2. Mein Pferd hatte eine Futterrehe, worauf muss ich achten?
3. Kann gefrorener und unebener Boden Hufrehe ausl?sen?
4. Kann ein Hufgeschwür zu Hufrehe führen?
5. Welche Informationen gibt mir das Blutbild ?ber Hufrehe?
Ursache für die Hufrehe ist ein Zusammenbrechen der Blutzirkulation in der Huflederhaut. Mehrere Faktoren (allein oder in Kombination) können dies auslösen:
- Toxine im Blut: Dies tritt in der Regel auf, wenn die Pferde größere Mengen an nicht dünndarmverdaulichen Speichzuckern (Fruktane) aufnehmen. Dadurch kommt es zu einer Fehlgärung im Blinddarm/Dickdarm mit einer pH-Absenkung und einem Absterben der erwünschten Bakterien. Dabei werden Toxine freigesetzt, welche über die Darmwand aufgenommen werden und so in den Blutkreislauf gelangen. Die Leber kann eine gewisse Menge dieser Toxine neutralisieren; ist sie aber z.B. durch ein hohen Eiweißgehalt des Futters bereits stark belastet, fällt der neutralisierbare Anteil an Toxinen deutlich kleiner aus.
Toxine können natürlich auch bei Nachgeburtsverhalten oder Infektionen entstehen.
Da es sich bei Dextrose um einen dünndarmverdaulichen Zucker handelt, spielt diese hierbei (in vernünftigen Mengen natürlich) keine Rolle.
- Übergewicht / Bewegungsmangel (häufigste Ursache für Reheanfälligkeit): Diese Kombination kann zum "metabolischen Syndrom" führen. Durch zu viel Futter bei zu wenig Bewegung (Dextrose in vernünftigen Mengen spielt hier im Vergleich zum Zuckergehalt im Kraftfutter/Heu/Gras ebenfalls keine Rolle) kommt es zu einer massiven Fettzubildung. Die Fettzellen schütten Hormone aus, welche dafür sorgen, dass zuckerverarbeitende Zellen wie die Leber oder die Muskulatur immer weniger auf Insulin reagieren und damit immer weniger Zucker aus dem Blut aufnehmen. Somit wird der Zucker für den weiteren Aufbau der Fettdepots genutzt, was diesen Teufelkreis weiter verschärft. Andererseits bleibt der Blutzuckerspiegel erhöht, was auf Dauer auch zu einer Vorschädigung der Gefäße führen kann. Die Leber als zentrales Stoffwechselorgan ist hierbei fast immer massiv überlastet.
In einer solchen Situation kann schon eine leichte Kolik, etwas Fruktan oder auch Stress (fördert die Kortisolausschüttung, welche wiederum die Insulinwirkung blockt) zu einem akuten Reheschub führen.
Eine Behandlung muss einerseits mittels vorsichtiger Diät die Fettdepots abbauen (beenden der schädlichen Hormonausschüttung) und andererseits die Empfindlichkeit für Insulin wiederherstellen. Dies geht nur über eine Aktivierung des Energiestoffwechsels in der Leber und Muskulatur durch ausreichende Arbeit.
Natürlich sollte bei einer deutlichen Insulinresistenz eine größere Menge an schnell verfügbaren Kohlehydraten gemieden werden (wir sind hier beim metabolischen Syndrom oder beim Cushing, nicht bei der klassischen Hurehe). Der Gehalt an Dextrose in den meisten Ergänzungsfuttermitteln (einige 10 Gramm pro Tag) ist jedoch absolut vernachlässigbar gegenüber den leicht verdaulichen Kohlehydraten aus dem Heu, dem Kraftfutter oder den immer wieder propagierten Zuckerrübenschnitzel.- Weitere Ursachen für Hufrehe wie Überbelastung, Verletzungen, fehlerhafte Hufstellung, Medikamente (besonders Kortikoide), Stress oder Fehlsteuerung der Hypophyse (Cushing) werden ebenfalls nicht durch die Gabe von Dextrose in vernünftigen Mengen beeinflusst.
Somit ergibt sich aus dem Dextrosegehalt unserer Ergänzungsfutter keine Einschränkung bei der Verfütterung an Hufrehepferde.
Eine klassische Futtrerehe ist immer im Anschluss mit höchster Vorsicht zu behandeln. Insbesondere das nun im Frühjahr beginnende Weidemanagement birgt erhöhe Risiken. Problem ist immer die im Futter enthaltene Stärke und insbesondere das im Gras enthaltende Fruktan. Insbesonder im Frührjahr spricht man von einem Fruktangehalt im Gras von ca. 50 %/TS. In Versuchen hatte man bereits mit 2,5 kg Fruktan/TS eine Hufrehe bei einem 400 kg Pferd auslösen können. Ein Pony nimmt täglich bei normalem Weidegang 15 kg Gras auf. Das enspricht also einer Fruktanmenge von ca. 7,5 kg. Somit ist eine Rehe kaum auszuschließen. Der Fruktangehtalt sinkt rapide ab, wenn Gras die Wachstumsphase beendet hat. (Faustformel: Grashalme sind bierflaschenhoch). Ausgewachsenes Gras enthält Lignin. Lignin sorgt für Festigkeit innerhalb der Pflanze und ist unverdaulich und daher ist ausgewachsenens Gras für Rehepferde fast unproblematisch.
Somit sollte in den ersten Frühjahrsmonaten langsam ein Gewöhungsprozess stattfinden. Koppelgänge dürfen max. 30 Minuten lang sein. Weiden sollten portioniert werden und Rauhfutter (Heu/Stroh) zur Verfügung gestellt werden. Ich rate auch dazu gerade in der Zeit des Anweidens von Rehepferden keine Impfungen, Entwurmungen vorzunehmen.
Wir setzen für Rehepferde ein spezielles Ergünzungsfutter ein. NHC-Recover wird nach Abklingen einer akuten Hufrehe dauerhaft zugefüttert. Das Ergänzungsfuttermittel setzt den Schwerpunkt auf den Erhalt des Leberstoffweschsels als Entgiftungsorgan und unterdrückt die Bildung von Toxinen in der Darmflora, die normalerweise bei einer Fütterungsrehe für den Kollaps verantwortlich sind. Darüber hinaus muss der Bedarf an Mineralien auf einem hohen Level gehalten werden. Während einer Hufrehe steigt der Bedarf auf das über 250 fache. Zusätzlich sollten langkettige Fettsäruen (Omega 3 und 6) verabreicht werden, da diese die kettenartigen Eiweisenzyme besser aufspalten können. Von sythetischen Zusatztstofffen in Futtermittel (kommen leider in sehr vielen vor) und von Firmen die genmanipualtionsfrei Zusatzstoffe nicht garantieren können sollte unbedingt Abstand gehalten werden. Kortison ist Gift für Rehepferde - also jede medikamentöse Behandlung sorgfälltig abwägen. Antibotikas nur sehr kontrolliert einsetzen. Mischfutter sollte nur verfüttert werden um einen schmackhaften Eimer für diverse Zusätze bereitszustellen. (Ein bis zwei Zahnputzbecher/Tag)
Ein Rehepferd sollte im mittleren Trainings/Konditionslevel gehalten werden. Fettdepots am Kamm, Rippen und Lende sowie am Schweif und Kopf sollten verhindert werden. Man sollte die Rippen spüren können, aber nicht sehen dürfen. (Keine plötzlichen Abmagerungskuren vornehmen, da Gefahr der oft tödlich endenen Hyperlipämie bzw, Hyperlipädämie)
Sicherlich kann eine Belastungsrehe (bzw. vorangegangene Huflederhautentzündung) zur Hufrehe führen - aber da muß das Pferd schon vorher übermäßig unfreiwillig über die gefrorenen Koppel gejagt werden. Und eine Huflederhautentzündung führt nicht zwangsläufig zur Hufrehe. Hier bei uns haben wir i.d.R. jeden Winter mehrere Monate Bodenfrost und zwischendrin wieder Matsch also beim besten Willen sollte man jetzt hier nicht die Pferdeleute verrückt machen, das ist das erste mal daß ich sowas höre.
Zweifelsohne können ein falscher Hufbeschlag oder eine falsche Hufstellung neben Infektionen/Toxämien, falsche Ernährung, einseitige Belastung, Klimaänderungen und der Konditionszustand Auslöser für Hufrehe sein. Die Frage stellt sich warum lesen wir gerade jetzt auch etwas über Pferde mit Hufrehe (wo doch eigentlich gar nicht die Zeit dafür wäre). In der Wissenschaft hat man schon seit längerem das Problem erkannt, daß Hufrehe immer häufiger ganzjährig auftritt. In vielen Studien macht man das sogenannte Metabolische Sysndrom maßgeblich für eine Hufreheentstehung verantwortlich. Hier spielen der Glukose- und Fettstoffwechsel, Kortisol, Insulin sowie die Schlidldrüsenhormone in unterschiedlicher Weise eine Rolle.
Die von Dir Thies genannte Möglichkeiten also Futter von anderen Pferde gefressen oder Fruktan (wegen Weidegang nach Frost (unter 4 ° C) und bei Sonnenschein) leuchtet am ehesten ein. Bei der Aufnahme von schnell fermentierbaren Kohlenhydraten innerhalb einer Mahlzeit kommt es zu einer drastischen Veränderung der DickDarmflora wie bei einer Fütterung mit Stärke. In der Regel werden Fruktane durch bakterielle Enzyme zu flüchtigen Fettsäuren (dienen dem Pferd als Energiequelle) und in geringen Mengen auch zu Laktat abgebaut. Die Veränderung/Zerstörung der DickDarmflora führt zu diesem Kollaps. Leber und selten auch die Niere sind hier als Entgifungsorgane gefragt und meist bereits überlastet. Der Auslöser (Nahrungsaufnahme) liegt i. d. R. ca. 40 Stunden von dern ersten klinischen Anzeichen einer Hufrehe zurück.
Grundsätzlich ist es jetzt (Neben der Betreuung durch den TA) von Nöten, daß das Pferd mit allen essentiellen Nährstoffen, Mengen- und Spurenelementen versorgt wird, die für den Aufbau von Gewebe benötigt werden. Der Leber sollte ernährungsphysiologisch geholfen werden die entstandenen Toxine zu deaktivieren und eliminieren. (Bausteine; Cholin, Methionin, Vitamin B 12, Mariendistel, Löwenzahn usw.)
Freie Radikal sollten inaktiviert werden. Dies erreicht man durch sogenannt Antiodidantien wie Vitamin E, Vitamin C, Kupfer, Bioflavonoiden oder Artischocke.
Die Darmflora muss schnell regeneriert werden. (Probiotikas, B-Vitamine, Lecithin, Süßholz)
Sämtliche Zusatzfutter sollten keine genetisch veränderten Inhaltsstoffe enthalten.
Zunächst stimme ich zu, daß ein Hufgeschwür nicht grundsätzlich in Verbindung mit einem Reheschub in Verbindung gebracht werden muss. Dennoch kann aber ein Hufgeschwür zu einer Belastungsrehe bzw. Huflederhautentzündung führen. Darüber hinaus würde ich als außenstehender eine Diagnose aufgrund evtl. Fehlstellungen nicht wagen, da ein unmittelbarer Zusammenhang nicht beobachtet wird. Die als Hyperlipädämie oder Hyperlipämie bekannte Fettstoffwechselstörung hat mit Ölfütterung nichts zu tun. Hier wird die ungenügende Glukoseversorgung (zu schnelle Gewichtsabnahme durch Diät, Krankheit, Trächitgkeit und Stress) auf die Fettdepots zurückgegriffen. Beim aprupten Abbau dieser Depots werden hauptsächlich Lipide freigesetzt, die wiederum eine gefährliche Verfettung zentraler Organe bewirken können. (Cushingpferde entwickeln eine Insulinresistenz. Im Normalfall bewirkt Insulin eine Erniedrigung des Blutglukosespiegels und eine Erhöhung der Aufnahmefähigkeit für Glukose durch die Körperzellen - also auch hier ist die eigentlich Usache eine Störung des Glukosestoffwechsels)
Blutbild Hyperlipämie (Blut schimmert stahlblau und Plasma ist wolkig trüb):
Glukose ++
AP ++
GLDH ++
GammaGT ++
AST ++
Magnesium ++
ph Wert --
Blutbild Cushing/Hippophyse
Glukose ++
Insulin ++
eACTH ++
Kortisol ++
T3 und T4 ernierdrigt
im Urin Glukose -- und Spez. Gewicht --
Metabolisches Syndrom
Glukose ++
Insulin ++
eACTH --
Kortisol ++
CK ++
Urin Glukose ++
zusätzlich interessant sind die Schilddrüsenwerte T3 und T4 wegen Schilddrüsenunterfunktion

