jeweiligen Pferdes entsprechen und diese idealerweise verbessern.
„Hauptsache, das Pferd bewegt sich, egal, wie“ sollte nicht die Devise sein.
Bereits ohne Reitergewicht kann das zu hohe Körpergewicht zu einer Trageschwäche führen bzw. diese erheblich begünstigen:
- Höhere Grundbelastung
Das Pferd trägt ständig sein eigenes zusätzliches Körpergewicht. Dadurch müssen Muskeln, Gelenke und Sehnen bereits mehr Arbeit leisten, bevor überhaupt ein Reiter hinzukommt. - Fett ersetzt keine Muskulatur
Viele übergewichtige Pferde sind nicht ausreichend tragfähig bemuskelt. Fettmasse unterstützt die Tragfunktion nicht. Ein Pferd kann also „kräftig aussehen“, aber dennoch zu wenig Rücken-, Bauch- und Hinterhandmuskulatur besitzen. - Schnellere Ermüdung
Das Bewegen von mehr Körpermasse kostet mehr Energie. Die Muskulatur ermüdet schneller, wodurch die Fähigkeit, den Rücken aufzuwölben (und damit den Reiter korrekt zu tragen), nachlassen kann.
Ob ein übergewichtiges Pferd überhaupt guten Gewissens reitbar ist oder ob zunächst andere Trainingsformen eine sinnvollere Alternative darstellen, sollte individuell entschieden werden.
Gerade untrainierte Pferde sollten gezielt antrainiert und langsam an eine gesteigerte Belastung gewöhnt werden.
In jedem Fall sollte das Training abwechslungsreich erfolgen und das Pferd in seinem Bewegungsablauf geschult und sinnvoll gymnastiziert werden, um keine Schädigung oder zusätzliche Überlastung des Bewegungsapparates zu verursachen. Auch bei Pferden mit bekannten Einschränkungen (Sehnen, Gelenke, Lunge) muss das Training selbstverständlich mit Rücksicht auf die körperlichen Möglichkeiten des Pferdes angepasst werden.
Auch der psychische Aspekt sollte in die Arbeit mit dem Pferd mit einfließen: Überforderung und Stress im Training führen zu einer erhöhten Cortisolausschüttung beim Pferd und können auch Magenprobleme begünstigen.
Wie Bewegung, Glykogenstoffwechsel und Muskelarbeit EMS- und Rehepferden helfen können
1. Ausdauertraining im aeroben Bereich (Grundlagentraining)
Besonders wirksam ist gleichmäßiges Training im aeroben Bereich, also bei ausreichender Sauerstoffversorgung der Muskulatur. Dieser Bereich liegt bei etwa 50 – 70 % der maximalen Leistungsfähigkeit (120 – 150 Schläge/Minute).
Praktisch bedeutet das:
- Überwiegend Trab, wenig Galopp
- Gleichmäßige Belastung
- 30 – 60 Minuten pro Einheit
- 3 – 4 Einheiten pro Woche
Dieses Training:
- Verbessert die Fettverbrennung
- Schont den Blutzucker
- Erhöht die Insulinsensitivität
- Fördert stabile Glykogenspeicher
Gerade für Pferde mit EMS, Insulinresistenz oder zur Blutzuckersenkung beim Pferd ist ein Training überwiegend im aeroben Bereich besonders wertvoll.
Wichtig: Bei einem untrainierten Pferd mit Stoffwechselproblematik (z. B. EMS, Insulinresistenz) solltest du erst nach 3 – 6 Monaten konsequentem Grundlagenausdauertraining mit zusätzlichem Intervalltraining (siehe 2.) beginnen, um die Insulinsensitivität und Glukoseverwertung noch deutlicher zu verstärken. Auch die Galoppeinheit sollte bei untrainierten Pferden nicht mehr als 5 % betragen.
Praktisches Beispiel für eine 40-Minuten-Trainingseinheit
| Zeit in Minuten | Gangart | Zweck |
| 10 | Schritt | Ruhiges Aufwärmen zur Aktivierung von Kreislauf, Gelenken und Muskulatur |
| 5 | Trab | Gleichmäßiger Arbeitstrab im aeroben Bereich |
| 2 | Schritt | Aktive Erholung zur Pulsstabilisierung |
| 8 | Trab | Etwas zügigerer Trab bei weiterhin kontrollierter Atmung |
| 3 | Leichter Galopp | Ruhiger, lockerer Galopp ohne hohe Belastung |
| 3 | Schritt | Aktive Erholung und Stoffwechselentlastung |
| 6 | Trab | Abschließende Trabphase zur Stabilisierung des aeroben Stoffwechsels |
| 2 | Leichter Galopp | Zweite kurze Galoppphase zur Aktivierung der Glykogennutzung |
| 1 | Schritt | Ruhiges Cool-Down zur Senkung von Puls und Muskelspannung Falls Puls oder Atmung noch erhöht sind, zusätzlich 3 – 5 Minuten Schritt anhängen. |
Praktisches Beispiel für eine 60-Minuten-Trainingseinheit
| Zeit in Minuten | Gangart | Zweck |
| 10 | Schritt | Ruhiges Aufwärmen zur Aktivierung von Kreislauf, Gelenken und Muskulatur |
| 12 | Trab | Gleichmäßiger Arbeitstrab im aeroben Bereich |
| 3 | Schritt | Aktive Erholung zur Stabilisierung von Puls und Atmung |
| 8 | Trab | Etwas zügigerer Trab bei weiterhin kontrollierter Belastung |
| 3 | Leichter Galopp | Ruhiger Galopp ohne hohe Laktatbildung |
| 6 | Schritt | Aktive Erholung und Stoffwechselentlastung |
| 8 | Trab | Lockerer Vorwärtstrab zur weiteren Aktivierung des Fettstoffwechsels |
| 3 | Leichter Galopp | Zweite kurze Galoppphase mit gleichmäßigem Tempo |
| 3 | Trab | Ruhiger Trab zur Rückführung in den aeroben Bereich |
| 4 | Schritt | Übergang in die Cool-Down-Phase Falls Puls oder Atmung noch erhöht sind, zusätzlich 3 – 5 Minuten Schritt anhängen. |
2. Ausdauertraining mit zusätzlichem Intervalltraining (für fortgeschrittene Pferde)
Intervalltraining bringt gerade bei Pferden mit Stoffwechselproblemen mehrere entscheidende Vorteile, die über reines Grundlagentraining hinausgehen:
Vorteile von Intervalltraining für EMS-Pferde:
- Verbesserung der Insulinsensitivität und Glukoseverwertung: Intervalltraining verstärkt die positiven Stoffwechseleffekte noch mehr als reine Dauermethode: Die wechselnden Belastungen trainieren die Muskulatur, Glukose schneller und effizienter aufzunehmen und als Glykogen zu speichern. Das ist besonders wichtig bei EMS-Pferden, da so überschüssiger Blutzucker aktiv in den Muskel „abgepuffert" wird.
- Deutlich höherer Kalorienverbrauch: Intervalltraining verbrennt in kürzerer Zeit mehr Kalorien als reine Ausdauerarbeit und regt die Fettverbrennung auch nach dem Training noch für Stunden an – ideal für übergewichtige Pferde mit Stoffwechselproblemen. Statt stundenlangem Schritttempo kannst du in 40 – 60 Minuten einen deutlich stärkeren Abnehmeffekt erzielen.
- Effizientere Trainingsanpassungen
- Stärkere Herzkapazität: Das Herz lernt, mehr Blut pro Schlag zu pumpen und die Muskulatur besser mit Sauerstoff zu versorgen
- Muskelaufbau: Die wiederholten intensiveren Phasen fördern Muskelwachstum stärker als reine Dauermethode – mehr Muskelmasse bedeutet größere Glykogenspeicher und besseren Grundumsatz
- Aerobe Schwelle verschiebt sich: Das Pferd kann längere und intensivere Arbeit leisten, bevor es in den anaeroben Bereich (Laktatbildung) kommt
- Langfristiger Gewichtsverlust: Die Kombination aus Muskelaufbau und erhöhter Fettverbrennung hilft, Gewicht dauerhaft zu reduzieren
Wichtige Hinweise für Intervalltraining beim Pferd:
- Belastungspuls: Bei Intervallen darf der Puls auf 120 – 150 Schläge/Minute steigen, sollte aber in den Pausen deutlich sinken (unter 100)
- Regeneration: Nach Intervalltraining mindestens 48 Stunden Pause von erneuten Intervallen – lockeres Grundlagentraining am nächsten Tag ist erlaubt
- Häufigkeit: Intervalltraining maximal 1 – 2 x pro Woche, an anderen Tagen aerobe Grundlagenarbeit
- Progression: Beginne mit weniger Wiederholungen (z. B. 3 – 4) und kürzeren Galoppphasen (2 – 3 Minuten), steigere über Wochen
Wichtig: Intervalltraining ist kein Ersatz für das Grundlagentraining, sondern eine sinnvolle Ergänzung – die Basis bleibt regelmäßiges aerobes Training 3 – 4 x pro Woche. Nur so entfalten die Intervalle ihre volle Wirkung. Zwischen zwei Intervalltrainingstagen sollten 48 – 72 Stunden Regeneration bzw. Tage mit lockeren Grundlagentage oder Ruhetagen liegen. Lockeres Grundlagentraining am Tag nach Intervallen ist sogar förderlich für die Regeneration.
Tipp: Für eine präzise Trainingssteuerung können Pulsmessgeräte für Pferde eingesetzt werden, die während der Bewegung kontinuierlich die Herzfrequenz erfassen. So stellst du sicher, dass dein Pferd weder über- noch unterfordert wird und tatsächlich im gewünschten aeroben oder Intervall-Bereich arbeitet.
Praktisches Beispiel für eine 60-Minuten-Trainingseinheit mit Intervallblöcken
| Zeit in Minuten | Gangart | Zweck |
| Aufwärmen | ||
| 10 | Schritt | Fleißiges Tempo, Puls 70 – 80 Schläge/Min. |
| 5 | Lockerer Trab | Vorwärts-abwärts, Puls steigt auf 90 – 110 Schläge/Min. |
| Hauptteil mit Intervallen | ||
| 3 | Ruhiger Galopp | 1. Intervall: Puls 120 – 140 Schläge/Min. |
| 3 | Schritt | Erholung, Puls sinkt auf 80 – 100 Schläge/Min. |
| 3 | Ruhiger Galopp | 2. Intervall: Puls 120 – 140 Schläge/Min. |
| 3 | Schritt | Erholung, Puls sinkt auf 80 – 100 Schläge/Min. |
| 3 | Ruhiger Galopp | 3. Intervall: Puls 120 – 140 Schläge/Min. |
| 3 | Schritt | Erholung, Puls sinkt auf 80 – 100 Schläge/Min. |
| 3 | Ruhiger Galopp | 4. Intervall: Puls 120 – 140 Schläge/Min. |
| 3 | Schritt | Erholung, Puls sinkt auf 80 – 100 Schläge/Min. |
| 3 | Ruhiger Galopp | 5. Intervall: Puls 120 – 140 Schläge/Min. |
| 3 | Schritt | Erholung, Puls sinkt auf 80 – 100 Schläge/Min. |
| 5 | Lockerer Trab | Abschluss Hauptteil |
| Cool-Down | ||
| 10 | Schritt | Am langen Zügel, bis Puls auf 60 – 70 Schläge/Min. sinkt |
Gesamtzeit Intervalle: 30 Min. (15 Min. Galopp + 15 Min. Schritt)
Prozentuale Verteilung: ca. 58 % Schritt, 17 % Trab, 25 % Galopp
Einfluss der Fütterung auf Gewicht und Stoffwechsel beim Training stoffwechselbelasteter Pferde
Energieverbrauch durch Training: Zahlen und Fakten
Der Energieverbrauch eines 500 kg schweren Pferdes steigt durch regelmäßiges Training deutlich an:
- Grundlagentraining (40 – 60 Minuten aerob): ca. 21 MJ (Megajoule) metabolische Energie pro Tag
- Intervalltraining (60 Minuten mit Intervallblöcken): ca. 25 MJ metabolische Energie pro Tag
Dieser zusätzliche Energieverbrauch entspricht etwa 3 – 4 kg Heu täglich, die das Pferd allein durch die Trainingsarbeit „verbrennt".
Auswirkungen auf das Gewicht – je nach Ausgangssituation
Für übergewichtige Pferde (BCS >7):
Durch den erhöhten Energieverbrauch und bei unveränderter Grundfütterung kommt es zu einer nachhaltigen, gesunden Gewichtsreduktion. Der Körper greift auf seine Fettreserven zurück, um die fehlende Energie bereitzustellen – genau das ist das Ziel bei EMS-Pferden und stoffwechselbelasteten Tieren.
Wichtig: Die Futtermenge sollte nicht automatisch erhöht werden, nur weil das Pferd mehr arbeitet. Die kontrollierte Energiebilanz ist der Schlüssel zum Abnehmen.
Für normalgewichtige oder untergewichtige Pferde:
Bei Pferden mit normalem oder zu niedrigem Körpergewicht muss die tägliche Futtermenge angepasst werden, um den erhöhten Energiebedarf zu decken:
- Erhöhung der Heumenge
- Bei Bedarf Ergänzung durch geringe Mengen Kraftfutter
Professionelle Beratung nutzen: Ein geschulter Ernährungs- und Gesundheitstherapeut für Pferde kann den individuellen Bedarf exakt berechnen und einen bedarfsgerechten Futterplan erstellen.
Positive Effekte über die Blutzuckersenkung hinaus
Regelmäßiges, angepasstes Training wirkt sich nicht nur auf den Blutzucker- und Insulinstoffwechsel aus, sondern unterstützt den gesamten Organismus:
- Förderung der Entgiftung: Stoffwechselendprodukte werden effizienter ausgeschieden
- Stärkung der Lunge: Verbesserte Sauerstoffaufnahme und Atemkapazität
- Unterstützung von Nieren und Leber: Bessere Durchblutung und Organfunktion
- Aktivierung des gesamten Stoffwechsels: Der Körper arbeitet effizienter auf allen Ebenen
Vitalstoffliche Unterstützung für optimale Trainingserfolge
Um die positiven Trainingseffekte zu maximieren und den Körper bei den erhöhten Anforderungen zu unterstützen, empfiehlt sich eine gezielte vitalstoffliche Ergänzung.
Grundversorgung:
- Hochwertiges Mineralfutter (z. B. MeboSyn): Deckt den Grundbedarf an Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen
- Natürliches Vitamin E (z. B. Vitamin E Basic): Schützt die Muskulatur vor oxidativem Stress, besonders wichtig bei intensiverer Arbeit
- Aminosäuren (z. B. Amino Basic): Unterstützen Muskelaufbau und Regeneration
Bei erhöhter Belastung:
- Elektrolyte (Salzleckstein oder z. B. Elektrolyt Basic): Ausgleich von Mineralstoffverlusten bei Pferden, die stark schwitzen
- Magnesium (z. B. Magnesium Basic): Unterstützt Muskelentspannung, Nervenfunktion und Energiestoffwechsel, besonders wichtig bei Intervalltraining
Hinweis: Die individuelle Dosierung sollte an Trainingszustand, Arbeitsintensität und Ausgangssituation des Pferdes angepasst werden.
Fazit: Training und Fütterung als Schlüssel zur Stoffwechselgesundheit beim Pferd
Die wissenschaftliche Erkenntnis, dass gut trainierte Pferde bis zu doppelt so viel Glykogen speichern können, ist für Pferde mit Stoffwechselproblemen von enormer Bedeutung. Regelmäßiges, gezieltes Training:
- Verbessert die Insulinsensitivität
- Erhöht die Glykogenspeicherkapazität der Muskulatur
- Senkt den Blutzuckerspiegel nachhaltig
- Reduziert das Risiko für Hufrehe und metabolische Entgleisungen
- Unterstützt langfristigen, gesunden Gewichtsverlust
In Kombination mit angepasster Fütterung und vitalstofflicher Unterstützung bietet strukturiertes Training einen effektiven, tierfreundlichen Weg, um EMS-Pferde und stoffwechselbelastete Pferde dauerhaft gesund zu halten.
Nur die Einheit aus Training, Fütterung und bedarfsgerechter Nährstoffversorgung führt zu langfristigem Erfolg bei stoffwechselbelasteten Pferden und ermöglicht ein gesundes, leistungsfähiges Pferdeleben.
FAQ: Häufige Fragen zu Training und Blutzucker beim Pferd
Aufbau der aeroben Basis
Ein untrainiertes Pferd wechselt sehr schnell in den anaeroben Stoffwechsel (Laktatbildung), was gerade bei Stoffwechselproblemen kontraproduktiv ist – der Körper muss erst lernen, Fett und Glukose aerob effizient zu nutzen.
Schonung von Sehnen, Bändern und Gelenken
Die Strukturen des Bewegungsapparats brauchen mehrere Monate, um sich an regelmäßige Belastung anzupassen; intensiveres Training zu früh erhöht das Verletzungsrisiko.
Verbesserung der Insulinsensitivität
Regelmäßiges aerobes Training (4 – 5 x pro Woche, 30 – 40 Minuten im Schritt-Trab-Bereich) verbessert bereits nach wenigen Wochen die Insulinreaktion – das ist die Grundlage, bevor höhere Intensitäten Sinn machen.
Bei regelmäßigem Training (3 – 5 x pro Woche) sind erste Anpassungen bereits nach 4 – 6 Wochen messbar. Die maximale Steigerung der Glykogenspeicherkapazität (bis zu doppelte Menge) erreichen gut trainierte Pferde nach 3 – 6 Monaten kontinuierlichem Training.
Nein – Training ist ein entscheidender Baustein, aber nur in Kombination mit angepasster Fütterung (zucker- und stärkearm, kontrollierter Weidegang) und ggf. Gewichtsreduktion wirksam. Erst die Kombination aller drei Maßnahmen führt zu dauerhaftem Erfolg.
Für den Einstieg und die Basis: Regelmäßiges aerobes Grundlagentraining (30 – 60 Minuten, 3 – 5 x pro Woche)
Für fortgeschrittene Pferde: Ergänzung durch Intervalltraining (1 – 2 x pro Woche)
Training kann auch erfolgen durch:
- Longieren (Schritt/Trab/Galopp-Wechsel)
- Bodenarbeit mit Bewegung
- Führanlage
- Freilaufen in kontrollierter Form
- Geländespaziergänge am Kappzaum
Wichtig ist die Regelmäßigkeit und dass das Pferd in einen aeroben Bereich kommt (Puls 80 – 150 Schläge/Minute).
In der Diskussion um Stoffwechselprobleme, EMS und Hufrehe werden Zucker und Fruktane im Weidegras häufig gleichgesetzt. Physiologisch handelt es sich jedoch um zwei grundlegend unterschiedliche Kohlenhydratfraktionen, die im Pferdekörper auf völlig verschiedenen Wegen wirken.
Lösliche Zucker im Weidegras
Lösliche Zucker (Glukose, Fruktose, Saccharose) werden im Dünndarm resorbiert, erhöhen den Blutzuckerspiegel und führen zu einer Insulinausschüttung. Bei dauerhaft hohen Zuckergehalten im Futter – insbesondere in Kombination mit Bewegungsmangel – kann dies führen zu:
- Chronisch erhöhten Insulinspiegeln
- Insulinresistenz (EMS)
- Insulinassoziierter Hufrehe
Fruktane im Weidegras
Fruktane hingegen sind Mehrfachzucker, die vom Pferd nicht enzymatisch verdaut werden können. Sie gelangen weitgehend unverdaut in den Dickdarm, wo sie mikrobiell fermentiert werden. Hohe Fruktanmengen belasten daher primär das Darmmikrobiom und können verursachen:
- Dysbiosen (Störung der Darmflora)
- pH-Verschiebungen im Dickdarm
- Freisetzung von Endotoxinen
Diese Prozesse stehen im Zusammenhang mit der sogenannten darmsensitiven Hufrehe, nicht jedoch mit einer direkten Insulinreaktion.
Was bedeutet das für stoffwechselbelastete Pferde?
Für die metabolische Stabilität des Pferdes ist daher vor allem der Zuckergehalt im Weidegras entscheidend. Aus stoffwechselmedizinischer Sicht gilt:
Weidegras sollte für empfindliche Pferde nicht mehr als etwa 5 % Zucker in der Trockensubstanz enthalten, da oberhalb dieses Bereichs das Risiko für Blutzucker- und Insulinspitzen deutlich zunimmt.
Die Rolle von Training
Bewegung wirkt in diesem Zusammenhang als zentraler Regulationsfaktor: Gut trainierte Muskulatur nimmt Glukose effizient aus dem Blut auf, speichert sie kontrolliert als Glykogen und reduziert so die Insulinbelastung – ein entscheidender Schutzmechanismus bei stoffwechselbelasteten Pferden.
Zucker vs. Fruktane im Weidegras – der entscheidende Unterschied
| Zucker im Weidegras | Fruktane im Weidegras |
| Glukose, Fruktose, Saccharose | Mehrfachzucker (Polysaccharide) |
| Verdauung im Dünndarm | Gelangen unverdaut in den Dickdarm |
| Erhöhen den Blutzuckerspiegel | Kein direkter Einfluss auf Blutzucker |
| Lösen Insulinausschüttung aus | Insulinunabhängig |
| Relevant für EMS & Insulinresistenz | Relevant für Dysbiosen & Darmschäden |
| Risiko für insulinassoziierte Hufrehe | Risiko für darmsensitive Hufrehe |
| Kritisch ab > 5 – 10 % Zucker in der TS | Problematisch bei hohen Fruktanmengen |
| Durch Training gut regulierbar | Vor allem über Fütterungsmanagement |
Merke: Zucker ist ein Blutzucker- und Insulinthema – Fruktane sind ein Darmthema.
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Universität Leipzig, Klinik für Pferde (o. J.). Grundlagen der Energiestoffwechsel-Störungen beim Pferd
The effect of training and detraining on muscle composition in the horse. (Publikationsjahr nicht angegeben). Equine Veterinary Journal / PMC