Pferd an einer SelbsttränkeHand aufs Herz! Wie oft haben wir uns Gedanken über die Qualität des Wassers oder die Sauberkeit der Tränkebecken oder Wasserstellen unserer Pferde gemacht? Ich bin mir sicher, jedem ist bewusst, dass das tägliche Tränken der Pferde extrem wichtig ist und grundsätzlich wird es dem größten Teil der Pferde sicherlich auch nicht an Wasser fehlen. Nur Wasser ist nicht gleich Wasser. Es ist schon lange überfällig, dass wir über den physiologischen Nutzen, aber auch die Gefahren des lebenswichtigen Rohstoffes sprechen.


Wasser als Grundlage allen Lebens

Bereits vor Jahrmillionen diente das Wassers als Heimat für die ersten Einzeller, die der Ursprung allen Lebens sind. Ohne Wasser gab es kein Leben und auch noch heute ist unsere Existenz vom Wasser abhängig. Das trifft genauso auf unsere Pferde zu. Ohne Wasser bzw. wässrige Lösungen (Blut, Gewebeflüssigkeit, Lymphe, Gallenflüssigkeit, Schleimhaut usw.) wären lebenswichtige Vorgänge wie die Herzkreislauffunktion, die Verdauung oder der Nährstofftransport nicht möglich. Häufig wird vergessen, wie wichtig Wasser auch für den Thermohaushalt des Pferdes sein kann. Pferde regulieren diesen neben der Atmung hauptsächlich über den Schweiß. Ein Pferd besteht zu mehr als 50% aus Wasser, welches zu zwei Dritteln in Zellen eingeschlossen und für deren Stoffwechsel essenziell verantwortlich ist.

Pferde benötigen für ihren Erhaltungsstoffwechsel an die 5 Liter Wasser je 100 kg Körpermasse (tägliche Harnmenge ca. 3 Liter/100 kg KM). Bereits leichte Arbeit reicht aus, um diesen Bedarf um 50 % zu erhöhen. Bei laktierenden Stuten ist es sogar die doppelte Menge. Der eigentliche Flüssigkeitsbedarf des Pferdes liegt höher, wird aber über die Restfeuchte im Futter aufgenommen (im Mittel ca. 12 %). Im Sommer wird auf saftigen Weiden der größte Teil des Flüssigkeitsbedarfs über das Weidegras abgedeckt. Bis zu 30 Liter Wasser nehmen die Pferde über das Weidegras auf. Ein Grund, warum die Wasserstellen im Winter bei reiner Heufütterung häufiger besucht werden als im Sommer.


Wassermangel beim Pferd bedeutet automatisch auch Lebensgefahr

Kaum zu glauben, aber fehlen nur 10% des täglichen Wasserbedarfes unseres Pferdes, kommt es zu ersten lebensbedrohlichen Ausfallerscheinungen, da dem Pferd das Wasser fehlt, was auf natürlichen Weg (Schwitzen, Atmen, Urinieren und Koten) verloren ging. Bereits eine leichte Dehydration (5% Wasserverlust) lässt den Hämatokritwert im Blut ansteigen – ein Hinweis auf eine Verdickung. Dies führt unweigerlich auch zu einem Anstieg des Eiweißes im Plasma. Diese sogenannte Kompensation des Wasserhaushalts signalisiert dem Köper einen gefährlichen Flüssigkeitsverlust. Das heißt, das Pferd hört auf zu trinken, um ein weiteres Dehydrieren (Austrocknen) zu verhindern, da es Trinken mit urinieren und urinieren mit Wasserverlust verbindet. Die Gefahr von Koliken, Nierenschäden, Kreuzverschlägen und neurologischen Ausfällen steigt damit stark an. Das Pferd dehydriert und die Nieren werden dadurch geschädigt.

Aus diesem Grund sollte die Wasserzufuhr sehr gewissenhaft (täglich) geprüft werden. Insbesondere im Winter können Wasserstellen einfrieren und Ersatztränken werden häufig nur sehr reduziert bereitgestellt. Immer wieder kommt es hier zu unerwarteten Todesfällen, weil zu wenig Trinkwasser bereitstand (Denken Sie daran, dass tragende Stuten einen deutlich erhöhten Bedarf haben!).


Wasser ist Wasser – oder?

Gibt es Unterschiede zwischen Regen-, Brunnenwasser oder natürlichen Bachläufen und stehenden Gewässern? Grundsätzlich unterscheiden sich die Wasserquellen in ihrer Zusammensetzung und somit wirken diese ganz unterschiedlich auf den Organismus der Pferde. Die Wirkung des täglichen Trinkwassers auf die Gesundheit des Pferdes wird häufig unterschätzt bzw. viel zu häufig übersehen. Ein gutes Beispiel sind die mit z.B. Bioresonanz arbeitenden Geräte oder Pferdeernährungsberater, die viel Geld und Zeit in die Laboranalytik von Heu und anderem Futter stecken – das Tränkewasser wird dabei aber viel zu oft vernachlässigt.

In einigen Ställen wird das Regenwasser zum Tränken der Pferde verwendet. Auch in der freien Natur werden Tiere immer wieder auch Wasserstellen anlaufen, die durch Regen entstanden sind. Hundebesitzer kennen das auch – das Wasser aus der dunkelsten Pfütze scheint am besten zu schmecken. Wir sollten aber nicht vergessen, dass Hunde aufgrund ihrer Verdauungssäfte deutlich unempfindlicher gegenüber darmschädlichen Bakterien sind. Bis der Regen zu Boden fällt oder in entsprechenden Behältern aufgefangen wird, macht dieser seinem Namen alle Ehre. Wir sprechen heute noch von einem „reinigendem Gewitter“. Im wahrsten Sinne des Wortes kann daher das Wasser trüb sein, wie die Reste in einem Putzeimer, nachdem ich das Stüberl nass gewischt habe. Aber nicht nur dieser Schmutz ist letztendlich ein Grund dafür, warum das natürliche Nass des Himmels als Trinkwasser z.B. für uns Menschen nicht zugelassen ist. Reines Regenwasser ist nahezu frei von Salzen und Mineralstoffen, die sich erst mit daruntermischen, wenn es durch die meterdicken Gesteinsschichten sickert. Immerhin braucht unser Quell- bzw. Trinkwasser an die 30 Jahre, bis es an die Oberfläche kommt, ist dann aber mit wichtigen Mineralien angereichert.

Gerne wird Regenwasser mit destilliertem Wasser glPferd trinkt aus Botticheichgesetzt und viele, die im Chemie- bzw. Biologieunterricht aufgepasst haben, wissen noch, dass Regenwasser ähnlich dem destillierten Wasser ungehindert in die Zellen eindringen und diese zum Platzen bringen kann. Im Reagenzglas kann man solche Phänomene nachstellen. Im Organismus aber kommt das Wasser zunächst im Magen mit Körperflüssigkeiten in Berührung, die sehr schnell dieses Defizit ausgleichen. Also keine Angst – „platzen“ tut hier nichts. Aber Regenwasser hat darüber hinaus noch weitere Nachteile. Es ist sauer und deutlich unter einem pH-Wert von 7,0 (5,5 bis 6,5) und es fehlen essenzielle Mineralstoffe bzw. -salze. Der Organismus gleicht in einem solchen Fall das Defizit aus. Es entsteht ein demineralisierender Effekt, der langfristig gesundheitsschädlich sein kann, wenn kein konsequenter Ausgleich stattfindet. Alle offiziellen Stellen (u.a. auch die WHO) raten deswegen grundsätzlich von einer solchen Praxis (Regenwasser zu sammeln und an Pferde tränken) ab. Zu hoch und zu wahrscheinlich ist die Gefahr einer Kontaminierung mit lebensbedrohlichen Bakterien, Schwermetallen, chemischer Rückstände, Toxinen usw.

Wer grundsätzlich ein großes Augenmerk auf gesundes bzw. unbelastetes Pferdefutter legt, der verzichtet konsequenter Weise auch auf Regenwasser. Stallbetreiber, die aus Kostengründen Regenwasser sammeln (ohne Filter vorzuschalten), um Pferde zu tränken, handeln fahrlässig und gefährden das Tierwohl. Wir erleben immer wieder Pferde mit erschreckend hohen Leberwerten oder Haaranalysen ergeben eine ungewöhnlich hohe Belastung an Schwermetallen. In vielen Fällen konnte das Wasser selbst oder verschmutzte Leitungen bzw. Tränkstellen als Verursacher ermittelt werden. Es leuchtet doch jedem ein, dass es wenig Sinn macht, viel Geld in Entschlackungs- oder Ausleitungskuren zu investieren, wenn der Hauptverursacher auch weiterhin wie eine „Zeitbombe“ vor sich hin tickt. Bereits nach kurzer Zeit stellen sich sichtbare Verbesserung bei den Patienten ein, wenn sauberes Trinkwasser bereitgestellt wird. Kein Kraut der Welt kann diese Wirkung ersetzen.


Schwermetalle, Bakterien, Fäkalienkeime, Schwebestoffe, Nitrate, Hormone, Mikroplastik usw. – Pferde trinken nicht aus der Flasche

Pferd trinkt aus Gartenschlauch

Aber auch wenn kein Regenwasser, Schmelzwasser oder stehende Gewässer für Pferde Verwendung finden, können dennoch auf dem Weg zur Tränke viele Verunreinigungen passieren. Die Leitungen sollten durchgehend für Trinkwasser zugelassen sein. Denken Sie daran, dass viele Gartenschläuche dafür nicht geeignet sind– sie sondern sogar krebserregende Stoffe ab. Hierzu eine Stellungnahme des BUND e.V.: Öko-Test hat verschiedene Schadstoffe nachgewiesen: Weichmacher, sogenannte Phythalate, Stabilisatoren aus zinnorganischen Verbindungen und auch Schwermetalle wie das nervengiftige Blei. Im Schlauch abgestandenes Wasser ist bei hohen Temperaturen besonders belastet. Es ist nicht einmal zum Gießen geeignet. Laut BUND sollte Gartenschlauch-Wasser grundsätzlich weder zum Trinken noch zum Duschen genutzt werden. Naja, ich denke die Frage erübrigt sich, was nun mit den Pferden passiert, wenn sie aus Tränken saufen, deren Zuleitungen aus Gartenschläuchen bestehen. Welche Schläuche unbedenklich sind, hat ÖKO Test hier veröffentlicht: https://www.oekotest.de/bauen-wohnen/15-Gartenschlaeuche-im-Test_106904_1.html

Ebenso sollten die Tränkebecken täglich gesäubert werden. Sehr schnell können sich gerade im Sommer bei warmen Temperaturen gesundheitsschädliche Keime bilden. Krankheiten werden schneller übertragen oder Pferde mit sehr guten Nasen verweigern die Wasseraufnahme und es kommt zu lebensbedrohlichen Dehydrationen.


Das richtige Wasser stillt nicht nur den Durst – sondern heilt und wirkt wahre Wunder

Auch heute noch zählt Wasser in vielen heilkundlichen Veröffentlichungen zu einem wichtigen Therapeutikum (= Heilmittel). Jedem ist geläufig, dass man gerade bei Krankheit viel Flüssigkeit zu sich nehmen soll. Aber auch als Kneipp-Kur, Wickel oder Bäder hat es seinen Stellenwert in der Behandlung kranker Menschen und Tiere. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Wasser (aber bitte das richtige Wasser) die Selbstheilungskräfte aktiviert. Im Umgang mit unseren Tieren sollten wir daher darauf achten, dass die Qualität des Wassers, die Hygiene der Wasserstellen und der Ursprung der Quelle unbedenklich sind.

“Wer immer die Wirkungen des Wassers versteht und sie anzuwenden weiß, besitzt ein Heilmittel, welches von keinem anderen Mittel übertroffen werden kann … Sollte dies nicht ein Fingerzeig für den Menschen sein, dass das Wasser ebenso geeignet sein dürfte, die krankhaften Stoffe aus dem menschlichen Körper auszuleiten, auszuwaschen, den Körper in seiner Gesamtheit zu erfrischen, zu beleben und zu stärken, den Gesunden wie den Kranken!?” (Sebastian Kneipp)