was bedeutet, wenn die leukozyten im blutbild der Pferde erhöht sind?Leukozyten sind sogenannte kernhaltige Zellen im Blut des Pferdes und sind besser als weiße Blutkörperchen bekannt. Sie werden im Knochenmark gebildet und je nach Aufgabe bzw. Funktion (Zelltyp) noch weiter unterteilt. Diese Unterteilung wird im Differenzialblutbild sichtbar gemacht und hat bei der Diagnose eine wichtige Bedeutung (neutrophile, basophile und eosinophile Granulozyten sowie Lympho- und Monozyten). Gerne werden sie auch als die Gesundheitspolizei des Organismus bezeichnet. Sie wehren Krankheitserreger (Bakterien oder Viren) ab.

Sind sie also erhöht oder zu niedrig, ist dies in der Regel ein Hinweis darauf, dass im Organismus des Pferdes etwas nicht stimmt. Leukozyten kämpfen gegen Bakterien, Viren, Tumorzellen und andere Giftstoffe. Bei allergischen Reaktionen, Belastungen mit Giftstoffen, Darminfektionen, Vitamin B 12-Mangel oder diversen Autoimmunerkrankungen schnellen sie in der Regel in die Höhe.

Leukozyten beim Pferd erniedrigt:

Häufig kündigt eine erniedrigte Anzahl an Leukozyten im Blutbild einen beginnenden Infekt durch Viren oder Bakterien an (später steigen sie dann sichtbar an und sind erhöht). Auch bei einer Überfunktion der Milz, einer Pilz- oder Wurmbelastung (Eosinophile – auch eine Art der Leukozyten - sind häufig eher erhöht) sowie bei Medikamenten, insbesondere Antibiotika und Schmerzmitteln, kann sich ebenfalls die Zahl der weißen Blutkörperchen verringern. Häufig ist dies ein erstes Zeichen, dass das Immunsystem des Pferdes geschwächt ist und somit anfälliger für Krankheitserreger wird.

Leukozyten beim Pferd erhöht:

Meist ist dies ein Anzeichen für einen bereits laufenden viralen oder bakteriellen Infekt oder einer Belastung mit Giftstoffen (Leberwerte häufig mit erhöht). Auch Stress kann ursächlich für eine Erhöhung der weißen Blutkörperchen beim Pferd sprechen. Bei Infektionen oder Entzündungen sind zu Beginn auch die neutrophilen Granulozyten erhöht, dann kommen vermehrt Monozyten im Blut vor, und am Ende der Erkrankung sind zunehmend Lymphozyten und eosinophile Granulozyten vorzufinden. Bei viralen Infekten sind neben den Leukozyten meist auch die Lymphozyten mit erhöht. Pferde mit Cushing oder Stress unter Beteiligung von Cortisol zeigen im Blutbild häufig auch erhöhte Leukozyten bei gleichzeitig niedrigen eosinophilen Granulozyten.

Aus dem Wert der Leukozyten kann auf das Stadium einer Infektionskrankheit gedeutet werden (Leukozytenkurve nach Schilling). Mit Beginn einer Infektion sinken zunächst die Werte ab und haben aber dann in der akuten sogenannten Kampfphase den höchsten Wert erreicht. Während der Überwindungs- und Heilungsphase sinken die Werte der Leukozyten im Blut der Pferde wieder langsam ab. In dieser Phase können sich die eosinophilen Granulozyten erhöhen. 

Was tun, wenn die Leukozyten beim Pferd erhöht sind?

Dieser Wert alleine ist nicht aussagekräftig genug. Wie bereits erwähnt gibt er i.d.R. einen allgemeinen Hinweis auf eine Infektion, Allergie oder ein Problem im Verdauungs- bzw. Vitamin-B-Stoffwechsel. Daher müssen hier noch weitere Parameter berücksichtigt werden, um in Abhängigkeit der Symptomatik eine genauere Diagnose und einen damit verbundenen Behandlungsplan zu erstellen. 

Lesen Sie mehr über die Werte im Blutbild des Pferdes: Spurensuche im Blutbild des Pferdes (Teil 2)

 


Einzelne Laborwerte bedürfen der genauen Analyse eines Fachmanns (Tierarzt oder erfahrener Tierheilpraktiker). Ein Laborwert oder mehrere Laborwerte ohne die zusätzliche Diagnose des Patienten Pferd (Symptomatik, Vorerkrankungen usw.) sind nicht aussagekräftig genug und lassen keine sicheren Rückschlüsse zu. Im Zweifelsfall bzw. zur Untermauerung einer hauptsächlich auf das Blutbild gestützten Diagnose sollte das Blutbild mindestens einmal im Abstand von 1 bis 4 Wochen wiederholt werden.