Kalium und andere Elektrolyte im Blutbild der Pferde. Welche Bedeutung haben diese für das Pferd.Was bedeuten Natrium, Kalium, Chlorid, Kalzium und Phosphat in der Blutuntersuchung der Pferde?

Elektrolyte gehören zu den Mineralstoffen und erfüllen sowohl beim Pferd als auch beim Menschen essenzielle Aufgaben, wenn es um die störungsfreie Funktion der Körperzellen geht. Elektrolyte sind vor allem Salze, die aufgrund ihrer Ladung für ein Gleichgewicht innerhalb der Zellen und der Zellzwischenräume (extrazellulärer Raum) sorgen. Die unterschiedliche Verteilung der einzelnen lebenswichtigen Vitalstoffe (sie liefern keine Energie) ermöglicht es, die Spannung an den Zellwänden so zu regulieren, dass damit ein Austausch wichtiger Stoffe ermöglicht werden kann. Viele kennen noch die beiden Begrifflichkeiten Endozytose (Aufnahme) und Exozytose (Abtransport) aus dem Biologieunterricht. Damit eine Zelle richtig arbeiten kann, ist ein ausgewogener Elektrolythaushalt – auch beim Pferd – sehr wichtig. Daneben spielen insbesondere die Elektrolyte in der Regulierung des Wasserhaushalts eine äußerst wichtige Rolle.

Das Pferd selbst ist nicht in der Lage, Elektrolyte wie Natrium, Kalium, Kalzium, Magnesium, Chlorid und Phosphor selbst herzustellen. Diese müssen ausschließlich über das Futter aufgenommen werden. Unterschiedliche Hormone im Organismus der Pferde regulieren die Verteilung, sorgen somit im Idealfall für eine entsprechende „Umschichtung“ und bei einem Defizit für ein sofortiges Auffüllen der „Speicher“. Zum Beispiel geben bei zu hohen Mengen an z.B.: Natrium sogenannte natriuretische Peptide der Nieren den Auftrag über ein vermehrtes Urinieren mehr auszuscheiden. In der Umkehrfunktion aber wird bei einem Mangel an Elektrolyten die Ausscheidung bzw. das Urinieren abgestellt, indem eine lebenswichtige Flüssigkeitsaufnahme unterdrückt wird. (Pferde haben keinen Durst). Dadurch können massive Nierenschädigungen (Dehydration) entstehen.

Viel hilft aber auch nicht grundsätzlich viel – Elektrolyte beim Pferd richtig dosieren

Pferde verlieren insbesondere über den Schweiß erhebliche Mengen an Natrium, Chlorid und Kalium. Folgende Mengen gehen bei Pferden (500 kg) in ihrer Abhängigkeit des Trainings/Bewegung verloren (Quelle Pferdefütterung; Meyer/Coenen 5. Auflage): Während eines Distanzrittes kann im Extremfall ein Pferd bis zu 35 Liter Schweiß verlieren (7% der Körpermasse des Pferdes).

 

Mengenelement

Gramm/Erhaltung

Gramm/leichte Arbeit

Gramm/mittlere Arbeit

Gramm/schwere Arbeit

Gramm/sehr schwere Arbeit

Natrium

4

12,4

23

33

54

Kalium

17

6,4

12

17

28

Chlor

40

22

41

58

96

Kalzium

16

0,5

1

1,3

2,1

Magnesium

5

0,2

0,4

0,5

0,9

Phosphor (mg)

12

40

75

105

175

Spurenelement

 

mg/leichte Arbeit

mg/mittlere Arbeit

mg/schwere Arbeit

mg/sehr schwere Arbeit

Zink

423

44

82,5

116

193

Eisen

430

20

38

53

88

Kupfer

106

1,2

2,3

3,2

5,3

Selen

1,1

0 - 0,2

0,2 - 0,38

0,3 - 0,52

0,5 - 0,89

 

 

 

 

 

 

Schweißmenge gesamt in Liter:

 

4

7,5

10,5

17,5

 

Ein zentrales Problem ist, dass der Gehalt an essenziellen Elektrolyten beim Pferd unabhängig davon ausgeschieden wird, ob bereits ein Mangel entsteht oder nicht. Findet also kein regelmäßiger Ausgleich an Elektrolyten beim Pferd statt, können lebensbedrohliche Situationen entstehen. Je nach Schweregrad kann ein Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich nur durch Infusion stattfinden.

Elektrolythaushalt bei Pferden mit Durchfall

Ähnliche Verluste ergeben sich bei starken Durchfällen. Auch bei diesen Pferden sollte die Elektrolyt- und Wasserzufuhr gewissenhaft kontrolliert werden. (Bitte Tierarzt verständigen).

Kalium im Blutbild des Pferdes erhöht

Der Kaliumwert im Blutbild wird gerne falsch gedeutet. Häufig gibt eine Erhöhung beim Pferd Hinweise auf eine Überlagerung bzw. eine falsche, durch den Tierarzt ausgelöste, Blutabnahme. Wird z.B. mit einer zu engen Nadel Blut abgenommen oder das Blut aus der Vene „gezogen“, platzen rote Blutkörperchen und das darin enthaltene Kalium wird freigesetzt. Erhöhte Werte bei ordnungsgemäß abgenommenen und frühzeitig analysiertem Blut können ein Hinweis auf eine Nierenschwäche, ein Herzproblem oder eine Übersäuerung (Azidose) des Pferdes hindeuten - sind aber äußerst selten. Mit Süßholzwurzeln können Sie einen zu hohen Kaliumwert normalisieren, da die Inhaltstoffe der Wurzel das Kalium senkenden Hormone in der Nebenniere - nach aktuellen Beobachtungen - aktivieren. Bei Quarter-Horse Pferden gibt es ein autosomal dominant vorkommendes Gen, welches für eine sogenannte hypokalämische Paralyse verantwortlich gemacht wird. In solchen Fällen muss Kalium sehr restriktiv aufgenommen werden. Ansonsten wird bei Pferden Kalium im Überschuss allgemein sehr gut toleriert.

Kalium beim Pferd zu niedrig

Störungen des Wasserhaushaltes (Durchfall, Wasserentzug, Cushing) können niedrigere Werte hervorrufen. Aber auch eine entwässernde „Nierenkur“ oder Futterentzug könnte kurzfristig den Kaliumwert erniedrigen. Eine langanhaltende Kur mit Süßholzwurzel erhöht die Ausscheidung von Kalium und kann die Werte daher beeinträchtigen (Kalium geht verloren, Natrium wird zurückgehalten). Gleichzeitig erhöhte Leukozyten (weiße Blutkörperchen) im Blutbild nehmen Kalium auf und sorgen für einen verfälschten, zu niedrigen Wert. Inwieweit während eine hohen Vitamin-B Therapie auch beim Pferd zusätzlich Kalium verabreicht werden sollte, ist bei Pferden nicht abschließend sicher dokumentiert.

Elektrolyte müssen Pferden zugefüttert werden, wenn sie übermäßig schwitzen

Natrium und Chlorid im Pferdeblutbild

Sowohl Natrium als auch Chlorid ist für den Organismus der Pferde lebensnotwendig. Beide regulieren den Wasserhaushalt im Organismus des Pferdes. Chlorid wir unter anderem zur Beurteilung der Nierenfunktion herangezogen. Insbesondere bei akuten Nierenentzündungen ist der Wert erhöht. Dennoch können auch andere gesundheitliche Beeinträchtigungen, die Einfluss auf den Nierenstoffwechsel nehmen, einen erhöhten Chloridwert hervorrufen. Erkrankungen oder Behandlungen, die eine harntreibende Wirkung auf das Pferd auslösen (Cushing, Nierenentgiftung über harntreibende Kräuter) senken den Chloridwert des Pferdeblutes.  Über das Salz nehmen Pferde große Mengen an Natrium auf. Dieser Umstand führt aber i.d.R. nicht zu einem erhöhten Natriumgehalt im Blut, da ein Ausgleich im Organismus des Pferdes durch erhöhte Wasseraufnahme und damit eine verstärkte Ausscheidung reguliert wird. Einzig eine Dehydration (starke Hitze ohne Möglichkeit des Saufens, ältere Pferde mit Nierenerkrankungen, starkes Fieber und starkes Schwitzen führen zu erhöhten Natriumwerten.).

Zu niedrige Natriumwerte beim Pferd deuten auf Erkrankungen der Leber, Nieren oder des Herzens hin (Achtung andere Blutbildparameter beachten). Auch könnten zu niedrige Werte ein Hinweis auf eine Schilddrüsenunterfunktion beim Pferd sein.

Die Deutung von Phosphat im Blutbild des Pferdes

Phosphat spielt beim Energie- und Knochenstoffwechsel des Pferdes eine bedeutende Rolle. Es verbindet sich in erster Linie mit dem Kalzium. Somit handelt es sich wie beim Kalzium nicht nur um ein wichtiges Elektrolyt, sondern beide bilden darüber hinaus den anorganischen Teil der Knochenmatrix. Auch kann ein ausgeglichener Phosphathaushalt eine puffernde Wirkung auf den Säuren-Basen-Haushalt des Pferdes ausüben. 99 % des Kalziums und 86 % des Phosphats sind im Knochen verbaut. Der Rest dient dem Membranpotential des Herzmuskels, sowie dem Protein- und Energiestoffwechsel.

Ein Überschuss an Kalzium wird über die Nieren (Primärharn) ausgeschieden. Hormone regulieren die jeweilige Menge. Ein im Alter des Pferdes eintretender verminderter Kalziumstoffwechsel ist normal. Bedingt durch den Rückgang der Muskelmasse und die reduzierte Bewegung sowie altersbedingter Nierenbeeinträchtigungen kommt es häufig zu einer veränderten Kalziumaufnahme und somit zu einem erhöhten Knochenabbau, bzw. zu erhöhten Verschleißerscheinungen im Gelenk.

Kalziumspiegel oder Phosphat im Blutbild des Pferdes erhöht

Im Regelfall hat ein erhöhter Kalziumspiegel nichts mit der über das Futter zugeführten Menge zu tun, da die Aufnahme bzw. Ausscheidung über Hormone zuverlässig reguliert wird. Findet man im Blutbild des Pferdes einen erhöhten Kalziumspiegel, kann dies ein Hinweis auf eine Nierenfunktionsstörung oder einer Störung der Schilddrüsenfunktion sein. Auch bei erhöhten Phosphatwerten können eine Nierenschwäche aber auch ein Tumor oder eine Überdosierung an Vitamin D dafür verantwortlich sein.

Kalzium oder Phosphat im Blut der Pferde zu niedrig

Auch hier können primär Probleme mit dem Ausscheidungsorgan Niere im Vordergrund stehen. Niedrige Phosphatwerte weisen ggf. auf einen Vitamin D – Mangel hin. Sind im Blut Phosphatwerte erniedrigt und gleichzeitig aber im Urin des Pferdes erhöht ,kann eine Schilddrüsenüberfunktion (Nebenschilddrüse) vorliegen. Auch kann ein gleichzeitiger Magnesiummangel den Kalziumspiegel des Pferdes vermindern. Weitere Ursachen für eine Hypokalzämie sind:

  • Erhöhter Kalziumbedarf (Trächtigkeit und Laktation)
  • Verminderte Wirkung des PHT (Hormon)
  • Vergiftung
  • Bauchspeicheldrüsenentzündung
  • Eiweißmangel (Albumin)
  • Entzündungen des Dünndarms

Mehr zu Magnesium (wird auch zu den Elektrolyten gezählt) beim Pferd lesen Sie hier.

Lesen Sie mehr über das Blutbild beim Pferd.


Einzelne Laborwerte bedürfen der genauen Analyse eines Fachmanns (Tierarzt oder erfahrener Tierheilpraktiker). Ein Laborwert oder mehrere Laborwerte ohne die zusätzliche Diagnose des Patienten Pferd (Symptomatik, Vorerkrankungen usw.) sind nicht aussagekräftig genug und lassen keine sicheren Rückschlüsse zu. Im Zweifelsfall bzw. zur Untermauerung einer hauptsächlich auf das Blutbild gestützten Diagnose sollte das Blutbild mindestens einmal im Abstand von 1 bis 4 Wochen wiederholt werden.