Die meisten Reitställe und Landwirte dürften bereits ihr Pferdeheu eingefahren haben. Die Ernten in diesem Jahr sind in den meisten Regionen recht zufriedenstellend. Nur sehr selten hat es das Heu für die Pferde in diesem Jahr verregnet. Mit einer guten Heuernte ist aber noch lange nicht garantiert, dass sich dies bis zur eigentlichen Fütterung, durch z.B. Fehler in der Lagerung, nicht noch ändert.


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Heu für Pferde – kurz & knapp

Voraussetzung:

gutes Heu > artenreiche und pferdegerechte Saatmischung

idealer Schnittzeitpunkt:

  • variiert je nach Pferderasse und Verwendung bzw. Einsatz des Pferdes
  • meistens: frühe bis späte Gräserblüte
  • Heuernte oft 2-mal im Jahr = 1. und 2. Schnitt (Grummet) > 2. Schnitt hochverdaulich & eiweißreich (Stuten- und Fohlenfütterung)
  • später erster Schnitt = leicht bis mittelschwer gearbeitete Pferde
    je strohiger das Heu > desto geringer der Futterwert

Lagerung:

  • Feuchtegehalt nach dem Pressen: idealerweise 15% > Überschreiten = Gefahr der Schimmelpilzvergiftung
  • Heu immer vor Feuchtigkeit/Regen schützen!
  • Heu erst nach 6 bis 8 Wochen Lagerung nach der Ernte an Pferde verfüttern

Qualitätstest:

  • Optik- und Geruchstest
  • Heuanalyse durch ein Labor

Vitalstoffversorgung:

  • ausreichende Vitalstoffversorgung = gutes Heu + Mineralfutter!

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Pferde mit Atemwegsproblemen:

  • Heu bedampfen o. wässern + binnen 2 bis 4 Std verfüttern

Pferde mit Diabetes, EMS oder ECS:

  • Heu über 9 Std. im Wasser lagern = Zuckergehaltreduktion

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Bereits die Heuernte entscheidet über die spätere Qualität des Heus für PferdeZwar geben die Farbe und der Geruch des Heus erste wichtige Hinweise auf die Qualität des Winterfutters für Pferde. Darüber hinaus bietet eine labortechnische Analyse weitere Informationen über deren Unbedenklichkeit für die Gesundheit der Pferde. In unserem Artikel wollen wir praktische Tipps geben und auf Fragen zur Heufütterung an Pferde mit Stoffwechsel- oder Verdauungsproblemen eingehen.

Heu für Pferde – Fragen über Fragen

Welcher Erntezeitpunkt ist ideal?

Einen festen Schnittzeitpunkt für das richtige Pferdeheu gibt es nicht. Je nach Pferderasse und Verwendung bzw. Einsatz des Pferdes sind unterschiedliche Vegetationsstadien der Weide für den Schnitt optimal. Man sollte darauf achten, dass eine zu Heu verarbeitete Weide möglichst artenreich ist. In den meisten Fällen wählt man für Pferdeheu einen Schnittzeitpunkt während der sogenannten frühen Gräserblüte. In manchen Pferdereitställen wird die Heuernte zweimal im Jahr vorgenommen; ein sogenannter 1. und 2. Schnitt (Grummet). Diese Ernten sind hochverdaulich und eiweißreich. Sie eignen sich eher für die Stuten- und Fohlenfütterung oder werden zu einem guten Drittel Leistungspferden mit unter den älteren Schnitt gemischt. Für Pferde, die überwiegend leicht bis mittelschwer gearbeitet werden, ist der späte erste Schnitt völlig ausreichend und gesünder. Je strohiger das Heu wird, desto geringer wird der Futterwert. Sofern die Qualität in Ordnung ist, muss dies grundsätzlich aber kein Nachteil sein. Es sollte nur nicht ständig zwischen unterschiedlichen Strukturen (Rohfaseranteil) gewechselt werden. Nur dann stellen sich die Rohfaser verdauenden Bakterien im Idealfall auf eine sehr strukturreiche bzw. strohige Futtergrundlage ein. Kotwasser beim Pferd ist häufig ein Hinweis darauf, dass diese in nicht ausreichender Anzahl vorhanden sind oder das Heu zu überständig geerntet wurde. Idealerweise liegt der Rohfaseranteil von gutem Pferdeheu zwischen 20 und 28 Prozent und enthält überwiegend stängelhaltiges Material (sehr feines und blattreiches Heu wie z.B. Grummet ist ernährungsphysiologisch eher ungünstig für Pferde).

Nehmen Schnitt- und Pressverfahren Einfluss auf die Heuqualität?

Heutzutage werden bei der Heugewinnung meist große und zeitsparende Maschinen eingesetzt. Dies geschieht leider nicht immer zum Vorteil für die spätere Heuqualität. Den richtigen Schnittzeitpunkt zu finden ist stark wetterabhängig und selten bleibt viel Zeit dies zu entscheiden. Der Boden sollte möglichst trocken sein bevor gemäht wird, damit die Feuchtigkeit den eigentlichen Trocknungsvorgang nicht stört. Empfehlenswert ist deshalb, dass bereits abgemähte Weidegras am Abend zusammen zu kreiseln (Nachtschwaden, schlageln (bayr.)). Erst nachdem die ersten warmen Sonnenstrahlen den Boden getrocknet haben, wird das abgemähte bzw. angetrocknete Gras wieder am nächsten Vormittag mittels Kreisel auseinander geworfen. Um zu vermeiden, dass das Gras zum Trocknen direkt auf dem leicht feuchten Boden liegt, empfiehlt es sich die Schnitthöhe so zu wählen, dass 5 bis 7 cm des Weidegrases stehen bleiben. Beim Mähen und beim Kreiseln sollte also darauf geachtet werden, dass nicht zu dicht über dem Boden „gearbeitet“ wird. Der damit aufgewühlte oder beschädigte Mutterboden verunreinigt das spätere Heu und führt zu unnötig hoher „Staubbelastung“. Auch sind die bodennahen Stängel häufig durch Pilz belastet. Das Heu kann im Regelfall nach 3 Tagen Sonne und Wind (je mehr Wind, desto schneller trocknet das Heu) gepresst und eingefahren werden. Zu diesem Zeitpunkt sollte es keinesfalls mehr als 20 % Restfeuchte haben. Ideal wäre ein Feuchtegehalt nach dem Pressen von ca. 15 %. Alles darüber wäre schlecht, da Heu nach der Pressung „nachschwitzt“ und somit die Gefahr der Schimmelpilzentwicklung stark ansteigt.

Denken Sie daran: Heu, Stroh und Pferdeweide sind die Futtergrundlage schlechthin für die Pferde. Von deren Qualität hängen das Wohlbefinden und die Gesundheit der damit gefütterten Tiere maßgeblich ab. Daher sollten hier keine Kompromisse eingegangen werden. Weder bei der eigenen Ernte, noch beim Heukauf. Viele Heupressen haben bereits integrierte Feuchtigkeitsmesssensoren. Sprechen Sie den Bauern darauf an, dass er stellenweise feuchte Areale – also zu feucht gepresste Ballen markiert, damit diese ggf. nachbehandelt oder gesondert gelagert werden können. Liegt das Heu bis zur Ernte zu lange in der Sonne, verliert es am Ende auch an wichtigen Nährstoffen. Darüber hinaus steigt die Gefahr der Schimmelpilzvergiftung. Es hat sich bewährt, Heu nicht direkt auf Betonböden oder mit Kontakt zu Betonwänden zu lagern. Verwenden Sie Paletten und sorgen Sie für eine ausreichende Durchlüftung. Um Schäden durch die entstehende Feuchtigkeit und Schimmelpilze durch das Nachschwitzen zu verringern, kann man beim Einlagern jede Schicht großzügig mit Viehsalz bestreuen.

Heu sollte erst nach ca. 6 Wochen Trocknungsphase an Pferde verfüttert werden, da insbesondere in der Nachschwitzzeit Kolik auslösende und Darmstörung verursachende Bakterien entstehen können.

Wie schädlich ist es, wenn das Heu an geregnet wurde?

Es passiert immer wieder, dass das Heu für die Pferde vor dem Einfahren einem Regenguss ausgesetzt war. Grundsätzlich ist das für die Qualität des Heus nicht gut. Binnen kurzer Zeit (2 bis 4 Stunden) bilden sich Bakterien und Pilze, die am Ende mit eingefahren werden. Regnet es über mehrere Stunden, werden zudem wichtige Nährstoffe regelrecht ausgewaschen. Das Pferdeheu verliert dadurch seinen Futterwert.

Sensorische Heubeurteilung (Meyer/Coenen; Auflage 5):

Farbe und Aussehen: Hinweis für:
frisch, grün richtiger Erntezeitpunkt, geringe Nährstoffverluste zu erwarten
blass, bleich spät geerntet, bei Ernte verregnet oder zu lange gelagert, geringer Karotingehalt
braun bis schwarz während der Lagerung überhitzt, hohe Nährstoffverluste, geringe Verdaulichkeit
grau bis grau-weiß Schimmelpilzbefall  nicht füttern!
Geruch:  
frisch, angenehm  gute Ernte- und Lagerungsbedingungen
aromatisch hoher Kräuteranteil, hohe Artenvielfalt
ohne spezifischen Geruch  stark ausgewaschen, lange Lagerung, Nährwert ggf. reduziert
brandig überhitzt bei Lagerung, geringer Futterwert
faulig, muffig, dumpf Schimmelpilzbefall  nicht füttern!
Griff:  
weich, zart blattreiches, stängelarmes Heu  hoher Eiweißgehalt, Grummet
rau blattärmer, stängelreicher, steigender Rohfasergehalt, niedriger Eiweißgehalt
sperrig, holzig viele Stängel, niedrigere Verdaulichkeit
klamm Feuchtigkeit wahrscheinlich über 20 %, Risiko für Verderb, nicht vefüttern!
Verunreinigungen:  
Erde, Staub je nach Umfang qualitätsmindernd, feiner weißer Staub/Nebel Schimmelpilzbefall, nicht füttern
Giftpflanzen Adlerfarn, Adonisröschen, Gundermann, Herbstzeitlose, Johanniskraut, Kreuzkraut, Sumpfschachtelhalm, Goldhafer; nicht verfüttern!

 

Heuanalyse welche Werte geben Auskunft über ein gutes Pferdeheu?

Die Statistiken zum Thema Zucker aus dem Heu für Pferde waschen, sind widersprüchlich. Es ist mittlerweile in Mode gekommen, das Pferdeheu durch ein Labor analysieren zu lassen. Je nach Geldbeutel können der Wassergehalt (TS), die verdauliche Energie, die umsetzbare Energie, das Rohprotein (verdaulich und gesamt), jeweils Rohfett und -asche sowie Sand und Zucker (bzw. leicht verdauliche Kohlenhydrate, Zucker und Fruktan) analysiert werden. Zusätzlich können der Gehalt an Schimmelpilzen und Bakterien, Mineralstoffen, Spurenelementen sowie PCR (hier wird über die Polymerase-Kettenreaktion das Marker-Gen für Jakobskreuzkraut ermittelt bzw. ein Vorhandensein nachgewiesen) ermittelt werden. Der Kostenpunkt liegt je nach Labor zwischen 180 und 250 Euro. Aus finanziellen Aspekten heraus bleibt es dann meistens bei einer ganz allgemeinen Nährstoffanalyse.

Bereits bei der Abgabe der Heuprobe werden viele Fehler gemacht, so dass die Werte verfälscht wiedergegeben werden. Eine sorgfältige Probenentnahme ist Voraussetzung für ein auf den gesamten Heubestand übertragbares Ergebnis.

Proben für eine Analyse richtig vorbereiten:

  • Nehmen Sie die Probenentnahme stets mit desinfizierten Händen oder Einweghandschuhen vor, wenn eine mikrobiologische Analyse mit beauftragt wird.
  • Entnehmen Sie die Einzelproben (ca. 20) an mehreren Stellen des Heuballens (auch innen oder z.B. bei Rundballen aus unterschiedlichen Lagen).
  • Wählen Sie mehrere Heuballen aus, da auf einer Weide unterschiedliche Vegetationen und somit auch unterschiedliche Gräser wachsen, bzw. Weiden teilweise beschattet oder unter starker Sonneneinstrahlung stehen. Günstigenfalls beauftragen Sie mehrere Analysen aus unterschiedlichen Ballen und errechnen später selbst den Mittelwert.
  • Beim Heu sollte die Probe erst nachdem die sogenannte Schwitzphase beendet ist (6 bis 8 Wochen nach der Ernte) genommen werden.
  • Verwahren und versenden Sie Ihre Heuproben ausschließlich in einem Papierbeutel (außer bei Heulagen) und stellen Sie sicher, dass am Ende ca. 400 Gramm für eine Analyse zur Verfügung stehen.
  • Beschriften Sie die Probe so, dass im Labor keine Verwechslungen passieren können (also nicht nur den Untersuchungsauftrag ausfüllen, sondern auch die Probe selbst kennzeichnen).
 Was die einzelnen wichtigen Laborwerte aussagen:
  • Trockensubstanz (TS): Der Wert von 1 kg Futter nach Abzug der Restfeuchte. Aus diesem Wert lässt sich der Feuchtegehalt ablesen; z.B. TS = 860 bedeutet, dass in 1 kg Originalsubstanz des Pferdeheus, 140 Gramm Wasser enthalten sind. Dieser Gehalt an Restfeuchte sollte bei abgelagertem – also bereits nachgeschwitztem  Heu keinesfalls höher als 15 % (TS < 850) liegen (Gefahr von Milben, Schimmelpilzen und Bakterien).
  • Verd. Energie (DE): Die tatsächlich für das Pferd als Leistung zur Verfügung stehende Energie.
  • Umsetzbare Energie (ME): Die tatsächlich umgesetzte – also in Erhaltung und Leistung umgewandelte  Energie.
  • Verd. Protein (besser dünndarmverdauliches Rohprotein – dvRP): Gibt die Eiweißmenge an, die im Zuge der Verdauung im Dünndarm als Proteinquelle aufgeschlossen und nutzbar gemacht werden kann.
  • Rohfaser: Unter „Rohfaser“ ist derjenige Anteil eines Futtermittels zu verstehen, der nach Behandlung mit verdünnten Säuren und Laugen als „unverdaulicher“ bzw. bei Pferden als schwer verdaulicher Bestandteil zurückbleibt. Hauptbestandteil dieser Stoffklasse ist die Cellulose. Idealerweise nicht > als 350g /kg Originalsubstanz.
  • Rohfett: Der Anteil an Fetten und Ölen aus dem Futter in %.
  • Zucker: Dieser Wert wird in % angegeben. Etwas unglücklich ist es, dass häufig nicht hervorgeht, wie viel davon leicht verdaulich wären. Aussagekräftiger wäre hier zusätzlich der NfE (Stickstofffreie Extraktionsstoffe wie z.B. alpha-glucosidisch gebundene Polysaccharide (Stärke, Glycogen)), lösliche Zucker (Glucose, Fructose, Saccharose, Lactose, Maltose und Oligosaccharide) sowie lösliche Teile von Zellulose, Hemizellulosen, Lignin und Pektine. Der Gehalt an Zucker im Pferdeheu sollte idealerweise unter 10 % liegen.
  • Fruktan: In der Heuanalyse wird das vorwiegend im Stängel gespeicherte wasserlösliche Kohlenhydrat in Prozent angegeben. Idealerweise sollte dieser Wert 5 % (TS) nicht übersteigen.
  • Mikrobiologische Untersuchung: Gehaltswerte von Bakterien-, Hefe- und Schimmelpilzkeimen.
  • Mineralstoffe und Spurenelemente: Hier werden die theoretisch zur Verfügung stehenden Mineralstoffe und Spurenelemente im Heu analysiert. Diese Werte können aber nicht 1:1 für eine Bedarfsberechnung herangezogen werden, da die Resorptionsraten in Abhängigkeit der Struktur des Pferdeheus wie auch die des Verdauungsstoffwechsels beim Pferd zwischen 10 % und 60 % variieren können.

Statistik über Pferdeheu der LUFA-Nord-West

Ihre Heuproben können Sie hier bei der LUFA analysieren lassen (sehr empfehlenswert)!

Pferde mit Atemwegsproblemen  wie sinnvoll ist es, das Heu zu wässern bzw. zu waschen?

Sehr viele Pferde leiden heute an chronischen Atemwegsproblemen. Die Qualität des Heus spielt bei der Vorbeugung von allergischen Reaktionen eine nicht unwesentliche Rolle. Um die flüchtigen feinen Stäube, Pilze und Bakterien zu binden, sollte bei Pferden mit COPD das Heu gewässert werden. Denken Sie aber auch daran, dass es nicht nur der Staub aus dem Pferdeheu ist, der die Atemwege reizt. Insbesondere staubige Reitwege, Sandplätze und Reithallen sowie ein schlecht durchlüfteter Stall sind ebenso problematisch für die Atemwege der Pferde. Schimmelpilze oder Bakterien haften sehr häufig fest an den Stängeln und Blättern des Pferdeheus. Ein Waschen oder Wässern ist daher nur sehr begrenzt geeignet, um die giftigen Anhaftungen herauszuwaschen. Diese Toxine belasten den Entgiftungsstoffwechsel der Pferde massiv. Daher gilt, dass Heu in schlechter Qualität grundsätzlich auf dem Futtertisch der Pferde nichts verloren hat. Studien zurfolge sollte gewaschenes oder angefeuchtetes Heu auch sehr schnell verfüttert werden, da binnen weniger Stunden (2 bis 4 h) die Belastung im feuchten Milieu an gesundheitsbedenklichen Bakterien massiv ansteigt.

Heu waschen oder bedampfen bei Pferden mit Diabetes, EMS oder ECS?

Bei Pferden mit einem gestörten Zuckerstoffwechsel wird mittlerweile oft das intensive Waschen von Pferdeheu empfohlen. Damit soll erreicht werden, dass insbesondere die wasserlöslichen Zuckermoleküle ausgewaschen werden. Grundsätzlich sei noch einmal erwähnt, dass Zucker ein Kohlenhydrat ist, das dem Organismus zur Verfügung gestellt werden muss. Einzig die molekulare Struktur des im Heu zur Verfügung stehenden Zuckers entscheidet am Ende darüber, wie gesund die Kohlenhydratquelle ist. Kurzkettige Zuckermoleküle oder der Einfachzucker Dextrose (Traubenzucker) werden binnen 2 Stunden ohne Umwege direkt in die Blutbahn geschickt. Dadurch steigt der Blutzuckerspiegel massiv an und führt zu einer Stresssituation im Insulinstoffwechsel. Mehrfachzucker oder langkettige Kohlenhydrate in zu großen Mengen brauchen mehr Zeit, um aufgeschlossen zu werden und setzen eine entsprechende enzymatische Aktivität des Dünndarms voraus. Geht aber zu viel davon auf einmal in den Verdauungstrakt, wird ein Großteil (über das normale Maß hinaus) der schwerer verdaulichen Zuckermoleküle (z.B. auch Fruktane) in den Dickdarm geschoben. Hier kommt es dann zu den unerwünschten Gleichgewichtsstörungen der Darmflora. Dieser Zusammenbruch der Darmflora ist am Ende auch für eine Hufrehe verantwortlich. Daher wird mittlerweile in verschiedenen Publikationen das intensive Waschen von Heu in 30° C bis 50 ° C warmen Wasser (> 30 Minuten) empfohlen. Dadurch soll der enthaltene Zuckergehalt reduziert werden. Studien zu diesem Thema kommen zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen. Nicht immer gelingt das Auswaschen des Zuckers zuverlässig. Dieser Vorgang wäscht auch wichtige Nähr- und Wirkstoffe aus. Der Futterwert des Pferdeheus wird damit stark verringert. In den Studien konnte der Zucker (insbesondere Fruktan) um 5 bis 30 % reduziert werden. Scheinbar ist die Höhe stark von der Struktur des Pferdeheus und der Dauer des Wässerns abhängig. Die Studien werden in vielen Veröffentlichungen zu diesem Thema in einen Topf geworfen. Man erwähnt nicht, dass die höchsten Werte damit erreicht wurden, dass Heu über 9 Stunden im Wasser lag. Um danach dann die hohe und ebenso bedenkliche mikrobiologische Verunreinigung wieder in den Griff zu bekommen, musste das Pferdeheu anschließend noch bedampft werden.

Mineralfutter für Pferde mit EMS

Nicht vergessen sollte man aber auch, dass das Pferdeheu als Nahrungsgrundlage in erster Linie Energielieferant ist. Ein gesunder Muskel- und Energiestoffwechsel braucht aber einen gesunden Mix aus leicht- und schwerverdaulichen Kohlenhydraten. Die beste und nachhaltigste Diät für Pferde mit Problemen im Zuckerstoffwechsel ist immer noch die bedarfsgerechte Fütterung, die Vermeidung von hohen Mengen an leicht verdaulichen Kohlenhydraten und ein vernünftiger Trainings- bzw. Bewegungsplan.

Heu erst 6 bis 8 Wochen nach der Ernte an Pferde verfüttern!

Nicht jedem Pferdebesitzer ist bekannt, dass geerntetes Heu noch einige Zeit gelagert werden sollte, bevor es an die Pferde verfüttert wird. Grund dafür ist u.a. der in vielen Grasarten vorkommende aromatische sekundäre Pflanzenstoff Cumarin-Glycosid. Während des Welk- bzw. Trocknungsvorgang wird dieser Stoff verstärkt durch Abspaltung des Zuckers und Reaktion mit der in den Pflanzen enthaltenen Zimtsäure freigesetzt. Cumarin-Glykosid ist in höheren Mengen gesundheitsschädlich (Leber- und Nierenschäden). Während der Trocknung wird durch die chemischen Prozesse später das unbedenkliche Cumarin daraus. Zudem können sich während der ersten Woche durch das Nachschwitzen der Heuballen sogenannte Bis-Hydroxycumarine bilden, die extrem giftig auf Pferde wirken können. Diese mögliche hohe Konzentration baut sich binnen 8 Wochen ab. Daher sollte Heu nach der Ernte für 8 Wochen gelagert werden, bevor es an Pferde verfüttert wird.

Wieviel Heu braucht ein Pferd – 24 Stunden Heu (Heu ad libitum)?

In Abhängigkeit des Eiweiß- und Energiegehalts im Heu, des Rassetyps (Nord- oder Südtyp) und der Bewegung ergibt sich die täglich zu fütternde Menge. Dass Pferde ein hormonell gesteuertes Hunger-/Sattgefühl entwickeln, konnte bis heute wissenschaftlich nicht festgestellt werden. Zudem ist noch nicht erwiesen, dass Pferde in Abhängigkeit des Nährstoffgehaltes nur so viel Heu fressen wie sie benötigen oder ein im Fettgewebe sezerniertes Hormon Leptin am Ende dazu führt, dass Pferde eben kein Sättigungsgefühl entwickeln. Schlussfolgernd sollte man sich darauf nicht verlassen, dass belastete Pferde automatisch das Fressen einstellen, weil sie angeblich wissen oder spüren, was gut für sie ist.

Ein 500 kg Pferd benötigt bei leichter Arbeit ca. 70 Megajoule (ME) an Energie. 1 kg Heu hatte 2014 im Schnitt 5,8 MJ umsetzbare Energie (LUFA Nord-West -vielerorts liegt dieser aber bei 6,9 bis 7,5 MJ). Das würde heißen, dass der Bedarf des Pferdes an Energie bei leichter Arbeit (= tägliche Ausritte ca. 60 Minuten) mit 12 kg gedeckt wäre. Daher ist sicherzustellen, dass das in diesem Beispiel herangezogene Pferd bei einer 24 h Fütterung nicht mehr als 12 kg Heu aufnimmt. Weiß man aber, dass ein Pferd in der Regel Minuten benötigt um 1 kg davon zu fressen, wird schnell deutlich, dass es in so einem Fall zu einer unerwünschten Gewichtzunahme kommen kann. Es sei denn, es werden weitere Maßnahmen (engmaschige Netze) ergriffen, welche die stündliche Aufnahmemenge reduzieren. In unseren Beratungen können wir feststellen, dass der überwiegende Anteil adipöser bzw. stoffwechselbelasteter Pferde häufig 24 h Heu zu fressen bekamen – also ein vorsichtiger Hinweis darauf, dass diese Fütterungsart im Einzelfall optimierbar gewesen wäre. Daher ist diese als artgerecht anzustrebende Fütterung nicht zwingend optimal und immer individuell zu betrachten. Eine 24 stündige Heufütterung ist daher nicht grundsätzlich anzustreben – insbesondere dann, wenn keine nötigen Bewegungsanreize geschaffen werden können.

Ersetzt gutes Pferdeheu das Mineralfutter für Pferde?

Gutes Pferdeheu enthält eine Vielzahl von Mineralstoffen und Vitaminen. In den Gehalten an den Spurenelementen Zink und Selen ist es schwach. Dies geht aus den Untersuchungen der LUFA-Labore eindeutig hervor. Hinzu kommt, dass insbesondere Stoffwechselerkrankungen, Verdauungsprobleme, Krankheit, Medikamente, Wachstum, Alter, Eiweiß- und Stärkeüberschuss den Bedarf an zusätzlichen Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen erhöht. Daher kann immer nur eindringlich zu einer zusätzlichen hochwertigen Vitalstoffversorgung geraten werden, da diese selbst bei alleiniger guter Heuqualität nicht erzielt werden kann.

Bei Heufütterung Mineralfutter nicht vergessen!


Fazit:

Wer gutes Heu an Pferde füttern möchte, achtet bereits bei der Ansaat auf eine artenreiche und pferdegerechte Saatmischung. Schnittzeitpunkt und Lagerung sind wichtige Voraussetzungen für qualitativ hochwertiges Pferdeheu. Es gibt keine sinnvolle feste Regel, ab wann Heu gewaschen, bedampft oder als Heulage verfüttert werden sollte. Jede Form der Fütterung hat Vor- oder Nachteile, die individuell abgewägt werden sollten. Heuanalysen liefern einen brauchbaren Mittelwert der Grundversorgung, falls diese gewissenhaft erstellt wurden  können aber kein alleiniger Parameter für die Zusammenstellung des Futterplans inklusive Mineralstoffversorgung sein. Das wäre zu theoretisch und wenig zielführend. Am Ende gilt daher immer, das Auge füttert mit und mit jeder Minute, die Sie länger Reiten, darf’s auch mal ein bisschen mehr vom Heu sein.