Vitamin A Bedarf des Pferdes. Wie entsteht ein Mangel an Vitamin A beim Pferd. Was tun bei Überversorgung.Vitamin A zählt zu den fettlöslichen Vitaminen und übernimmt im Stoffwechsel der Pferde wichtige Aufgaben. Erkannt und geschätzt wurde dieses Vitamin, als man damit die Folgen der Nachtblindheit mildern und heilen konnte Das Vitamin A dient u.a. als Vorstufe für verschiedene Sehfarbstoffe und hilft uns Farben zu unterscheiden und hell und dunkel zu erkennen. Da Vitamin A auch die Sekretion in den Schleimhäuten fördert, hat es einen positiven Einfluss auf das Immunsystem. Gesunde Schleimhäute und auch eine gesunde Haut halten Bakterien und Viren ab und das Pferd ist weniger infektionsanfällig.

Natürlich vorkommendes Vitamin A kann vom Pferd als Pflanzenfresser nicht von Natur aus aufgenommen werden, da es nur in Nahrungsmitteln tierischer Herkunft vorkommt. In der Natur nimmt das Pferd das Provitamin ß-Carotin auf, welches eine Vorstufe des Vitamin A ist. Das ß-Carotin ist vor allem in allen Grünfuttern wie Weidegras, Löwenzahn und Petersilie aber auch zu hohen Anteilen in Karotten und Hagebutte vorhanden. Im Dünndarm ist das Pferd in der Lage das ß-Carotin durch die Zugabe von speziellen Enzymen in der Darmschleimhaut zu Vitamin A umzuwandeln. Diese Umwandlung erfolgt nicht 1:1, sondern liegt in der Regel bei 2:1 (2 mg ß-Carotin ergeben 1 mg Vitamin A bzw. 400 IE Vitamin A) Die genaue Aufnahme wird aber im Organismus vom aktuellen Vitamin A Speicher (überwiegend Leber) abhängig gemacht. Sind im Futter hohe Nitrat- oder Eiweißgehalte vorhanden, kann das die Umwandlung von ß-Carotin in Vitamin A hemmen. Das ß-Carotin hat darüber hinaus für sich selbst auch eine eigene Wirkung im Organismus und wird hauptsächlich in den Geschlechtsorganen gespeichert, da es dort die Hormonbildung unterstützt. Daher erscheint es sinnvoll, nicht ausschließlich auf bereitgestelltes Vitamin A im Mineralfutter zu achten, sondern eines zu bevorzugen, indem auch ß-Carotin enthalten ist.

Das Vitamin A (ß-Carotin) beim Pferd ist für viele Vorgänge im Pferdeorganismus wichtig. Hauptsächlich aber:

  • Für den Sehvorgang.
  • Die Fortpflanzungsfähigkeit und die Fruchtbarkeit.
  • Den Epithelschutz (Funktionserhaltung der Haut und der Schleimhaut).
  • Den Knochenstoffwechsel: bei jungen Pferden hilft das Vitamin A bei der Skelett- und Zahnentwicklung und bei adulten hilft das Vitamin A die Knochenfestigkeit zu erhalten.
  • Für die Blutbildung: Vitamin A erhöht die Erythrozytenzahl und baut Eisen ein.
  • Beteiligt an der Synthese von Östrogen und Testosteron.

Wieviel Beta Carotin (Vitamin A) liefern Karotten fürs Pferd?Vitamin A Mangel durch Heufütterung beim Pferd?

Schon ca. 6 Monate nach der Heuernte ist fast kein Vitamin A mehr im Heu enthalten. Allein während des Trocknungsvorgangs sinkt der Vitamin A Gehalt auf unter 10% und während der Lagerzeiten sinkt er stetig weiter. Bekommt das Pferd nicht die ausreichende Menge an ß-Carotin durch qualitativ hochwertige Futtermittel zugeführt, kann es i.d.R. nur 2 Monate von seinen Vitamin A Reserven zehren. Danach sind sie aufgebraucht. Gerade in den Wintermonaten kann durch die Fütterung einiger Karotten täglich einem Vitamin A Mangel vorgebeugt werden (ca. 1 bis 2 kg täglich decken den Tagesbedarf an ß-Carotin des Pferdes ab).

Bei ausgewachsenen Pferden sollte auf eine ausgeglichene Fütterung geachtet werden.  In der Zucht wird ß-Carotin zur Stimulation der Synthese von Fortpflanzungshormonen und zum Schutz der Gebärmutterschleimhaut eingesetzt (wie bereits erwähnt, sollte auch das Augenmerk auf die Zufütterung von ß-Carotin -nicht nur Vitamin A gelegt werden.) Hier wäre das Ergänzungsfutter EQUIPUR – ß-carotin sehr zu empfehlen. Fohlen kommen ohne Vitamin A Reserven auf die Welt, umso wichtiger ist es die Mutterstute nicht nur vor ihrer Bedeckung, sondern auch während der Laktation mit ausreichend Vitamin A zu versorgen. Über die Muttermilch wird das junge Fohlen dann mit Vitamin A versorgt. Eine Unterversorgung kann vor allem bei einer reinen Heu- und Haferfütterung auftreten, währenddessen eine Überversorgung oftmals auf eine unsachgemäße Gabe von Ergänzungsfuttermitteln mit extrem hohen Vitamin A Mengen (insbesondere Müslifutter mit Vitaminvormischungen) zurückzuführen ist. Mit Karotten, wie gerne behauptet, kann eine Überdosierung nicht erreicht werden. Hier müssten täglich über 60 kg verfüttert werden. Übrigens Karottenchips oder Karottenpellets enthalten so gut wie gar kein ß-Carotin mehr. Als hochwertige Vitamin A -Lieferant kommen sie daher nicht mehr in Frage.

Mangel an Vitamin A beim Pferd

Allgemein kann gesagt werden, dass schon ein geringer Vitamin A Mangel über einen längeren Zeitraum die Infektionsanfälligkeit um das Zwei- bis Dreifache ansteigen lässt. Besondere Folgen eines Vitamin A Mangels können sein:

  • Nachtblindheit, auch bei einer Hornhauttrübung in Kombination mit einem Tränenfluss kann ein Vitamin A Mangel zu Grunde liegen.
  • Haut – und Schleimhautprobleme: Die Sekretion der Schleimhäute nimmt ab und sie trocknen schneller aus. Bei einer Austrocknung der Schleimhäute erhöht sich die Gefahr einer Infektion und im Falle einer Austrocknung der Darmschleimhaut kann es zu Resorptionsstörungen kommen.
  • Knochenstoffwechselprobleme: Bei adulten Pferden kann ein Vitamin A Mangel zu einem schlechten Hufhorn führen. Lahmheiten und Ataxien wurden beim Pferd auch schon mit einem Mangel in Verbindung gebracht. Auch bei Fesselgelenksgallen und empfindliche Beugesehnen, kann zu wenig Vitamin A Mitverursacher sein.
  • Gerade bei Zuchtstuten ist eine gute Versorgung mit Vitamin A extrem wichtig. Entsteht bei ihnen ein Vitamin A-Mangel kann es zu einer Plazentastörung, einem niedrigen Geburtsgewicht oder langsamen Wachstum des Fötus kommen.
  • Bei den Fohlen sind die Auswirkungen eines Vitamin A – Mangels in der Muttermilch unter anderem an einer Stelzfußentwicklung und einer vermehrten Scheuerneigung zu erkennen

Equipur beta carotin - für Stuten Hengste und Fohlen

Vitamin A – Überschuss beim Pferd

Eine Überversorgung hingegen kann gerade bei jungen Pferden im Wachstum zu einem schlechteren Knochenmaterial führen und somit das Risiko zu Strahl- oder Gleichbeinlahmheiten und Griffelbeinfrakturen erhöhen. Durch chronische oder stoßweise überhöhte Vitamin A -Zufuhr kann es zu Vergiftungserscheinungen kommen, die sich durch raues Haarkleid, gesenkten Muskeltonus, Depressionen und Ataxien äußern. Um eine Überversorgung mit Vitamin A zu vermeiden, sollte nicht mehr als 1000 IE/kg LM/Tag in den Organismus des Pferdes gelangen. Bei einem Pferd mit einem Gewicht von 500kg wären das 500.000 IE am Tag.

Bei Weidegras/Silage (junges Gras etwas höher) müssen ca. 31 kg pro Tag gefüttert werden um einen Vitamin A-Überschuss zu erreichen. Der normale Bedarf eines Pferdes liegt bei Freizeitpferden bei ca. 7.500 IE/pro 100 kg Körpermasse, bei Fohlen bei ca. 17.000 IE und bei tragenden oder laktierenden Stuten bei ca. 12.500 IE.

  • 1 kg Weidegras hat ca. 16.000 IE
  • 1 kg Karotten hat ca.24.800 IE (je nach Lagerungszeit fällt der Vitamin A - Gehalt auf 8.000 IE)
  • 1 kg Grünmehl hat ca. 80.000 IE
  • 1 kg Klee und Luzerneheu ca. 8.000 IE
  • 1 kg Heu hat ca. 4.000 IE
  • 1 kg Mais hat ca. 800 IE
  • 1 kg Hafer nahezu 0 IE

Mit Vitamin A Pferde entwurmen?

Dieser Mythus wird ab und an noch behauptet. Eine gute Vitamin A  - Versorgung sorgt für eine gesunde und abwehrstarke Darmschleimhaut. Damit sind solche Pferde deutlich besser vor Parasiten geschützt. Ein befallenes Pferd aber mit erhöhten Gaben an Vitamin A oder - wie gerne behauptet - großen Mengen Karotten entwurmen zu können, ist völliger Unsinn.