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Xenophons Ausbildungsgrundsätze
Xenophons Ausbildungs-Grundsätze
- Dein Pferde sei zuverlässiger Freund, nicht Sklave!
- Widme seiner Ausbildung so viel Aufmerksamkeit, als ginge es um deinen eigenen Sohn. Achte darauf, dass Körper und Seele deines Pferdes sorgfältig geschult werden. Es soll sich durch Leistungsvermögen und Zuverlässigkeit auszeichnen. Seine charakterliche Prägung und Formung sei dir besonders wichtig! Präge es von seinem ersten Lebenstagen an so, dass es zu dir tiefes Vertrauen fast, dich respektiert und dir gehorcht. Mache dein Pferd menschenfreundlich! Es soll dich geradezu lieben.
- Bringe es zu Arbeitsfreude und freiwilligem Gehorsam!
- Sei achtsam und nimm auf seine Bedürfnisse Rücksicht!
- Setze alles daran, dich deinem Pferd verständlich mitzuteilen. Es soll deine "Sprache" verstehen! Belohnung und Strafe sind die einzigen Erziehungsmittel. Aber Belohnung hat unbedingt Vorrang. Belohne jede besondere Leistung und jeden Lernfortschritt - am besten, indem du ihm eine Pause gönnst oder die Arbeit beendest.
- Langweile dein Pferd nicht! Variiere die Arbeit, biete ihm unterschiedliche Anregungen. Reite es nicht nur in der Bahn, trainiere es im Gelände, beim Springen und auf der Jagd.
- Arbeite an deiner eigenen körperlichen und charakterlichen Schulung! Bemühe dich um einen korrekten, von der Bewegung des Pferdes unabhängigen Sitz, der dir bei jeder Übung, jedem Tempo und in jedem Gelände ein kontrolliertes Einwirken auf das Pferd ermöglicht. Deine Hand darf unter keinen Umständen das Pferd im Maul stören. Erziehe dich dazu, in jedem Fall Ruhe zu bewahren und deine Emotionen zu kontrollieren. Gib Zornausbrüchen keinen Raum.
- Mach dir klar, dass die Lektüren der höheren Dressur keine Kunststücke sind, die du deinem Pferd mit Hilfe unnatürlicher Zwangsmittes beibringen kannst. Die sind Formen der imponierenden Selbstdarstellung des Pferdes, die es in besonderen Erregungszuständen vor seinen Artgenossen von sich aus zeigt.
- Dein Pferd soll Freude bei seiner Arbeit empfinden un in seinen Bewegungen und seiner Haltung Begeisterung zum Ausdruck bringen.
- Versuche nicht, dein Pferd durch stark rückwärts wirkende Zügeltätigkeit oder andere Zwangsmittel zu versammeln und aufzurichten. Reite bestimmt vorwärts bei leicht anstehendem, im entscheidenden Moment nachgebendem oder hingegebenem Zügel.
entnommen aus Reitkunst Xenophon von Dr. Klaus Widdra, Wu Wei Verlag, Schondorf, ISBN 978-3-930953-28-8.
Der Historiker, Reiterführer und Schriftsteller Xenophon (ein Schüler des berühmten Philosophen Sokrates) wurde im Jahre 430 v. Chr. geboren und starb im Jahre 354 v. Chr. Er nahm an zahlreichen Kriegen teil, beispielsweise als Waffengefährte des von ihm bewunderten spartanischen Königs Agesilaos. Beide unternahmen einen Feldzug gegen das mit Athen verbündete Theben und führten die Schlacht von Koroneia im Jahre 394 v. Chr.
Deshalb wurde er aus seiner Heimatstadt verbannt und zog sich auf ein Landgut bei Olympia zurück, mit dem ihn die Spartaner entschädigt hatten. Dort begann Xenophon neben Landwirtschaft, Jagd und Pferdezucht mit seiner literarischen Tätigkeit. Hier schrieb er auch die beiden Bücher „Über die Reitkunst“ und „Der Reiteroberst“..
| Geschrieben von: ? am 02.03.2009 |
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