Warnung vor MMS beim Pferd

MMS - Miracle Mineral Supplement

– Die Lösung aus Natriumchlorit (NaClO2) und Säure (Essigsäure, Zitronensäure oder 9 % Salzsäure)

Leider erreichen uns mittlerweile vermehrt Anrufe über dramatische gesundheitliche Störungen bei Pferden, während diese mit MMS "behandelt" wurden. Diese plötzliche Anhäufung von Hilferufen an unseren Ernährungsberatern, veranlasste uns, die Hintergründe und Gefahren näher zu beleuchten.

Was ist MMS?

MMS wird auch gerne „aktivierter Sauerstoff" oder „Vitamin O²", Dioxychlor (anderer Hersteller) oder MMS1 benannt. Seit kurzem ist auch das Produkt MMS2 auf dem Markt. Miracle Mineral Supplement wird als angebliches Wunder-Mineral-Ergänzungfuttermittel bei Pferden aber auch insbesondere als Nahrungsergänzung bei Menschen meist über das Internet angeboten. Erfinder bzw. Entdecker der angeblichen Eigenschaften dieser ca. 28% starken mit Säure versetzten Kochsalzlösung war der noch lebende Goldsucher und Ingenieur Jim Humble (weder Arzt noch Biochemiker oder Biologe). Ein Mitglied seiner Expedition erkrankte im Dschungel Guyana's an Malaria und wurde angeblich nach Einnahme des „stabilisierten Sauerstoffs" binnen weniger Stunden wieder gesund.

Wie wendet man MMS an?

Leider kursieren hier abweichende Dosier- und Mischungsvorschläge. Man gibt also einige wenige Tropfen (1 bis 15) auf die ca. 5 fache Menge Zitronen- oder Essigsäure und vermengt diese nach ca. 3 Minuten mit ca. 200 ml Wasser. Vorher kommt es zu einer chemischen Reaktion und der Freisetzung von Chlordioxid. Diese stark reagierende Lösung soll dann getrunken werden. Diesen Vorgang wiederholt man mehrmals am Tag (2 bis 3 mal). Bei Pferden werden ca. 80 bis 240 Tropfen MMS und die gleiche Anzahl Säure pro Tag empfohlen, die dann in eine Spritze oder unter das Futter gemischt werden.

Was kann MMS?

Die Berichte über die Heilungserfolge (ohne wissenschaftliche Nachweise, Doppelblindstudien usw.) müssten eigentlich stutzig machen. MMS soll lt. Jim Huble und seinen Jüngern gegen fast jede Form von Krankheit helfen. Hier werden von Aids- oder Krebspatienten berichtet, die bereits nach einem Tag wieder gesund waren.

Pferde mit Hufrehe und Pferde mit Cushing oder Spat und Arthrose , Pferde mit Sommerekzem oder chronischer Bronchitis (ROAR) sowie alle grippalen Infekte bei Pferden werden lt. der Veröffentlichung von Humble binnen kurzer Zeit durch MMS geheilt. Der Entdecker dieses Wundermittels und Gründer einer eigenen Kirche beschreibt über 200 schwere Erkrankungen, die mit dieser Kochsalzlösung angeblich erfolgreich behandelt werden könnten.

Die Entdeckung einer solchen breiten nachweislichen Heilwirkung würde im Nu ein wesentliches Unheil auf dieser Welt auslöschen und würde mit Nobelpreisen überschüttet werden, wäre an den Heilaussagen etwas dran. Warum dies nicht geschehen ist und warum MMS bzw. der Einsatz von durch Reaktion entstandener chloriger Säure bei uns als WC- und Abflussreiniger (Domestos) und nicht als Medikament vertrieben wird, sollte jedem zu denken geben.

MMS für Pferde nur unter hohem Risiko!

Chlordioxid wird in Deutschland als Wasseraufbereiter oder zum Bleichen von Textilien eingesetzt. Hierbei handelt es sich um ein oxidierendes Biozid mit antiviraler und antibakterieller Eigenschaft. Die These, dass bei der Einnahme nur krankmachende Erreger abgetötet werden (ph-Wert) ist völliger Unsinn, da sonst eine effiziente Reinigung bei Trinkwasser nicht möglich wäre. (Chlordioxid zerstört alle Fäkalbakterien im Trinkwasser – also alle die, die im Darm von hoher Bedeutung sind.)

Die wissenschaftliche Fachliteratur weist in den Versuchsreihen mit Chlordioxid auf Methhämoglobinbildung, hämolytische Anämien (Blutarmut durch ein "Zerplatzen" der roten Blutkörperchen) und erniedrigte Glutathion-Spiegel hin. Bei einigen Tieren haben wir massive Schleimhautverätzungen festgestellt. Ein Hinweis darauf, dass MMS nicht in die Hände des Tierbesitzers gehört.

Fazit:

Nicht ohne Grund warnen sämtliche Behörden (Deutschland, Schweiz, Kanada, Frankreich u.v.m.) vor dem Kauf und der Einnahme von MMS. Chlordioxid kann in der Wasseraufbereitung oder Desinfektion gute Dienste erweisen. In den Pferde- oder Hundeverdauungstrakt gehört MMS auf keinen Fall – das ist Tierquälerei.

Links:

Bundesamt für Gesundheit Schweiz

Verbraucherschutz

Giftnotruf Erfurt