In den letzten Tagen habe ich einige Ställe besucht und folgend beschriebene Situation festgestellt. Zu meinen Aufgaben als Ernährungstherapeut gehört auch, dass ich mir nicht nur Heu, Stroh und Mischfutter ansehe, sondern zudem einen Blick auf die Pferdeweide werfe. Einige Weiden haben bereits monatelang keinen Regen mehr gesehen und sind regelrecht kahlgefressen. Einzig einzelne "Krautbüschel" stehen aus der vertrockneten Erde hervor.

Der heiße Sommer macht aus Weiden für Pferde dürre Landschaften.

Gefahren

Ein genauer Blick verrät häufig (ist natürlich nicht überall gleich – und ich will auch keine Panik verbreiten), dass den Pferden in diesen Fällen alles andere als Weidegras als karge Futtergrundlage zur Verfügung steht. Nicht selten haben Unkraut, Kreuzblütler, Hahnenfuß und andere weniger gesunde – aber sehr dürreresistente – Pflanzen die Herrschaft auf der Weide übernommen. Ggf. vorhandene Weidegräser (insbesondere Weidelgras und andere "Zuckergräser") stehen darüber hinaus unter massivem Stress und aktivieren zum eigenen Schutz einen in Symbiose mit dem Gras lebenden giftigen Pilz. Diese sogenannten Endophyten stehen schon sehr lange in der Kritik, wenn es um das Beweiden dieser Powergraswiesen durch Pferde geht (welche zuvor ausschließlich für Kühe angesät wurden). Der größte Prozentsatz unserer Pferde grast auf solchen, überwiegend mit Weidelgras angebauten Wiesen. Andere Weiden werden zu regelrechten Kleewiesen, weil der Klee das trockene und weniger wehrhafte Gras zurückdrängt. Hier entsteht die Gefahr des Slobber-Syndroms. Dabei handelt es sich um eine nicht ungefährliche Vergiftung aufgrund eines stark leberschädigenden Pilzes (Rhizoctonia leguminicola), der das Klee großflächig befällt. Hier speicheln die Pferde vermehrt, Augen sind gerötet und es kommt zu gelblichen Ablagerungen im Maul.

Wahrscheinlichkeit einer Vergiftung

Zu berücksichtigen ist allerdings, dass Pferde größere Mengen davon fressen müssten. Die Summe aller oben genannten Probleme/Gefahren könnte einigen Pferden sehr zu schaffen machen. Im Idealfall sollten Pferde mit einem guten Immunsystem und gesunden Organen  (Leber und Nieren) solche „Cocktails“ wegstecken. Viele unserer Vierbeiner sind allerdings bereits angeschlagen oder reagieren sehr empfindlich auf solche Lebergifte. Haben Sie ein besonderes Augenmerk und überlegen Sie während einer Weidebegehung, was Sie Ihren Pferden zumuten können und wollen.

Was tun?

Denken Sie daran, dass Pferde nicht automatisch das fressen, was gesund für sie ist, sondern alles in sich hineinschlingen, wenn die Weide nichts anderes anzubieten hat. Auch wenn immer wieder behauptet wird, dass Pferde instinktiv das Richtige fressen würden. Wir müssten uns nicht um die Kreuzblütler wie das Jakobskreuzkraut sorgen, wenn diese These richtig wäre. Dann nämlich würden die Pferde sorgfältig um diese Giftpflanze grasen. Die Praxis lehrt uns, dass wir uns darauf nur sehr bedingt und unter idealen Bedingungen verlassen können. Ich persönlich würde nicht einmal dann die Hand dafür ins Feuer legen.

Auf einer kargen und über die Maße abgefressenen Pferdeweide steigt daher die Gefahr, dass unsere Vierbeiner lebertoxische Pflanzengifte und Pilze zu sich nehmen. Ganz zu schweigen von der Gefahr von Sandkoliken, da die restlichen Weidebüschel samt Wurzeln und anhaftender Erde gefressen werden.

In all diesen Fällen empfiehlt es sich, die Pferde von den Weiden zu nehmen, Heu zu füttern und auf baldigen Regen zu hoffen. Nach einigen Tagen holt sich die Weide meist wieder das zurück, was durch Dürre und übermäßigen Vertritt verloren ging.

Denken Sie darüber hinaus daran, dass eine Überweidung einer bereits durch extreme Witterung in Mitleidenschaft gezogene Weide nicht besser davon wird, wenn man ihr bis zum Herbst keine Pause gönnt. Erst mit dem neuen Frühjahr werden häufig die tatsächlichen Schäden sichtbar. Dies zeigt sich durch übermäßigen Bewuchs an Hahnenfuß, Sauerampfer und Klee. Zu spät wird deutlich, dass es ein Fehler war, der Weide so viel abzuverlangen.

Ihr Ernährungstherapeut Thomas Kranz

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