PPIs wirken sich auf den gesamten Magen-Darm Trakt aus.Jeder kennt Sie und bestimmt hat jedes zweite Pferd Sie schon einmal verordnet bekommen:

Die Rede ist von Protonenpumpenhibitoren bzw. Protonenpumpenhemmern (kurz PPI). Die für Pferde zugelassenen Protonenpumpenhemmer enthalten als Wirkstoffe in der Regel Omeprazol. Wie es der Name schon sagt blockiert der Wirkstoff, welcher in Form von Pasten oder säureresistenten überzogenen Kügelchen/Dragees verabreicht wird, die Protonenpumpe im Magen, indem sie ein Enzym hemmen, welches zur Herstellung des Magensafts benötigt wird.

Derartige Wirkstoffe finden ihren Einsatz nicht nur bei Pferden oder anderen Tieren, sondern auch im Humanbereich. Weltweit gehören sie zu den am häufigsten verabreichten Medikamenten. Ein Grund sich mehr mit der Wirkweise und vor allem den Nebenwirkungen zu beschäftigen.

Obwohl sie als sicher eingestuft werden könnten, sind die häufigsten Nebenwirkungen (nur im Humanbereich beschrieben) Schädigungen oder Störungen des Magen-Darm-Traktes, die dann wiederum mit denselben therapiert werden.


Gut zu wissen – Naturheilkundler sehen den Einsatz von PPI´s als kritisch

Im Magen entsteht nicht nur Salzsäure, sondern auch basisches Natriumhydrogencarbonat. Dieses ist wichtig für die basophilen (Basen-liebenden) Organe wie Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm. Des Weiteren dient Natriumhydrogencarbonat zur Pufferung für einen konstanten Blut-PH-Wert. Wird die Bildung von Magensäure gehemmt, kann kaum Natriumhydrogencarbonat gebildet werden. Dies wiederum könnte die basophilen Organe schwächen.

Protonenpumpen kommen übrigens nicht nur im Magen, sondern z.B. auch in Niere und Dickdarm vor. Die Frage, ob sich die Wirkung der Magensäureblocker auf die Protonenpumpe im Magen beschränkt, konnte nicht zweifelsfrei beantwortet werden. Kritiker sehen hierin die mögliche Erklärung für die im Humanbereich beschriebenen organübergreifenden Nebenwirkungen.


Wo finden PPI´s Anwendung?

  • Bei Magenschleimhautreizungen, -entzündungen, Speiseröhrenentzündungen Magengeschwüren (Human),
  • zur Vorbeugung und Behandlung von Magengeschwüren beim Pferd
  • und Gastrinomen (Gastrin produzierende Tumore - Human).

Gastrinome können eine Hypergastrinämie verursachen, also einen Überschuss an Gastrin. Gastrin ist ein Hormon, welches u.a. die Produktion von Salzsäure fördert.

Hierzu sollte erwähnt werden, dass durch die Blockade von Salzsäure das Gastrin im Blut ansteigt und bei längerer Gabe eine Hypergastrinämie verursacht!

Aus eben diesem Grund wird von einer Langzeittherapie abgeraten. Wobei – ab wann ist es eine „lange Zeit“? Bei Pferden wird grundsätzlich zu einer maximalen Therapiedauer von 28 Tagen geraten. In der Praxis wird leider häufig deutlich länger therapiert – insbesondere seitdem PPI´s (Magensäureblocker) für Pferde über ausländische Webseiten bezogen werden (rechtlich eine strafbare Handlung und auch unseres Erachtens tierschutzrelevant).

Die in der Praxis fälschlicherweise propagierte Verabreichungsdauer erstreckt sich häufig über einen Zeitraum von 4 bis 12 Wochen. Für uns durchaus kein kurzer Zeitraum, zumal in Tierversuchen der Zeitraum von 12 Wochen zu Tumoren an der Magenschleimhaut führten (Quelle: GAZZARD 1989). Klingt nach einem Teufelskreis? Finden wir auch!

Es hat sicher auch einen Grund, warum die Hersteller von PPI´s die Verabreichungsdauer festlegen. Nur in diesem engen Zeitraum kann u.E. davon ausgegangen werden, dass es nicht zu unten beschriebenen möglichen Nebenwirkungen (im Humanbereich beschrieben) kommen kann.

Die dauerhafte, unnatürliche Erhöhung des pH-Wertes im Magen begünstigt nicht nur ein Eindringen von Bakterien in den Organismus, sondern verringert auch die Aufnahme wichtiger Nährstoffe. Bekannte Folgen davon sind:

  • Infektionen der Harnwege
  • Proteinurie (erhöhte Eiweißausscheidung im Urin)
  • Zellschädigung der Niere, chronische Nierenerkrankungen
  • Darm- und Lungenerkrankungen (COB?)
  • Nachweisliche Hemmung der Vitamin B 12 –Synthese (Protein welches die Aufnahme fördert wird nicht gebildet)
  • Mineralstoffmangel (insbesondere Calcium, Vitamin D, Zink…)
  • Frakturneigung
  • Allergieneigung (unverdaute Eiweißpartikel gelangen in den Organismus und lösen Immunreaktionen aus – Sommerekzem, Pollenallergie?)

Weitere mögliche Nebenwirkungen bei Pferden könnten Koliken, Durchfall, Abmagerung uvm. sein.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der sogenannte Rebound-Effekt: Durch den Säureblocker wird ein Teil der Magensaftproduktion unterdrückt, ebenso wie die körpereigenen Mechanismen, die ihn vor ihr schützen. Wird der PPI nun abgesetzt, kommt es zu einer übermäßigen Produktion von Magensaft, da ja keiner mehr vorhanden war. Aus diesem Grund ist es sinnvoll – auch über die Therapiedauer mit verschreibungspflichtigen Säureblockern hinaus – für einige Wochen bis Monate Ergänzungsfutter zu füttern, die eine natürliche Schleimhautsekretion unterstützen und eine übermäßige Säureproduktion puffern.


Welche Alternativen gibt es?Was ist die Alternative?

In Anbetracht der Folgen einer langanhaltenden Therapie, können wir nur zu einem gewissenhaften und wohlüberlegten Umgang mit diesen raten. Sie sollten Medikamente mit PPI´s nicht länger als vom Hersteller erlaubt (28 Tage) anwenden und die Fütterung in enger Zusammenarbeit mit dem Tierarzt und/oder Ernährungstherapeuten während und nach der Behandlung mit PPI´s optimieren.

Am sinnvollsten ist die Vorbeugung bzw. Vermeidung solcher Magenprobleme. Ideal ist es doch, wenn man erst gar nicht auf Säureblocker angewiesen ist. Begünstigende Faktoren wie zu lange Fresspausen, hohe Kraftfuttermengen, Stress oder die Gabe von Omeprazol oder Pantoprazol entgegen der Empfehlung des Herstellers sollten vermieden werden.

Eine weitere Möglichkeit in frühen Stadien ist der Einsatz von Antazida, den Magensäurepuffern. Diese neutralisieren mithilfe basischer Salze (z.B. Calciumcarbonat) die Magensäure und können in Kombination mit schleimbildenden Stoffen (z.B. Pektine) den Magen vor der Säure nachhaltig schützen. Der größte Vorteil ist, dass die Funktionsweise der Verdauung nicht eingeschränkt wird und weiter der wichtige Magensaft produziert werden kann. Dennoch wägen Sie gewissenhaft ab und sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt – nur er kann sicher diagnostizieren, wann und wie lange eine Therapie mit PPI´s zum Wohle des Tieres sinnvoll erscheint.


Quellen: https://www.zentrum-der-gesundheit.de/saeureblocker-ia.html; https://www.artgerecht-tier.de/hunde/d-omeprazol-1473117064; https://www.vetmedica.de/produktdetail.aspx?produktId=4998&katId=4341; https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/56894; https://www.der-arzneimittelbrief.de/de/Artikel.aspx?SN=6865; https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/2481157