Das Spurenelement Jod ist in der Natur in vielfältiger Form vorhanden. Für Pferde ist Jod ein lebenswichtiges Spurenelement, ohne das viele Stoffwechselfunktionen nicht optimal ablaufen könnten.

Jod ist ein wichtiges Spurenelement fürs PferdDas Spurenelement für die Schilddrüse – Jod fürs Pferd

Jod wurde schon Anfang des 18. Jahrhunderts in der Asche von Seetang entdeckt und kurze Zeit später erstmals zur Behandlung eines Kropfes (Vergrößerung der Schilddrüse) erfolgreich verwendet. Von einem Kropf spricht man, wenn die Schilddrüse durch ein vermehrtes Gewebewachstum vergrößert ist.
Jod findet man in der Natur fast überall. Besonders reich an Jod ist Meerwasser, so dass Algen, Meeresfische, Krustentiere und Muscheln das natürliche Spurenelement  in großer Menge aufweisen. Hier beträgt der Jodgehalt 40-60 µg je Liter. Das Jod aus dem Meerwasser gelangt über die Seeluft als Niederschlag wieder auf den Boden zurück. Ein Grund dafür, warum insbesondere in Alpennähe der Jodgehalt in den Böden relativ gering ist.

Die wichtigsten Jodquellen sind der Seefisch und die Algen. Im speziellen Fall der Algen haben die Meeresalgen einen höheren Jodgehalt als die Süßwasseralgen und eignen sich daher gut zur Futterergänzung für Pferde. Meeresalgen besitzen einen sehr hohen Meeresjodgehalt (bis zu 3000 mg je kg). Weitere Jodspender für uns Menschen sind z.B. Meersalz, Kichererbsen, Milchprodukte, Fleisch- und Wurstwaren und Eier. Auch unser Trinkwasser dient als natürliche Jodquelle. Hier sind es im Durchschnitt 2,6 µg pro Liter. Pflanzen im Allgemeinen sind eher jodarm. Ausnahmen bilden Islandflechten, Efeu, Thymian, Klette und Hirtentäschel.

Für Pferde und deren Organismus ist Jod ein überlebenswichtiges Spurenelement, wobei die Grenze zwischen dem lebenswichtigem Bedarf und der täglichen Höchstmenge sehr dicht beieinander liegen. Die Bildung der sogenannten Kröpfe findet größtenteils bei Pferden statt, die über einen längeren Zeitraum zu wenig Jod über das Futter zugeführt bekamen. Das Jod wird über die Nahrung als Jodid aufgenommen. Nach der Aufnahme wird das Jod im Dünndarm resorbiert und gelangt über das Blut mit einem aktiven Transportmechanismus (Natrium-Jod-Symporter) in die Schilddrüse. In der Schilddrüse selber werden dann die jodhaltigen Schilddrüsenhormone gebildet.

Höhere Nitratgehalte z.B. im Trinkwasser können die Jodaufnahme in den Schilddrüsenzellen verlangsamen, da Nitrat und Jod miteinander konkurrieren. Auch Fluoride können die Aufnahme und Prozesse, die die Energie liefern hemmen. Das überschüssige Jod wird zu 95 % in anorganischer Form mit dem Urin über die Niere ausgeschieden. Ein geringer Teil wird mit dem Kot abgesetzt. Der Jodgehalt im Urin ist ein recht zuverlässiger Indikator für den aktuellen Jodhaushalt.


Mit fallender Außentemperatur z.B. in einem Offenstall im Winter, steigt die Schilddrüsenaktivität.

Mittlere Jodgehalte (mg/kg) in Futtermitteln bezogen auf den Trockensubstanzgehalt (DVT 2006, Hou et al. 1997, DLG 1973)

Futtermittel

Jodgehalt (mg/kg) bei 100% Trockensubstanz TS)

Meeresalgen (Laminaria japonica)

3000

Meeresalgen (Ulva pertusa)

13,00

Magermilchpulver

1,22

Trockenschnitzel

1,01

Weidegras/Grünland

0,45 – 0,7

Wiesenheu

0,27

Hafer

0,11

 

Bei den für Pferde geeigneten Futtermittel sind es, wie oben schon beschrieben, die Meeresalgen, die zur Futterergänzung eingesetzt werden können. Auch Magermilchpulver, wie z.B. in qualitativ hochwertiger Fohlenmilch, enthält einen beachtlichen Anteil an Jod. Trockenschnitzel sind im Vergleich zu Heu oder Hafer auch sehr jodhaltig. Sie sollten allerdings nur eingeweicht verfüttert werden. Hafer enthält sehr wenig Jod und auch das Pferdeheu weist meist einen geringen Anteil an Jod auf. Etwas mehr ist noch im Weidegras zu finden.

Jodbedarf fürs Pferd

Jod wird vom Pferd vor allem für die Bildung von Schilddrüsenhormonen benötigt.

Die Schilddrüsenhormone

  • beeinflussen den Kohlenhydrat-, Eiweiß- und Fettstoffwechsel
  • regulieren den Grundumsatz der Pferde (bei Schilddrüsenüberfunktion wird der Stoffumsatz beschleunigt, bei Unterfunktion verlangsamt)
  • nehmen Einfluss auf den Knochenstoffwechsel, in dem der Calcium- und Phosphat-Umsatz gesteigert und die Osteoklasten (Knochen abbauende Zellen) aktiviert werden
  • steuern Nervensystem und Muskulatur
  • wirken sich auf den Sauerstoffverbrauch, auf den Blutdruck und die Körpertemperatur aus.

Das Futtermittelgesetz in Deutschland erlaubt nur bestimmte Verbindungen, wobei in den meisten Pferdemüslis das enthaltene Jod nicht näher deklariert wird. Erlaubt sind folgende Verbindungen:

  • Calciumjodat-Hexahydrat
  • Anhydriertes Calciumjodat
  • Natriumjodid
  • Kaliumjodid (reaktionsfreudiger als das natürlich vorkommende Natriumjodid, kann leichter an den Organismus abgegeben werden).

Pferde mit einem Gewicht von 500 kg benötigen für den Erhaltungsbedarf etwa 0,3 mg Jod/100 kg Körpergewicht, d.h. ca. 1,5 mg am Tag. Zuchtpferde und Fohlen (im Wachstum) brauchen etwas mehr. Hier rechnet man ca. 0,5 mg/100 kg Körpergewicht. Bei einem Warmblutpferd mit Körpergewicht von 600 kg bei täglicher Arbeit wäre es dann bis zu 2,4 mg Jod/am Tag (6 x 0,4 = 2,4 mg) und ein 250 kg schweres Fohlen benötigt bis zu 1,25 mg Jod (2,5 x 0,5 = 1,25 mg) am Tag.
Bei einem Warmblüter, der täglich leicht bewegt wird, reicht die tägliche Menge an Heu- und Hafer-Ration nicht aus, um den Jodbedarf zu decken. Bei einem Mineralfutter ist darauf zu achten, dass der Jodgehalt bei 15 mg pro kg liegt, erst dann wird eine optimale Versorgung sichergestellt. Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass Gras, Heu und Getreide nicht besonders jodhaltig sind. Auch Futterpflanzen mit einem erhöhten Glykosidgehalt (sekundäre Pflanzenstoffe) wie z.B. Weißklee, Kreuzblütler und Luzerne, verringern die Aufnahme von Jod und können somit den Bedarf erhöhen. Während der Laktation entsteht eine allgemeine erhöhte Stoffwechselbelastung und die Schilddrüsenfunktion wird gesteigert – der Bedarf an Jod ist erhöht.

Die Meinung, dass Pferde aus küstennahen Regionen genug Jod aus dem Grundfutter erhalten, wird kontrovers diskutiert. Der Niederschlag ist zwar jodhaltiger als der in küstenfernen Regionen, aber über das Jahr gerechnet regnet es in den Küstenregionen weniger. So kann hier keine eindeutige Aussage getroffen werden.

sekundäre Pflanzenstoffe wie z.B. Glykoside können die Jodaufnahme hemmern.

Jodmangel beim Pferd

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion kommt es zu einer Verringerung des Grundumsatzes und damit zu einer verminderten Produktion von Schilddrüsenhormonen. Es kommt zu einer Kropfbildung. Die Unterfunktion verursacht eine geringere Wärmeproduktion und es kommt zu Leistungsabfall.
Beim Pferd selbst ist ein Jodmangel an einer Gewichtszunahme bei fehlendem Appetit, Leistungsschwäche, Müdigkeit, Fellproblemen und einem niedrigen Blutdruck erkennbar. Ein dauerhafter Jodmangel während der Trächtigkeit führt zu einer Verlängerung der Tragezeit, zu schweren Entwicklungsstörungen am Skelett- und Nervensystem der Fohlen bis hin zur Geburt sehr schwacher Tiere bzw. Fehlgeburten. Bei adulten Pferden kann ein Jodmangel über einen längeren Zeitraum zu Ödembildungen in den Gliedmaßen oder zu einem längeren Fell führen.

Zu einem Jodmangel beim Pferd können auch erhöhte Nitratgehalte im Tränkewasser bzw. im Grünfutter führen. Auch Inhaltstoffe in Fertigfuttermitteln wie z.B. Kohl oder Klee begünstigen die Kropfbildung.

Jodüberschuss beim Pferd

Ein Jodüberschuss beim Pferd kann zu einer verstärkten Synthese der Schilddrüsenhormone führen. Weitere Symptome eines Jodüberschusses sind die Steigerung des Stoffwechsels mit einer Abmagerung, obwohl das Futter gut aufgenommen wird, sowie Unruhe, Zittern und Veränderung von Haut und Fell. Manchmal zeigt sich auch Durchfall, vermehrtes Wasserlassen oder ein starkes Durstgefühl.
Bei einer chronischen Jodvergiftung sind die Symptome dem eines Jodmangels sehr ähnlich, denn auch hier kann es zu einer Kropfbildung kommen.
Im Regelfall ist der Organismus des Pferdes in der Lage die Jodsynthese zu stoppen. Erst bei dauerhafter Überversorgung wird dieser Mechanismus umgangen und neue Schilddrüsenhormone werden produziert.

Achtung Jod – Seealgenmehle für Pferde

Zu beachten ist, dass bei der Zufütterung von Seealgenmehl schnell eine Überversorgung provoziert werden kann. In der Meeresalge Laminaria japonica z.B. sind bis zu 3000 mg Jod pro kg enthalten. Füttert man zusätzlich nur 20 g am Tag, nimmt das Pferd insgesamt 60 mg Jod pro Tag auf. Bei einer dauerhaften Gabe ist es sehr wahrscheinlich, dass gesundheitliche Schäden auftreten können.

Quellenangaben
Ernst, Dr. Stephan: „Jod in der Winterfütterung?“. In: Mecklenburger Pferde, Ausgabe 01/2008, S. 55-56 und „Jod in der Winterfütterung (Teil 2)?. In: Mecklenburger Pferde, Ausgabe 02/2008, S. 53-54
Fitz, Dr. Christina: „Pferde fit füttern”. Cadmos Verlag 2. Auflage 2013. S. 104-105
Garbsers, Dr. Frauke: „Jod“. URL: http://www.artgerecht-tier.de/kategorie/hunde/beitrag/jod.html [Stand 01.03.2016]
Meyer, Helmut; Coenen, Manfred: „Pferdefütterung“. Enke Verlag 5. Auflage 2014. S. 89-90