Selen beim Pferd - Wie wichtig ist das Spurenelement beim Pferd. Was tun bei SelenmangelSelen beim Pferd 

Immer wieder wird das Spurenelement Selen als Zusatz in den Ergänzungsfuttern und Futtermischungen ganz unterschiedlich in seiner Bedeutung für das Pferd diskutiert. In unserer Zusammenfassung wollen wir auf die lebenswichtigen Eigenschaften des Spurenelements und dessen Aufgaben im Stoffwechsel der Pferde eingehen - aber auch auf die Frage, wie viel davon sinnvoll oder gar schädlich sein kann.

Wenig hilfreich und reichlich unsinnig ist es, wie in einigen Publikationen verbreitet, dass Selen gänzlich vom Futtertisch der Pferde verbannt werden sollte. Ebenso aber sollte auch die hohe Wirkung des Spurenelements Selen auf den Stoffwechsel bei Pferden nicht unterschätzt werden. Zu viel ist wie immer und überall am Ende ebenso schädlich.

Das Spurenelement Selen ist Bestandteil vieler Proteine (ca. 35), die als sogenannte Biokatalysatoren (Enzyme) den Stoffwechsel der Pferde bestimmen. Eine der wichtigen Aufgaben von Selen beim Pferd ist es, die Zellen und das Gewebe u. a. vor aggressiven Sauerstoffverbindungen zu schützen (Glutathionperoxidase (GPx)). Somit hat Selen eine wichtige Aufgabe als Antioxidans und sorgt für eine funktionierende Abwehrleistung im Organismus.

Selen wird aber auch für die Produktion bzw. Umwandlung des Schilddrüsenhormons Thyoxin (T4) in das aktive Hormon Trijodthyronin (T3) beim Pferd benötigt. Diese Hormone beeinflussen u.a. den Sauerstoffverbrauch der Zellen, die Verstoffwechselung von Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen und nehmen somit Einfluss auf den gesamten Energiestoffwechsel.

Täglicher Selenbedarf beim Pferd. Auf der Weide ist der Selengehalt zu niedrig.Selen ist essenziell für das Pferd

Selen ist ein essenzielles Spurenelement und muss daher vom Pferd über die Nahrung aufgenommen werden. Selen kommt in den Pflanzen in unterschiedlicher Konzentration vor und ist u.a. abhängig von den Mutterböden, auf dem die Pflanzen wachsen. In Europa spricht man von einem selenarmen Gebiet (von Norden nach Süden abfallend). Erst in den 50er Jahren erkannte man den Zusammenhang zwischen selenarmen Böden in der Landwirtschaft und die durch Selenmangel beim Pferd ausgelösten Symptomen bzw. Krankheiten. Bei Pferden äußert sich dieser Mangel oft nur durch Müdigkeit, Trägheit oder allgemeine Schwäche. Deutlichere Mangelsymptome sind kolikartige Muskelkrämpfe, Ataxien (Steifheit insbesondere der Hinterhand), Haarbruch, wiederkehrender Kreuzverschlag und Zellschäden an der Skelett- und Herzmuskulatur. Viele Pferde zeigen auch eine leichte Infektionsanfälligkeit. Insbesondere Fohlen in den ersten Lebenswochen leiden unter dem Selenmangel, der auf einer Selenunterversorgung der Stute zurückzuführen ist. Die erkrankten Fohlen haben meist einen steifen Gang und können den Kopf zum Säugen am Euter der Mutter nicht drehen (ernährungsbedingte Muskeldegeneration).

Auch wenn Selen als essenzielles Spurenelement für viele wichtige Vorgänge im Stoffwechsel beim Pferd zur Verfügung steht, führt Selen in zu hoher Konzentration beim Pferd und beim Menschen zu massiven gesundheitlichen Störungen - bis hin zum Tod. In der Tiermedizin spricht man von unterschiedlichen Formen der Selenvergiftung. Im Regelfall kommt es aber bei Pferden aufgrund von langanhaltender Überdosierung von Mineral- oder Mischfuttern zu einer chronischen Vergiftung. Meist zeigen solche Pferde zunächst eine langanhaltende Schwäche und einen stetigen Rückgang der Leistungsfähigkeit. Schwefelhaltige Aminosäuren werden gegen Selen ausgetauscht und da diese schwefelhaltigen Aminosäuren sich überwiegend im Keratin (im Horn des Hufes und im Haar) befinden, kommt es zunächst zum Haarbruch und Haarausfall. Später löst sich im Bereich der Krone und des Hornschuhs der ganze Huf. Die Pferde schuhen aus. In den meisten Fällen kündigt sich dies durch einen Wendeschmerz und eine mittel- bis hochgradige Pulsation an den hinteren Extremitäten an.

Selenbedarf beim Pferd

In allen Mineral- oder Mischfuttern wird mittlerweile das Selen als mineralische oder organische Verbindung mit eingemischt (als Natriumselenit oder Selenhefe bzw. Selenmethionin). Selen beim Pferd wird, über das Futter verabreicht, hauptsächlich im Dünndarm absorbiert. Im Gegensatz zu Wiederkäuern haben Pferde eine höhere Absorptionsrate. Selen wird im Körper gespeichert und bedarfsweise zur Verfügung gestellt. Die Skelettmuskulatur beinhaltet ca. 40 % Selen, die Leber um die 30 % und die restlichen Organe speichern weniger als 10 % des Gesamtkörperselens.

Selenbedarf beim Pferd von vielen Faktoren abhängig

Der Selenbedarf des Pferdes hängt von verschiedenen Faktoren ab. Vitamin E und die Aufnahme von schwefelhaltigen Aminosäuren über das Futter können den Selenbedarf beim Pferd senken. Energiereiches Futter oder Weiden - insbesondere im Frühjahr und Herbst - lassen den Selenbedarf stark ansteigen. Der Selenbedarf beim Pferd reicht in den Studien von 0,1 bis 0,6 mg Selen pro kg Futtertrockensubstanz. Einzig eine Studie geht von einem höheren empfohlenen Selenbedarf beim Pferd im Futter aus. (Puls, 1994 0,3 – 2,0 mg Se / kgTS).

Nicht ganz einig ist man sich in der Beurteilung, ab welchem Schwellenwert das im Futter enthaltende Selen toxisch wirkt. Hier schwanken die Angaben in den Studien zwischen 2 und 5 mg Se / kg TS. Die Gesellschaft für Ernährungsphysiologie der Haustiere (GfE) legte deshalb den untersten Schwellenwert von 2 mg Selen pro kg TS als toxischen Grenzwert fest. Bezogen auf die Körpermasse des Pferdes haben Manfred Coenen / Helmut Meyer („Pferdefütterung“, Parey-Verlag) den Schwellenwert der täglichen Selenzufuhr in Abhängigkeit der Leistung definiert. Nach seiner Auffassung, die mehrere Studien bestätigten, werden daher eine tägliche Selenzufuhr von ca. 2,5 µg Selen pro kg Lebendmasse Pferd als ausreichend angegeben. Im Regelfall sollte das Pferd daher diese Menge über das Futter zur Verfügung gestellt bekommen. Bei reiner Heu- bzw. Grasfütterung oder bei der Weidehaltung auf selenarmen Böden ist daher eine Deckung des täglichen Selenbedarfs beim Pferd über das Grundfutter – also ohne zusätzliche Supplementierung - nicht möglich.

Tägliche Selenaufnahme:

Pferd 500 kg (ohne Arbeit = täglicher Selenbedarf = 1,25 mg Selen lt. GfE 2014 1,05 mg Selen)

Bei leichter oder mittlerer Arbeit werden nach GFE – 2014 = 0,015 mg/metab. Gewicht Lebendmasse zusätzlich empfohlen (= 0,85 mg Selen).

Somit ergibt sich für das Pferd mit 500 kg bei leichter bis mittlerer Arbeit = Gesamt: 1,875 bis 2,075 mg Selen/Tag.

8 kg Heu = 0,68 mg Selen (wobei in oberbayerischen Proben in nur 10 % überhaupt Selen nachweisbar war)
1 kg Hafer = 0,07 mg Selen
Gesamt = 0,75 mg Selen

Bei dieser Fütterung wird deutlich, dass mit einer Unterversorgung von Selen zu rechnen ist. Insbesondere, weil nicht davon auszugehen ist, dass 100 % des im Grundfutter enthaltenen Selens auch verstoffwechselt werden. Auch wenn in diesem Beispiel nicht zwingend mit schweren gesundheitlichen Störungen durch Selenmangel zu rechnen ist, so kann nicht ausgeschlossen werden, dass es in so einem Fall zu erhöhten Anfälligkeiten für Krankheiten oder zu Leistungsdefiziten kommt.

Bei einem Pferd mit mittlerer Arbeit kann dennoch davon ausgegangen werden, dass es in diesem Beispiel ohne zusätzliche Supplementierung von Selen zu Beeinträchtigungen kommen wird (z.B. Belastungsmyopathie, lokale Myopathie, Tying-up-Syndrom, Atemwegserkrankungen, Durchfall und Stoffwechselstörungen).

Selen bei Pferden mit EMS, Diabetes oder Cushing

Immer wieder führt die Diskussion um Selen im Pferdefutter in der Pferdewelt zu allgemeiner Verwirrung und manche Stellungnahmen raten grundsätzlich von einer zusätzlichen Supplementierung von Selen bei Pferden mit Stoffwechselproblemen ab. Seit neuestem wird sogar Selen im Pferdefutter als ursächlicher Auslöser für EMS bzw. als Förderer eine Insulinresistenz diskutiert.
Alle diese Behauptungen sind leider sehr kontraproduktiv und können für das Pferd schwere gesundheitliche Folgen haben, wenn deshalb eine dringend angeratene Supplementierung ausbleibt. Gleiches gilt natürlich auch für eine Hysterie zu Gunsten des Selens im Pferdefutter, da Selen in zu hohen Dosen toxisch wirkt.

Eingangs sei hier erwähnt, dass es hierzu keine aussagekräftigen Studien gibt, die die Behauptung, einiger im Netz veröffentlichter Publikationen, bestätigen würde: "Selen fördere die Insulinresistenz bei Pferden". Eine Studie an 38 Pferden wurde in Kombination mit einem mönchspfefferhaltigen Ergänzungsfutter und teilweise gleichzeitiger Behandlung mit Pergolid durchgeführt. In diesem Ergänzungsfutter waren 20 mg Selen kg/TS enthalten. Alle untersuchten Pferde zeigten trotz dieses unüblich hohen Gehalts an Selen im Futter, keine negative Veränderung in punkto „Insulinresistenz“.

Im humanen Bereich gibt es auch hierzu unterschiedliche Studienergebnisse - also keine klare wissenschaftliche Erkenntnis. Weder im Humanbereich und noch viel mehr bei Pferden, ist man sich nicht sicher, inwieweit hier erhöhte Gaben an Selen die ermittelten Stoffwechselveränderungen überhaupt bedingen oder ob im Umkehrschluss Selen die metabolische Faktoren erhöhen. In einer Studie bei Diabetikern hatte man erhöhte Selenspiegel festgestellt und somit das Selen dafür verantwortlich gemacht.

Bei Pferden mit EMS, Diabetes Typ II oder ECS aber sind in der Regel die Selengehalte im Blut deutlich unter dem Referenzwert. Daraus folgernd ist die Behauptung, -Selen würde das Insulinresistenzrisiko bei Pferden erhöhen - noch immer nicht bewiesen und streng genommen an den "Haaren herbeigezogen". Folgernd ist es wenig hilfreich, die Pferdewelt mit solchen Thesen zu verunsichern. Genauso wenig sinnvoll wäre es aber auch, nach derzeitiger Kenntnislage, eine verstärkte Selensupplementierung im Falle eines Diabetes zu empfehlen. Gerade bei Pferden mit Insulin abhängigen Stoffwechselerkrankungen empfiehlt es sich auch weiterhin, auf eine täglich zugeführte Menge an Selen von ca. 1,0 bis 1,5 mg (500 kg LM) zu achten.

Selen- und gleichzeitiger Zinkmangel beim Pferd

Bedenken Sie auch, dass das Selen ein wichtiger Cofaktor für die Zinkversorgung der Zellen und damit auch für den so wichtigen Entgiftungs- und Leberstoffwechsel darstellt. Fehlt Selen wird am Ende auch nichts aus der so wichtigen Zinkversorgung.

Diagnose Selen im Blutbild beim Pferd - was tun?

Diagnose Blutbild – ab wann spricht man von einem Selenmangel beim Pferd?

Häufig greifen Pferdebesitzer zu einem zusätzlichen Selenpräparat, weil das Blutbild des Pferdes einen Selenmangel ergab. Hier aber gehen die Meinungen berechtigter Weise auseinander. Ein Selenmangel im Blutbild muss genauer betrachtet werden und nicht grundsätzlich ist hier eine hohe zusätzliche Supplementierung mit dem in höheren Mengen toxisch wirkenden Selen zielführend. Zweifelsohne sind defizitäre Werte von Spurenelementen im Blutbild immer auch ein Warnsignal. Da Spurenelemente i.d.R. im Organismus der Pferde auf Vorrat „gehalten“ werden, deuten Mängel auf ein bereits gravierendes Problem hin. Gerade aber beim Selen ist viel Luft nach unten. Fraglich bzw. umstritten ist auch eine häufig propagierte sehr hohe Dosierung täglich über nur einige Wochen (3 bis 4). Sinnvoller – gerade bei Selen – wäre eine über 2 bis 3 Monate andauernde moderate Selensupplementierung beim Pferd. Ebenso sinnvoll wäre auch die Überlegung, die Grundversorgung mit einem selenhaltigerem Mineralfutter zukünftig zu unterstützen, da ja offensichtlich in der Vergangenheit die Selenversorgung beim Pferd mangelhaft war.

Mineral Plus - ohne Getreide und Zucker mit organischem Selen


Merke:

  • Eine sehr geringe oder sehr hohe Aufnahme des Spurenelementes Selen beim Pferd kann nur mäßig durch eine erhöhte oder verminderte Verwertung vom Stoffwechsel gesteuerte Aufnahme bzw. Resorption (wie z.B. beim Zink, Eisen oder Magnesium) reguliert werden und führt so direkt zu einer Unter- oder Überversorgung des Organismus mit den entsprechenden Folgen (JEROCH et al. 2008).
  • Sinnvollerweise empfiehlt es sich gleichzeitig, auch Zink zu verabreichen. In Studien konnte eine deutlich bessere Selenaufnahme mit einem Zinkkombipräparat erreicht werden. (z.B. Billy´s Selen oder EQUIPUR-zink forte)
  • Selen sollte bestenfalls in organisch gebundener Form vorliegen. Anorganisch gebundenes Selen (Natriumselenit) sollte nicht in Kombination mit Vitamin C verabreicht werden (Aufnahme wir gehemmt).
  • Die Pferderasse, Leistungszustand (sportliche Aktivität, Trächtigkeit, Laktation und Wachstum) sind Parameter, die beim Blutbild als Referenzwert für einen Selenmangel oder -überschuss in der Beurteilung mit herangezogen werden sollten. (Fohlen haben häufig einen um 30 % niedrigeren Referenzwert – ähnlich zeigen auch Robustpferderassen (Nordtypen) bei um 30 – 40 % unterschrittenen Referenzwerten keinerlei Mangelsymptome. Hingegen sind bei Warmblütern und z.B. Quartern bereits Werte um den unteren Referenzwert als kritisch anzusehen.
  • Geringe Selenmangelwerte und gleichzeitig Zinkwerte im unteren Referenzbereich können ggf. durch eine ausschließliche Zinksupplementierung verbessert werden.
  • Selenmangel beim Pferd und muskuläre Entwicklungsstörungen (auch erhöhter CK im Blutbild) werden am besten mit einem Kombipräparat (Selen, Vitamin E und Lysin) therapiert. (Selen plus E oder Billy´s Selen mit natürlichem Vitamin E)

 

Selen im Pferdefutter: die richtige Dosierung ist wichtig!

Die Futtermittelhersteller müssen entsprechende Höchstdosen für Selen und z.B. Vitamin D als Warnhinweis auf ihren Dosen angeben. Es liegt somit auch in der Verantwortung des Pferdebesitzers auf die richtige Dosierung zu achten. In der Regel sollten zusätzliche Selenpräparate kurweise verabreicht werden (max. 3 bis 4 Monate). Nehmen Sie auch erst frühestens nach 3 Monaten eine erneute Kontrolle über das Blutbild vor, da es einige Zeit in Anspruch nimmt, bis sich der tatsächliche Wert auch dort abbildet. Selen unterstützt die Wirkung von Vitamin E und umgekehrt. Daher empfehlen wir eine gemeinsame Verabreichung mit Vitamin E und Lysin (z.B. Selen plus E von Natural Horse Care) zur Unterstützung des Muskelaufbaues im Training oder bei gleichzeitigem Zinkmangel EQUIPUR-zink forte (meist bei Selenmangel bei Weidehaltung). Wenig sinnvoll sind Selenpräparate mit hohem Anteil an organisch gebundem Selen und einer kurz darauffolgenden Blutprobe, da der Anstieg des Plasmaspiegels sehr flach - dafür jedoch später auf einem höheren Niveau - anzeigt als bei anorganisch gebundenen Selen (LEVANDER et al., 1983; LOMBECK und MENZEL, 1994; HILL et al., 1996).

Selen und Vitamin C: Vitamin C hemmt die Aufnahme von Selen - allerdings gilt das nur für anorganisch gebundenes Selen (Natriumselenit). Da viele Mineralfutter aber anorganisches Selen und Vitamin C enthalten, sollte dies berücksichtigt werden. 

Selen im Pferdefutter schützt den Organismus vor schädlichen Auswirkungen von Umweltgiften und Schwermetallen, indem es mit diesen eine unlösliche Verbindung eingehen kann. Selen unterstützt die korrekte Funktion der Schilddrüse und die damit verbundene Regulierung des Testosteron- und Insulinhaushalts. Daher ist es bei letzterem – also bei Pferden mit EMS oder Diabetes auf die Höchstmenge zu achten. Derartige Produkte sollten bei solchen Pferden frei von leicht verdaulichem Zucker und Getreide sein. Insbesondere hier empfiehlt sich das Billy´s Selen.

 Selen beim Pferd - Billy´s Selen füttern